Pedro Lenz' «Gschichte vo hie und hütt» «Blöffe mit em eigeten Unvermöge»

Pedro Lenz, 52, Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über Personen, die nicht bereit sind Schweizerdeutsch zu lesen.

De meischte Lüt isch es unagnähm, wenn si öppis nid chöi. Si rede entweder nid drüber, oder si versuechen ihres Unvermöge diskret z kaschiere. Numen bi eim ganz bestimmte Thema, das faut mer immer wieder uuf, isch de Lüt ds eigeten Unvermöge überhoupt nid unagnähm.

Ganz im Gägetöu, si schiine ziemlech stouz druf z si und betones ungfrogt z Längem und Breitem. I rede vom Unvermöge, Mundart z läse. Was mir nid scho aues für Lüt mit glänzigen Ouge si cho verzöue, wi si Mundart bim beschte Wüue nid chönge läse. De luege si eim aube no so aa, wi wenn si für das es Lob würden erwarte oder es Schuuterchlopfe.

Nei, Mundart, nei auso, das de würklech nid! Bis me do bim Läse scho numen einigermasse tschegget heig, was gmeint chönnti si. Das sig so aasträngend! Mit Mundarttägschte chieme si niene häre!

Das ma jo möglech si, dass me gwüssi Sachen im Läben ender schlächt oder gar nid cha. I wott nid behoupte, jede müess aues chönne. Und es git weiss Gott gnueg Sache, won ig persönlech überhoupt nid uf d Reihe bringe oder won i nie rächt ha glehrt, obwouh i d Glägeheit hätt gha. I wott ou gar nid kritisiere, dass es Lüt git, wo Mundart nid chöi läse. Das isch jedem si Sach, was er wott chönne und was er ender nid wott chönne. Gäge das gits nüt z säge.

Mir faut eifach immer wieder uf, mit was für em ne Stouz und mit was für ere breitgwauzte Säubschtgfäuigkeit dass d Lüt säge: «Auso Mundart chan i de grad gar nid läse!» Bsungers gärn und usfüehrlech schiine si mir das wöue z säge, wöu si wüsse, dass ig vüu Tägschten und Büecher uf Mundart schriibe. Si versueche mi z tröschte derfür, dass si mi nid verstöh und rüehme mini gueten Absichte, aber de betone si i überheblechem Tonfau, si läsi haut gar ke Mundart, wöu se das vüu z fescht würd aastränge.

Das isch jedem si Sach, was er wott chönne und was er ender nid wott chönne

Und es si de gar nid öppe di unbbüudete Lüt, wo gärn mit em Argumänt vor Aasträngig erkläre, wieso dass si nid wei Mundart läse. Ganz im Gägetöu, es si fasch usnahmslos guet gschueleti und beläseni Mitmönsche, wo im Fau vor Mundart mit emArgumänt vor Aasträngig chöme.

Derbi dünkt mi ds Vermiide vo Aasträngig im Zämehang mit Literatur nid unbedingt es gschids Uswauhkriterium. Wenn ig i mim Läbe nume gäng Büecher hätt gläse, wo mi nid aastränge, hätti mängi schöni Erkenntnis verpasst.

Läse isch per se scho aasträngend. Und mir dörfen aanäh, dass es immer scho Lüt het ggä, wo ussert em Abloufdatum vom Joghurt-Bächer gar nüt hei gläse. Wobi jo d Frog, ob me ds Abloufdatum vom Joghurt-Bächer ender tuet läsen oder ob mes nume tuet aaluege, unger Fachlüt umstritten isch.

Aber jetz wäre mer um nes Hoor vom Thema abcho, auso vo dene Lüt, wo blöffe dermit, dass si die Kolumne do nid hei chönne fertig läse. I ha der Verdacht, si heiges gar nie ärnschthaft probiert.

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