Pedro Lenz' «Gschichte vo hie und hütt» «Nume ganz weni fautsch»

Pedro Lenz, 53, Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» darüber, wie schnell man etwas ganz anders verstehen kann, als es eigentlich gemeint war. 

Bi üs ir Primarschueu isch ir Klass eine gsi, dä het im Diktat aube ungloublech vüu Fähler gmacht. Aber wenn sini vile Fähler thematisiert si worde, het er aube gseit, es sig nume Päch gsi. Är heig bi de meischte Fähler nume ganz weni fautsch gmacht. Zum Bischpüu bi «dass» heig er numen eis «s» zwenig gschribe. Oder am nen angeren Ort heig er «seit» statt «seid» gschribe. Das sig vom Klang här praktisch genau gliich.

Nume ganz weni fautsch gäbs nid, het aube der Lehrer Kneubühler ir dritte Klass gseit. Ir Orthografie gäbs richtig oder fautsch und nüt derzwüsche.

Was es N aues cha usmache

Das aues isch mer i Sinn cho, nachdäm dass i bi üs ir Stadt dür nes nöis Quartier bi gloufen und gläse ha, dass e nöii Stross dört aus «Autorennstrasse» isch beschüuderet gsi. Muess das würklech si?, han i für mi dänkt. Wäm isch ächt dä Strossenamen i Sinn cho? Ir hüttige Zit, wo men immer wieder vo tragische Raserunfäu und fahrlässige Privat-Outorenne list, sött me doch e Quartierstross nid aus Outorennstross betitle. Das animiert doch di junge Raser erscht rächt, zum uf ds Gaspedau drücke.

I bi scho druff und dranne gsi, wäge däm Thema mit em Stadtpresidänt Kontakt ufznäh, wo mi e Bekannte druf ufmerksam gmacht het, es heig numen eis «n». Was er mit däm wöu säge, han i gfrogt. Äbe, es heissi «Autorenstrasse» nid «Autorennstrasse», es göng um Schriftstöuer, nid um Outorenne. Di Klärig het mi einersits beruhiget, aber glichzitig ou chli beschämt. Me list öppis nume ganz weni fautsch, und scho bedüttets öppis ganz angers.

Me list öppis nume ganz weni fautsch, und scho bedüttets öppis ganz angers.

Ä wiudi Vrwächslig

Aber es git no schlimmeri Missverständnis. Me cha ou öppis, wo vom Schriftbüud här fählerfrei isch und wo me richtig gläse het, fautsch verstoh. So wi dä Kolleg, wo z Amerika bim Iireise e Zoubeamte het vor sech gha, wo mit «Wild» isch aagschribe gsi. Dä Officer Wild heig sehr gfährlech usgseh und ihn, mi Kolleg, heigs ddünkt, das chönnt e längi Passkontroue wärde. Är wüss nid worum, aber är heig i däm Mister Wild (usgsproche «Wääild») so ne richtig scharfe, sträng patriotische Amerikaner gseh us em töife Hingerland. E Sohn vo ehemalige Cowboys, wo so ne Schwizer wi ihn bsungers lang wöu am Zou lo zable. Aber nächär heig dä Mister Wild nach ganz churzer Zit der Pass abgstämplet und mit em ne fründleche Lächle uf Schwizerdütsch gseit: «Merci und wüukommen i de USA, heit e schöne Ufenthaut.»

Däm Zoubeamte sis Namensschüud mit em Name «Wild» sig fählerfrei gsi. Nume heigs mi Kolleg aus «Wääild» interpretiert und i sim Gägenüber e Frömde gseh. Hätt ers hingäge aus «Wüud» interpretiert, wär ihm der gliich Name vertrout und liebenswürdig vorcho.

Ds Problem isch es ähnlechs wi mit der Orthografie: Der Fähler isch nume chliin, aber ds Missverständnis isch gross.

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