«Gschichte vo hie und hütt» mit Pedro Lenz «Der Ma, wo d Zitig bringt»

Pedro Lenz, 50, Mundart-Schriftsteller und Publizist, schreibt in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über den Mann, der ihm jeden Sonntag die Zeitung bringt.

Am erschte Mai isch im Schützehuus es Konzärt gsi, vüu Lüt und e tipptoppi Atmosphäre. De isch es zuegange, wies aube so zuegeit, a söttigne Konzärt: I de vorderschte Reihe hei si tanzet. Ir Mitti vom Saau hei si ar Musig zueglost. Und ganz hinge, bi der Bar, isch vor auem diskutiert worde.

Ohni Musig chönnt me besser diskutiere, dasch scho klar. Aber es git äben immer es paar Fründe, wo lieber mit musikalischer Ungermolig diskutiere. Uf jede Fau hei mer nang müssen aamöögge, dass mer nis überhoupt verstange hei. Aber wemen akustisch aues versteit, de muess jo das no lang nid heisse, dass me ou inhautlech aues versteit. Jedefaus hei mer über höchkomplizierti, wäutbewegendi Theme philosophiert, währenddäm dass d Band im angeren Egge vom Saau kubanischi Lieder het gspüut.

Jetz bringsch du mir sit Johre jede Sunntig d Zitig, und nächär lehre mer nis do am Pissoir kenne?

Irgendeinisch han i uf d Toilette müesse. Am Pissoir näbe mir steit eine, wo ni nid kenne. De luegt er churz übere und seit, är kenni mi. Zersch hets mi chli gnärvt, wöu eigetlech bin ig a söttignen Orte nid eso gsprächig. Und de seit dä Typ näbe mir, är wüss sogar mini Adrässe.

Merci, aber mini Adrässe, die wüss i säuber ou, han i gseit.
Jo, das sig scho klar, het är gseit, aber är wüss äbe mini Adrässe, wöu är mir jede Sunntig am Morgen am föifi d Zitig i Briefchaschte leggi.
«Was, das bisch du? Das gits jo nid! Jetz bringsch du mir sit Johre jede Sunntig d Zitig, und nächär lehre mer nis do am Pissoir kenne?»
Mir hei beid zäme Fröid gha, dass mer nis einisch persönlech begägne. I ha mi drum scho mängisch gfrogt gha, wär das isch, wo Sunntig für Sunntig bi jedem Wätter derfür sorget, dass i zum Zmorge cha Zitig läse.
Mir hei nis no chli verzöut, was mer süsch so machen im Läbe. Mir hei erscht ufghört ploudere, wo mer gmerkt hei, dass mer im Wäg stö. De heimer d Häng gwäsche und enang aues Guete gwünscht.
Wo ni zrügg bi de Kollegen ar Bar bi gsi, hei si immer no ne höchintellektuelli Debatte gfüehrt. I ha der Fade verloore gha und ha vergäbe versuecht z verstoh, vo was dass sis hei. Zwüschinne han i zwar no einzelni Begriffen ufgschnappet, aber verstange han i überhoupt nüt meh.
Ob i de nüt z säge wüss, het mi der Schlauscht ir Rundi gfrogt, won er gmerkt het, dass i nume no schwige. Es tüeg mer leid, i sig mit de Gedanke nöimen angers. I heig vorhär grad der Ma glehrt kenne, wo mer auben am Sunntig d Zitig bringt.

«Was het jetzt das mit üsem Thema z tüe?»
«I weiss es nid, i weiss nume, dass i jetz weiss, wär dass mer aube d Zitig bringt.»
Das sig ömu nid so ne Sach.
Ob är de wüssi, wär, wär dass ihm am Sunntig d Zitig bringt.
Nei, das wüss är nid.
Äbe. De söu er nid stürme, wenn er nid emou das wüss.

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