Notabene Helmut Hubacher Nie genug!

Helmut Hubacher, 88, ehemaliger SP-Präsident und Buchautor, über die UBS, Rendite und spekulative Geschäfte.

Die UBS offeriert ein himmlisches Weihnachtsangebot: Mit einem Inserat in der «Handelszeitung» vom 4. Dezember: «Frische Strategien mit bis zu 14,50 % Rendite.» Mit «einer Palette von Optimierungsprodukten». Das sind spekulative Wertpapiere mit hohen Gewinnchancen.

Solch riskante Geschäfte kennen wir doch aus der Finanzkrise 2008. Die UBS wäre dabei in Konkurs gegangen, hätten Bund und Nationalbank sie nicht gerettet. Oskar Lafontaine war mal deutscher Finanzminister. Die Deutsche Bank, kritisiert er, mache nur etwa vier Prozent ihrer Geschäfte mit der Wirtschaft. «Der Rest ist Kasino.» Also gehts weiter wie gehabt.

Die Europäische Zentralbank ist zuständig für die 17 EU-Staaten mit dem Euro als Währung. Sie hat den Zins auf null gesenkt. Die Banken bekommen billiges Geld wie noch nie. Das aber kaum in die Wirtschaft zu Unternehmen geht, die investieren. Sondern ins Spielkasino. In der Schweiz haben wir auf Sparguthaben einen Zins von unter einem Prozent. Der Börsenkurs dagegen hat in den letzten drei Jahren 50 bis 100 Prozent zugelegt. Davon spüren die meisten nichts. Die «Frankfurter Zeitung» vom 4. 12. 2014 dazu: «Diese Geldpolitik nutzt den Reichen. Denn erstens profitieren vom Wertschriftenboom jene, die Vermögen haben. Zweitens: Die niedrigen Zinsen machen sichere Sparguthaben unrentabel.»

Man kann dem Klassenkampf von oben sagen. Die zahlenmässig kleine Oberschicht kassiert, das Fussvolk unten und in der Mitte schaut in den Mond. Es ist leider keine Übertreibung: Die Superreichen werden immer noch reicher. Die Schweiz macht da keine Ausnahme. Weniger als ein Prozent besitzt die Hälfte der Vermögen. Besitzt gleich viel wie 99 Prozent. Das ist erst noch nicht alles. Kantone pflegen einen Steuerwettbewerb nach unten. Bei dem vor allem die oben weniger zahlen müssen. Gewisse Kantone haben für die armen Reichen Steueroasen mit Discounttarif angelegt. Robert Heuberger ist in Winterthur als Immobilienkönig bekannt. Er ist fast schon ein Exot: «Wer viel Steuern bezahlt, hat auch viel verdient. Ich zahle gerne Steuern.» Das hört man in diesen Kreisen kaum mehr.

Die zahlenmässig kleine Oberschicht kassiert, das Fussvolk schaut in den Mond


Gelegentlich werden wir über die Erbschaftssteuer-Initiative der SP abstimmen. Bereits fliessen Krokodilstränen. Weil bei der Annahme des Volksbegehrens wahrscheinlich bittere Armut ausbrechen wird. Hans Kissling, früher Kantonsstatistiker von Zürich, kontert mit Zahlen. 178 000 Personen haben 980 Milliarden Franken Vermögen. 95 000 davon höchstens «nur» je zwei Millionen. Die wären steuerfrei. Bleiben 83 000 mit etwa 800 Milliarden. Deren Erben kämen an die Kasse. Das Geld ginge an die AHV. Kaspar Villiger will nicht mehr hören, was er als Bundesrat für richtig hielt: eine Erbschaftssteuer.

UBS und CS (Credit Suisse) dürfen als Grossbanken nicht pleitegehen. Sie sind «too big to fail», zu gross, um unterzugehen. Der volkswirtschaftliche Schaden wäre verheerend. Deshalb mussten sie ihr Eigenkapital aufstocken. Um im Notfall nicht Staatshilfe zu beanspruchen. So weit, so gut. Eben nicht.

Marc Chesney, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Zürich, hat 2014 einen Finanzkrimi herausgegeben. Mit Machenschaften von Grossbanken, die naive Gemüter in Depression stürzen könnten. Da werden Derivate, laut Duden «Finanzprodukte», als Wetten verkauft. Wetten auf den Konkurs eines Staates, einer Firma oder auf den Tod einer bekannten Person. Je früher Konkurs oder Tod eintreten, desto grösser wird der Gewinn.

Marc Chesney nimmt das «Ausserbilanzgeschäft» unter die Lupe. Dem Namen nach ist das kein normales Geschäft. Eher eine Art Schwarzhandel: «Addiert man die bilanzierten und die ausserbilanzierten Aktivitäten, betragen sie für CS und UBS zusammen 70 Mal das BIP der Schweiz» (Bruttoinlandprodukt, 2013 600 Milliarden Franken). Bei der normalen Bilanz ist es nur etwa zweimal das BIP. Nicht das 70-Fache.

Die UBS-Rendite von 14,5 Prozent ist nur mit spekulativen Geschäften möglich. Nicht mit seriösen. Dafür kassieren sie oben immer mehr, während andere kaum noch Zins beim Ersparten bekommen. Da erinnere ich mich an ein Inserat der Privatbank Julius Bär & Co. AG in der «Bilanz». Ausgabe 10/1978: «Es gibt keine vermögende Schicht ohne arbeitende Bevölkerung.» Das gilt mehr denn je.

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