Pedro Lenz' «Gschichte vo hie und hütt» «Vom Verstoh im Kosovo»

Pedro Lenz, 52, Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über seine Lesetour und die Vorzüge der eigenen Sprache.

Di Wuche bin i im Kosovo uf Läsetour. Bi Teil vor e Gruppe vo Schriftstöuerinnen und Schriftstöuer us der Schwiz und vom Kosovo. Mir machen i verschidene Städt Gruppeläsige i verschidene Sproche. Das isch künschtlerisch eifach. Nume d Vorbereitig isch chli kompliziert. 

Bim Vorbespräche hei mer es grosses Babylon. Mir ungerhaute nis i mindeschtens zäh Sproche. Auso eigetlech rede mer au zämen uf Änglisch. Aber das Änglisch het Färbige vo Albanisch, Türkisch, Serbisch, Dütsch oder Französisch, und innerhaub vo dene Sproche färbts no jede mit sire eigete Mundart und sire eigete Persönlechkeit. Trotzdäm isch öppis komisch: Das vüustimmigen Änglisch, wo mer do bruuche, zum nis gägesitig verstoh, isch uf au Arte beschränkt und gstabig. Es verwandlet säubschtbewussti Mönsche i verchnorzeti Nuscheler.

Sobau, dass me sech i sire eigete Muetersproch cha usdrücke, cha me sich säuber si

Theoretisch reden au zäme di gliichi Sproch, aber ds Gspräch isch vou vo Missverständis und unbeantwortete Froge. Bim Probe mit de Musiker änderet das zum Glück. Aues wird eifacher, freier und mönschlecher. Sobau, dass jede sini Gedicht oder sini Gschichte i sire eigete Sproch cha vorträge, entspanne sech di Chnörz. Und wenn vorhär no aui Angscht hei gha, me verstöng se nid richtig, isch jetz d Stimmig inspirierend und liecht. 

Sobau, dass me sech i sire eigete Muetersproch cha usdrücke, cha me sich säuber si. Das ghört und gspürt me lang bevor, dass mes versteit. I rede mit de Kosovaren über das und merke, dass ds Thema heiku isch. I däm Land isch d Sproch es Zeiche vo Zueghörigkeit. Eso wi mir ir Schwiz stouz druf si, dass mer es mehrsprochigs Land si, si töu Lüt im Kosovo stouz druf, dass si d Mehrsprochigkeit überwunde hei und immer meh es eisprochigs Land wärde. 

Am beschte verstöh sech d Lüt denn, wenn si öppis zäme mache

Wenn jetz bi üsne mehrsprochige Läsigen uf dere Tour öpper öppis uf Serbisch seit, isch das scho nes politisches Statement. Eini vo de Kolleginnen ir Gruppe redt mit üs uf Bärndütsch, si isch Kosovarin, cha aber nid Albanisch, wöu si us ere Gägend im Kosovo chunnt, wo me Türkisch redt. Aber es sig nid ds Türkische vor Türkei, sondern es öuters Türkisch, eis, wos nume mündlech git. En angere vo de kosovarische Kollegen isch e Dichter, wo uf Roma schribt. Är het mer gseit, sis Roma, sig ds typische Roma vom Kosovo. Aber di angere Kosovare verstö ne nid.

Nid emou di wäutschi Kollegin versteit ne, derbi han i bis jetz gmeint gha, Roma sig wi Französisch e romanischi Sproch. Me chönnt jetz drüber sinniere, was es bringt, es Läseprogramm i so vüune Sprochen und Mundarte uf d Bei z stöue. Aber es geit nid um d Sproche, es geit um d Mönsche. Und wöu jede Mönsch mindischtens ei Sproch het, wo nen usmacht, geits näbebi ou um d Sproche. Das tönt chli kompliziert, aber es isch ganz eifach: Am beschte verstöh sech d Lüt denn, wenn si öppis zäme mache.

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