Notabene von Chris von Rohr Polit-Wunschzettel 2018

Musiker, Produzent und Autor Chris von Rohr, 66, schreibt in seiner neuesten Kolumne, wo Politiker den Gürtel enger schnallen sollten.

Eigentlich dachte ich, die Narrenzeit sei im Februar. Nun hat sie der Bundesrat vorgezogen. Unsere Volksvertreter vergaben wieder mal kurzspitz 1,3 Milliarden ohne wirklich konkrete EU-Zugeständnisse für unser Land. «Kohäsionsmilliarde» lautet das Zauberwort, das wie ein Autounfall tönt, in Wahrheit Kuschelgeld ist. 

Der nimmermüde EU-Chef kam und siegte wie immer. Sein bekanntestes Zitat lautet: «Wenn es ernst wird, muss man lügen.» Zu viel Transparenz hält er für naiv, und es mache ihm auch nichts aus, wenn man ihn als unzureichend demokratisch bezeichne. In Bern sprach er zynisch von Flexibilität, von Kaiserwetter – ein Begriff aus eher ungeliebten Habsburgerzeiten. Nach ein paar Stunden reiste er «aus Wettergründen» bereits wieder ab. Unsere Politiker lächelten, und die Schweiz landete 14 Tage später wieder auf einer unsinnigen grauen Liste. Danke schön.

Die Oststaaten benötigen unsere Hilfe gar nicht

Wer will schon etwas von «Freundschaftsverträgen» hören, weil Herr Juncker das Wort Rahmenabkommen nicht passt? Das kann er vielleicht seinen EU-Partnern verkaufen, aber nicht dem Schweizer Wähler. Es geht immer um Interessen zwischen Staaten, um Geschäftsmodelle, um Vorteile, um Geld. Wer in einer professionellen Verhandlung plötzlich Sachliches mit Persönlichem, also angeblicher Freundschaft, verknüpft, der ist definitiv mit Vorsicht zu geniessen. Da gehen bei mir alle Warnlampen an. Zu oft hörte ich in meiner Laufbahn genau diese Schlaumeierei. 

Ich habe weiss Gott nichts gegen eine grosszügige Schweiz, wenn es um Hilfe für Benachteiligte und Bedürftige geht – im Gegenteil. Aber hier handelt es sich vor allem um Geld für die Oststaaten, deren Wirtschaft gerade gut läuft und die unsere Hilfe nicht benötigen. Dafür lese ich am gleichen Tag, dass der ABB-Konzern in Genf aus Kostengründen 150 Mitarbeiter entlässt, weil sie den Produktionsstandort nach Polen verlegen, die Schweiz sei zu teuer. Wie bitte? Müssen unsere Arbeiter jetzt nach Polen umsiedeln oder aufs hiesige Sozialamt?

Was ist mit uns Schweizern?

Dazu kommt mir in den Sinn: Gibt es nicht in der Schweiz Menschen, die dringend Unterstützung gebrauchen können? Verschlingen nicht die Krankenkassenprämien einen immer grösseren Teil unseres Einkommens? Haben nicht Handwerker und der Detailhandel grosse Probleme? Explodieren nicht gerade unsere Kosten im Sozialwesen? Dazu grosse Unsicherheit bei der Altersvorsorge. Mich persönlich trifft das nicht, aber es gibt nicht wenige, die in unserer Hochpreisinsel auf dem Zahnfleisch gehen und jeden Franken dreimal umdrehen müssen, um über die Runden zu kommen. 

Geradezu grotesk erscheint es dann, wenn Sonnenkönigin Doris, die im Leben noch nie ein Unternehmen führte, ihren «Untertanen» vom Privatflugzeug aus predigt, sie hätten den Gürtel enger zu schnallen (es ging um Verkehrsabgaben und Wucher-Krankenkassenprämien). Ich kann ihr da nur schwer folgen; sowie Frau Sommaruga, die früher Musiklehrerin war und trotzdem nichts für den einheimischen Urheberschutz tut.

Mein Wunschzettel für die Politiker

Darum füge ich hier noch meine Wunschliste an, wo unsere Staatsdiener ihren Gürtel enger schnallen könnten.

Beginnt sofort mit klarem Abbau von Verwaltung und Bürokratie. Dieser Moloch wächst nämlich seit Jahren stärker als die gesamte Wirtschaft. Mittlerweile sind es 37 000 (!) Bundesbeamte, Tendenz steigend, Durch-schnittslohn 120 000 Franken. Ich beobachte immer mehr Gesetze und Regulationen und weniger Effizienz im Alltag.

Halbiert die Löhne der Parlamentarier, damit wieder mehr Miliz- statt Berufspolitiker in Bern sind. Die wissen besser, wo der Schuh drückt und wo was klemmt im Lande.

Hört endlich damit auf, vor der EU derart in die Knie zu gehen. Verhandeln heisst, auf Augenhöhe zu ringen und nicht immer vorauseilend zu gehorchen. Auch ich wünsche mir ein vereintes Europa, aber sicher nicht unter dieser zentralistischen, pseudodemokratischen Führung und Machtkonzentration in Brüssel.

Vertraut wieder mehr den Stimmbürgern und setzt bitte auch um, worüber ihr sie abstimmen lasst!

Erinnert euch, wem ihr Macht und Gehalt verdankt und wem ihr euch zu verantworten habt.

Also teure Bundesräte und Parlamentarier, nutzt die Feiertage auch etwas zur Besinnung und erkennt: Freundschaften, aus denen gute Deals resultieren, lassen sich nicht erkaufen. Respekt und nachhaltigen Erfolg muss man sich hart verdienen. In dem Sinne schon jetzt: Happy Christmas und ein stärkeres 2018!

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