Notabene von Chris von Rohr «Heilkräuter fürs neue Jahr»

Musiker, Produzent und Autor Chris von Rohr, 66, schreibt in seiner neuesten Kolumne über persönliche gedankliche Errungenschaften, welche er gerne teilt.

Mich hat das neue Jahr schier überrumpelt. Das muss irgendwie von hinten gekommen sein… Gerne hätte ich dem Weltenwahn eine Pause gegönnt. Doch die Zeiger lassen sich nicht anhalten. Die Rädchen drehen, ob wir grad rennen oder lieber schlafen wollen.

Neujahrsvorsätze sind so nachhaltig wie meine Rasur. Man kann fast zuschauen, wie Gras drüberwächst. Trotzdem möchte ich Ihnen, liebe Leserschaft, fürs 2018 ein paar meiner persönlichen gedanklichen Errungenschaften weitergeben. Es sind elf einfache Dinge, die auf jeden Fall von Herzen kommen – Anwendung und Diskussionen auf eigenes Risiko.

1. Egal, worüber Sie parlieren oder hirnen – gönnen Sie sich einen Restzweifel, und hören Sie lieber einmal mehr zu. Zuhören ist die wichtigste Technologie für fast alle Bereiche des Lebens. Das Einzige, was im Leben zweifellos klar ist, ist ... ähm … Moment, gleich komme ich drauf ...

2. Locker bleiben! Wenn wir aus jeder Mücke ein Kamel machen, übersehen wir die Elefanten. Egal, ob es um «No Billag» oder die Drohscharmützel von Streichwurst-Kim und Trompeten-MacDonald geht – vermutlich wird keins dieser Probleme die Welt in Schutt und Asche legen. Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter. Und die Welt dreht sich nicht wegen, sondern trotz uns.

3. Why worry? Ärgern sie sich nicht über Dinge, die sie nicht selbst lenken und beeinflussen können. Das ist reine Zeitverschwendung. Wir Schweizer sind Weltmeister darin, andere Leute zu observieren und über Belanglosigkeiten, die uns nichts angehen, zu tratschen. Elvis sagte: «Richten und beurteilen Sie keine Menschen, in deren Schuhe Sie nicht gelaufen sind.» Es verbindet uns mehr als uns trennt.

4. Schenken Sie sich Auszeiten in der Natur. Da finden Sie alles: Licht, Leben, Farbe, Freude, Luft, Fitness und eventuell sogar die Liebe. 

5. Sitzen ist das frühere Rauchen. Probieren Sie, Ihre zehntausend Schritte pro Tag zu machen, mit oder ohne Hund, Einkaufstaschen oder Leiterwägeli. Und Wasser ist Leben! Duschen Sie sich damit nicht bloss äusserlich. (Mit Zitrone oder Ingwer wirkts am besten.) Meiden Sie Zucker – der ist eh schon in allem drin und macht Sie nicht süsser! Der Panik-Doktor hätte einiges weniger zu tun, wenn wir nach diesen Empfehlungen leben würden.

6. Das Leben liebkost uns nur hie und da so richtig wohlig und innig. Sehen Sie Misserfolge und Rückschläge als Chance. Was wir loslassen, schafft Platz für Neues. Meist wachsen wir am Ende des Tages an unseren Flops und Verlusten. Sie machen uns besser, demütiger und dienen nicht zuletzt als Probe für grössere Leidenserfahrungen, die in Zukunft kommen werden.

7. Schauen Sie Ihren Lieben in die Augen, und sagen Sie ihnen alles, was im Leben mal gesagt sein muss. Keinem Menschen wird beim Anblick eines handystreichelnden, wortkargen Zombies warm ums Herz. Ausserdem kann kein iPhone, TV oder Compi ein gutes Buch ersetzen. Da werden Geist und Fantasie grossartig bewegt. Die interessantesten Menschen sind meist routinierte Leser. Sie kennen mehr Wörter als «Ja», «Nein», «Gömmer?». Und sie verwenden sie zur Freude ihrer Mitmenschen auch. 

8. Machen Sie Ihre Kinder glücklich! Schenken Sie ihnen Zeit, und zeigen Sie ihnen immer wieder etwas, das Sie selbst erfreut und strahlen lässt. Glücklichsein ist ansteckend. Lassen Sie sie verweilen, statt sie zu drängen. Das Universum ist in den Augen der Kinder, wir müssen es nur sehen.

9. Gehen Sie abstimmen. WIR bestimmen, was zu tun und zu lassen ist in diesem Land. Das darf auch das Gegenteil der Bundesratsempfehlungen sein. Übernehmen wir Verantwortung. Zur soliden Meinungsbildung ist es zwingend, vielfältigen, unabhängigen Recherche-Journalismus zu lesen. 

10. Vergessen Sie nie, wo Sie geboren wurden. Wer hier auf die Welt geworfen wurde, hat eh gewonnen. Ich habe gelesen, dass die Schweiz gar zum beliebtesten Land zum Sterben auserkoren wurde. Klar müssen wir uns zwischen Geburt und Tod etwas einfallen lassen, den einen oder anderen Boxkampf austragen und zahllose Wunden lecken, aber die meisten von uns haben schlicht unverschämt viel Schwein im Vergleich mit dem Gros der Erdenbewohner. Ehren wir also das Leben, aber auch die Verstorbenen. Sie sind erst tot, wenn wir sie vergessen. 

11. Falls Sie auf jemanden so richtig sauer sind – hören Sie auf mit dem «Schaitz». Leiten Sie im Streitfall nicht gleich alles in die Wege, damit Sie für den Rest des Lebens nicht mehr miteinander reden können. Ihre Kinder werden aufatmen. Vergeben ist wahre Stärke. Ein gelungenes 2018! 

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