«Senkrecht» mit Natascha Knecht Bikinifigur dank Bergluft

Natascha Knecht, 47, Journalistin und Alpinistin, Buchautorin und Bloggerin, sinniert über die Bergluft als Abnehmtechnik.

Kennen Sie auch eine Person, die jeden Frühling eine neue Diät ausprobiert? Die sich auch dieses Jahr vorgenommen hat, bis zur Badesaison fünf Kilo abzunehmen? Und jetzt realisiert, dass bereits Ende Juni ist, aber die Figur noch nicht aussieht, wie vorgestellt? Dann hoffe ich, dass Ihre «Person» nicht so hysterisch tut wie meine liebe Freundin Iris. Bei ihr herrscht derzeit Drama. Warum? In wenigen Tagen fliegt sie mit ihrem neuen Lover nach Griechenland in die Strandferien. «Meine Diät war für die Füx», jammert sie. «Jede Diät ist für die Füx», sage ich.

Fleisch und Beeren für Heidi-Klum-Figur?

Seit Wochen quält sich Iris mit der Steinzeitdiät ab, ernährt sich wie unsere Vorfahren vor 20 000 Jahren. Sie glaubte, wenn sie ausschliesslich Fleisch und Beeren esse, sehe sie bis zum Sommer aus wie Heidi Klum. «Sei froh, dass die Diät nicht funktioniert», versuche ich sie aufzumuntern. «Wer will schon aussehen wie ein Steinzeitmensch? Oder wie Heidi Klum?» Leider fehlt Iris gerade der Sinn für Humor, was ich verstehe. Bei dieser einseitigen und langweiligen Kost hätte ich auch schlechte Laune.

Als Bergsportlerin ist mir das Thema Ernährung nicht fremd. Ich setze mich regelmässig damit auseinander. Nicht, weil ich abnehmen möchte. Sondern weil der Proviant ein entscheidender Faktor für meine Kraft und Ausdauer sein kann – dahinter steckt eine ganze Wissenschaft. So gibt es interessante Studien, die ich Iris nun per Mail weitergeleitet habe. «Geh in die Höhe!», schrieb ich dazu. «Berge machen Bikinifigur

In der Höhe verbrennt der Körper mehr Energie

Aus den Studien geht nämlich hervor, dass dünne Höhenluft schlank macht. Früher gingen die Forscher davon aus, die Leute würden in den Bergen abnehmen, weil sie wandern, biken, Ski fahren. Jetzt fanden die Höhenmediziner bei mehreren Experimenten heraus: Die Bergluft geht auch dann ans Fett, wenn wir den ganzen Tag in der Beiz sitzen oder auf einer Alpwiese liegen. Grund: Wegen der sauerstoffreduzierten Luft verbrennt der Körper automatisch mehr Energie als im Tal. Er wird sozusagen zu einem Feuerwerk. Und nicht nur das: Gleichzeitig hemmt die Höhe unseren Appetit und das Hungergefühl.

Mit reiner Bergluft 1.5kg in einer Woche abnehmen

Um von der verdünnten Luft zu profitieren, müssen Abnehmwillige keinen Achttausender bezwingen. Zwar wäre die Wirkung grösser – aber wer will schon aussehen, wie einer, der vom Mount Everest zurückkommt? Nein, es reichen erträgliche Höhen. Die Probanden der Studien verbrachten jeweils eine Woche in einem Gasthaus auf 2700 Metern über Meer, das sie bequem mit der Seilbahn erreichen konnten. Dort durften sie essen, was sie wollten. Nur zwei Dinge waren strikt verboten: sich körperlich anstrengen und Diät halten. Resultat: Ende Woche brachten die Frauen und Männer im Schnitt 1,5 Kilo weniger auf die Waage. Also mehr, als Iris mit ihrer Steinzeiternährung geschafft hat.

Heute rief sie an. Weshalb diese Höhendiät nicht in Frauenzeitschriften, Bestseller-Büchern und in der TV-Werbung propagiert werde, fragte sie. Keine Ahnung, antwortete ich. Weil Höhenluft gratis ist? Iris sagte, sie wisse jetzt, welche Diät sie nächsten Frühling ausprobiere: «Badeferien an einem Bergsee.» Genial!

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