«Gschichte vo hie und hütt» mit Pedro Lenz «D Gramper und ds Horn»

Pedro Lenz, 50, Mundart-Schriftsteller und Publizist, schreibt in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über die gefährliche Arbeit der Gramper.

D Gramper si die, wo derfür luege, dass ds Isebahnnetz immer funktioniert. Dank ihnen isch ds Land ständig i Bewegig. Si hei e gfährlechi Püez, stöh i ihrne orange Überchleider i de Gleis und ersetze kabutti Schiene oder Weiche. Letscht Wuche si nes haub Dotze vo dene Gramper vor mim Chuchifänschter bim Bahnhof öppis am Mache gsi. Si hei mit emne Wärchzüg, wo usgseht wi ne Mischtgable, der Schotter usegnoh. De hei si es paar Minute mit dene Mischtgable glochet. Aber chuum si si chli im Flow gsi, het eine i nes Horn inebloose, und de si die Gramper sofort uf ds Perron gschtangen, und Sekunde spöter isch e Zug düregfahre. Wenn der Zug düren isch gsi, si d Manne grad wieder derhinger, und numen es paar Minute spöter het me wieder ds Horn ghört, und scho si d Püezer blitschnäu wieder usecho. So isch das der ganz Tag ggange. Ine, schaffe, e Hornstoss, use, warte, e Zug, ine, schaffe, e Hornstoss, use, warte, e Zug und so witer.

I hätt öppis söue schriibe, aber i ha mi nid chönne konzentriere. Gäng, wenn i e Satz formuliert ha gha, han i das Horn ghört, und de han i usegluegt und gseh, wie die Gramper ab de Schine gumpe. Und de han i nümm gwüsst, was i ha wöue schriibe, und won is wieder gwüsst ha, isch scho wieder e Hornstoss cho.

Und was isch, wenn däm am Horn mou der Pfuus usgeit und er ke rächte Hornstoss meh härebringt?



Irgendeinisch han i ds Schriiben ufgä und a däm Ma mit em Horn afo umestudiere. Uf en erscht Blick het jo dä eigetlech di eifachschti Püez, vergliche mit de Kollege scho fasch e Schoggijob. Är muess sech nid bücke und muess nid loche. Aber klar, d Verantwortig isch natürlech ou belaschtend. Wenn er numen eis einzigs Mou nid rächtzitig hornet, gits e Katastrophe.

I ha mi afoo froge, ob d Gramper ächt abwächsle, ob auso jeden irgendeinisch ds Horn darf übernä oder ob das numen ei Einzigen isch, wo der ganz Tag muess horne. Und was isch, wenn däm am Horn mou der Pfuus usgeit und er ke rächte Hornstoss meh härebringt?

Während däm, dass i dene Gramper ha zueglost und zuegluegt, hei si im Radio jedi Stung ds Nöischte us der ganze Wäut verzöut. D Wäut isch immer i Bewegig, logisch. Und was si scho sächs oder siebe Gramper, vergliche mit au dene News, wo mer jedi Stung im Radio ghöre? Aber a däm Tag han i bi de Nachrichte gar nid richtig möge härelose. I bi numen uf die Arbeiter vor em Fänschter konzentriert gsi, so wie sie uf ds Horn konzentriert si gsi.

Und jetz dänken i sit Tage ständig a di Gramper und a das Horn. Und i froge mi, obs ächt nid guet wär, wenn men i de Radionachrichte zwüschinne würd verchünde, es sige de übriges dört und dört zurzit grad so und so vüu Gramper a der Arbet. Nume so, dass mer nid vergässe, wär dass das Land im Schwung bhautet.

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