«Gschichte vo hie und hütt» mit Pedro Lenz «Muetig und mündig im Mündleche»

Pedro Lenz, 51, Mundart-Schriftsteller und Publizist, schreibt in seiner Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über die Eigenheiten im Schweizerdeutsch.

Seckli wöue?» Immer, wenn i im chline Lade bi mir ir Nöchi öppis iichoufe, stöue d Verchöiferinne di glichi, knappi Frog. «Seckli wöue?», nei danke. «Seckli wöue?» – jo gärn.

«Seckli wöue?», das isch vermuetlech en Abchürzig vom Konjunktiv-Frogesatz: «Hättet dir gärn es Seckli wöue?» Aber wöu d Dienschtleischtige hützutags fasch nümm z zahle si, müesse di Verchöiferinne Zit spare. Ganzi Sätz säge, das bruucht vüu Zit, und was vüu Zit brucht, choschtet vüu.

Drum chürze di Verchöiferinne d Sproch chli ab. Nid dass si zletscht no ds gliiche Schicksau erliide wi di Schauteraagschtöute vor Poscht.

Zum Glück si mer ir Sproch deheime. Und zum Glück ghöre mer ir eigete Sproch aui Varianten use. I weiss zwar, dass «Seckli wöue?», ke ganze Satz isch, aber weiss gliich, was gmeint isch. Inere angere Sproch wüssti das nid. Wi müesst me «Seckli wöue?» uf Hochdütsch übersetze? «Tütchen gewollt?», das würd i jedefaus nid verstoh.

Nume mit der eigete Sproch, mit dere, wo me jede Tag bruucht und jede Tag ghört, cha me bim Rede chli ds Chaub mache. Sobau dass me ine angeri Sproch wächslet, muess me sech konzentriere, dass men aues richtig macht. De isch fertig luschtig. Ir eigete Sproch chan i zum Bischpüu ou am ne Nochber säge: «E schöne!», är cha de der Räschte vom Satz säuber ergänze. Je nach Situation weiss er genau, ob i e schönen Oobe ha gmeint oder e schöne Tag oder e schöne Sunntig. Müesst i hingäge mi Nochber uf Hochdütsch grüesse, de gieng das nümm so spontan. I wüsst jo nid emou sicher, obs «ein schöner» oder «einen schönen» müesst heisse. Es würd mer nüt angers übrig bliibe, aus nochedänke und e passende Satz vorbereite.

Üs Dütschschwizer git äbe die Sproch Sicherheit, wo nis spontan zum Muu userütscht


Drum sägen is doch, wenn de wosch sicher si im mündlechen Umgang, de bruuchsch e Sproch, wo der Sicherheit git. Und üs Dütschwizer git äbe die Sproch Sicherheit, wo nis spontan zum Muu userütscht.

Mi Kolleg und Fründ, der Schriftstöuer Beat Sterchi, schaffet jede Tag mit der Sproch. Ihm isch scho mängisch ufgfaue, dass mir Dütschwizer meischtens chli i nes Züg inechöme, sobau dass mer Hochdütsch müesse rede. Aber statt dass mer nis präventiv entschuudige, schribt der Sterchi i sim nöischte Buech, wärs einisch ar Zit, feschtzhaute, dass mer nid gschtabiger si aus di Dütsche, sondern dass mer haut en angeri Sproch hei. Der Sterchi stöut keni sprochpolitische Forderige. Är plädiert eifach derfür, dass mer me Muet hei, wenns ums Rede geit. «Mut zur Mündigkeit» heisst sis Buech. Es isch uf Hochdütsch gschribe, und es handlet dervo, wi mir dohie rede. Göts go choufe, es isch würklech sehr läsenswärt.

Und wenn der Glück heit, frogt d Buechhändlere am Schluss: «Seckli wöue?»

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