Notabene von Chris von Rohr Rohe Gewalt

Musiker, Produzent und Autor Chris von Rohr denkt in seiner neuesten Kolumne über die steigende Gewalt und das Versagen der Politik.

Kürzlich schrieb mir eine Schweizerin, die momentan in Los Angeles lebt, was denn los sei bei uns. Sie lese fängs jede Woche über Gewalt und Totschlag. Sie zwang mich quasi dazu, mich mit diesem Thema näher zu beschäftigen. Kein erfreuliches Unterfangen. 

Mit Schrecken denke ich an Chemnitz zurück. Da wurden auf einem Fest drei deutsche Männer abgestochen, nachdem sie Frauen vor sexuellen Übergriffen schützen wollten. Einer ist gestorben, der zweite schwer verletzt mit 24 Messerstichen massakriert.

Auch in der Schweiz ist das Faustrecht auf dem Vormarsch

Festgenommen wurde ein mehrfach vorbestrafter Asylbewerber, dessen Rückführung man verschlampt hatte. Kurz zuvor wurde in Offenburg ein Arzt in seiner Praxis vor den Augen seiner kleinen Tochter aufgeschlitzt und ermordet. Man könnte Seiten füllen mit solchen Horrorvorfällen in Deutschland. Aber auch in der Schweiz ist das Faustrecht auf dem Vormarsch. Genf, Bern, Zürich, Basel: Schlägereien, Messerstechereien und Totschlag.

Ein unendlicher Hass, oft auch sexuelle Frustration wohnt in den Tätern. Viele kommen aus Kriegsgebieten, wo Kampf und Mord ihr Alltag war. Andere, mehrheitlich Männer, sind einfach zerfressen vom Elend ihres sinn- und seelenlosen Daseins und haben als letztes Ventil rohe, brutale Gewalt.

Die Polizisten müssen den Mist ausbaden, den ihre Vorgesetzten anrichten

Ein Trauerspiel, das sich auf den Strassen und in Tausenden Familien abspielt. Es wird nicht mehr gesprochen, es wird geschlagen. Und die Polizei? Die ist nahezu machtlos. Ihr sind die Hände gebunden. Man muss sich das mal vorstellen: An die hundert Polizisten waren unlängst in Zürich gegen Messerstecher und Hooligans im Einsatz.

Es gab genau eine Verhaftung, weil die Wachmänner es kaum schafften, unter dem Gegröle von Mitläufern und Gaffern an das Messeropfer heranzukommen. Der Respekt vor den Ordnungshütern ist zero. Sie müssen den Mist ausbaden, den ihre Vorgesetzten anrichten.

Es entsteht eine hypermoralisierte Scheinwirklichkeit

Verantwortlich für diese Zustände sind die Sicherheitsdirektoren der Kantone und Städte. Aber oft auch viele Richter und Anwälte, die alle ausschöpfbaren juristischen Winkelzüge anwenden. So wird das Gesetz ausgehebelt, und härtere Strafen oder Ausschaffungen werden immer wieder verhindert. Jeder gesunde Menschenverstand wird mit Füssen getreten. Täter werden zu Opfern, Opfer zu Tätern.

Tatsachen werden so lange verdreht, bis sie zur passenden Theorie, Ideologie und in ein heuchlerisches, vorgefasstes Weltbild passen. Es entsteht eine hypermoralisierte Scheinwirklichkeit, die rein gar nichts mehr mit der realen Welt, wo die Sitten verwildern und die Gerechtigkeit obachlos ist, zu tun hat.

Die Menschen machen sich Sorgen um ihre Sicherheit

Langsam sickert endlich in gewissen Polit- und Redaktionsstuben durch, dass die wenigsten, die die heutige Sicherheits- und Migrationspolitik und den Asylmissbrauch ablehnen, kaltherzige Wutbürger oder Rechtsextreme sind. Weder in Deutschland, England, Italien, Dänemark, Frankreich, Österreich, Schweden noch in der Schweiz. Es sind schlicht Menschen, die sich Sorgen um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder machen.

Sie verstehen und billigen nicht mehr, was in den Strassen, Bahnhöfen oder an öffentlichen Veranstaltungen so läuft. Sie fühlen sich als Familien, als Menschen und nicht zuletzt als Steuerzahler vom Staat als Rechtsgemeinschaft im Stich gelassen, dessen allererste Aufgabe es wäre, seine Bürger zu schützen. Ihr Alltag ist grimmiger und härter als jener der abgehobenen Salonpolitiker an den Schalthebeln der Macht, die nur zu gerne aus gesicherten Werkstätten die Verantwortung abschieben.

Verurteilen, was wir in den eigenen Reihen nicht akzeptieren würden

Wenn wir etwas gegen die Verrohung unternehmen wollen, kommen wir nicht darum herum, offen über Gesellschaftsschichten, Religionen, Minder- und Mehrheiten zu sprechen. Und das sollten wir dringend tun. Wir müssen klar kommunizieren, dass unser Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht mit Beschneidung, Angriffen und Schlägen vereinbar ist. Das gilt für helvetische Hooligans ebenso wie für Menschen mit Migrationshintergrund. Wir sollten ausserdem festhalten, dass unser Tierschutzgesetz keine Quälereien zulässt – auch nicht im Namen einer Religion. 

Wir sollten auch bei anderen Ethnien deutlich verurteilen und ahnden, was wir in den eigenen Reihen nicht akzeptieren würden, und das ohne sozialpolitische Schönfärberei. Jedes Lebewesen hat eine andere Geschichte, eine andere Herkunft, andere Hemmschwellen, Verletzungen und Dämonen. Das Problem ist vielschichtig, und wir müssen die wahren Ursachen der zunehmenden Gewalt erkennen, konsequent bekämpfen und lösen. Es wäre allen zu wünschen, egal, welcher Farbe, Rasse und Zunge. 

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