«Gschichte vo hie und hütt» mit Pedro Lenz «Ds Myschterium vom Luchs»

Pedro Lenz, 51, Mundart-Schriftsteller und Publizist, schreibt in seiner Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über die Frage nach dem Luchsbestand im Wallis.

Scho im 17. Johrhundert sig der Luchs im Schwizer Mittuland usgrottet gsi. Us em Aupegebiet sig er de churz nach 1900 äbefaus verschwunde. Ab de 1970er-Johr het me de der Luchs ir Schwiz wieder afoo ussetze. Hütt hets ei Luchs-Population im Jura und eini i den Aupe. Grundsätzlech göngs am Luchs ir Schwiz nid so schlächt, säge d Experte. Aber jetz hei si usegfunge, dass es im Wallis vüu weniger vo dene Tier het, aus me lang gmeint het gha.

Forscher vor Uni Bärn si nämlech im Wallis go luege, wi mänge Luchs das si finge. Wenn me d Flächi vom Wallis mit dere vo angerne Kantön im Auperuum vergliicht, müesstis im Wallis öppe füffzg Luchse gä, hei si berächnet. Si heigen aber nid meh aus füfzäh Exemplar gfunge.

Jetzt stöut sech natürlech d Frog, was mit de fählende Tier passiert isch. Bis jetz cha no niemer genau säge, wieso dass der Luchs-Bestang usgrächnet im Wallis derewä gring isch. Vilecht heige si z weni Fueter, wird vermuetet. Oder vilecht heige d Wüsseschafter nid eso guet zöut. Möglech wär natürlech ou, dass es irgendöppis mit de Jäger z tüe het. Aber wi gseit, bewiesen isch gar nüt. Und d Wüsseschaft steit vor em ne grosse Rätsu.

Mir wei nid grüble. Aber komisch isch es gliich. Es cha doch fasch nid si, dass der Luchs kantonali Preferänze het und dass er zum Bischpüu lieber im Bärner Oberland oder im Waadtland geit go läbe aus im Wallis. Es isch ou schlächt dänkbar, dass meh vo dene Roubchatzen im Walliser Schiigebiet vo Pischtefahrzüg überfahre wärde aus i angerne Gägende. Und niemer cha gloube, dass si eifach augemein meh Päch hei aus ihri Artgenossen im Räschte vor Schwiz. Es isch ou ender unwahrschiinlech, dass der Luchs im Wallis en unseriöse Läbeswandu het und wäge däm mit ere töifere Läbeserwartig muess rächne.

Möglech wär natürlech ou, dass es irgendöppis mit de Jäger z tüe het

Jetz wöue si mou mit de Walliser Jäger go rede, zum Useghöre, wi si zum Luchs eso stöh, het eine vo de Forscher am Radio gseit. Won i das ghört ha, han i mer vorgschtöut, wi ächt so nes Gspräch vor sech geit. De chunnt do wahrschiinlech irgend e Biologie-Studänt us der Stadt und hocket irgendwo im Wallis i nes Jägerstübli: «Grüessech mitenang. Cha mer ächt öpper säge, wi dirs mit em Luchs eso heit? Wi isch öiches persönleche Verhäutnis zu däm Tier?»

Und de han i mer vorgschtöut, wi di Jäger, wo jo sicher wüsse, uf was dass so nes Interview uselouft, würden antworte: Si heigen es tipptopps Verhäutnis zum Luchs, würde si wahrschiinlech säge. Der Walliser Jäger und der Luchs, das sig e totau unverchrampfti Beziehig. Ab und zue nähm me zämen es Raclette oder e Schluck Fendant. Si wüssi nid genau, worum dass der Luchs-Bestang zrüggggange sig. Aber es würd se nüt verwungere, wenn der Wouf tschuud wär. Der Wouf sig nämlech im Wallis fasch a auem tschuud.

Im Dossier: Weitere Geschichten von Pedro Lenz und «Notabene»-Kolumnen

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