«Gschichte vo hie und hütt» mit Pedro Lenz «Wenn d Gedanke fliesse»

Pedro Lenz, 51, Mundart-Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über Flüsse und Eisenbahnen.

Vo letscht bin i z Öschterriich ire Stadt gsi, di heisst Krems an der Donau. Dä Name tönt fasch e chli wie Wangen ar Aare oder Stei am Rhi. Es isch dört aber scho zimlech angers. I meine nid unbedingt d Ortschaft, di isch zwar ou schön, aber do müesste Wangen ar Aare oder Stei am Rhi e Vergliich nid schüche. Nei, i meine der Fluss, der Fluss dört i däm Krems an der Donau, dä het en angeri Dimänsion aus die Flüss, won i bi üs kenne.

Me cha z Krems an der Donau stundelang a Fluss hocken und de Laschtkähn zueluege. De gseht men au di Container, wo uf Wien gö oder uf Bratislava, Budapest, Belgrad oder no witer, bis ganz aben a ds Schwarze Meer.

Wenn me dört a däm Fluss hocket und dene Schiff zueluegt, de chunnt me fasch zwangsläufig chli ds Grüble. Es isch chli ähnlech, wi wenn me z Outen am Bahnhof de Güeterzüg nocheluegt, wo z Nacht dürefahre, wo vilecht vo Brindisi oder vo Marseille uf Hamburg oder uf Oslo fahre. Wär het au di Container belade? Wär het au di Ware produziert, wo i dene Container verlade si worde? Wele Kranfüehrer a welem Hafe ladt di Container us? Wele Chauffeur transportiert se zur Chundschaft? Wär macht sen uf, und wo chöme di Läbesmittu oder di Chleider oder di Medikamänt oder di Maschine, wo i au dene Container transportiert wärde, zletscht häre?

Won i dört i däm Krems an der Donau grad a söttigne Frogen umegstudiert ha, während däm dass d Schiff ganz ruhig flussabwärts si gfahre, isch eine, e junge Ma, im ne Trainer düregloufe. Uf sim Trainerjäggli isch aagschribe gsi: «ESV Vorwärts Krems».

En Isebahnstrecki und e Fluss si eigetlech ungefähr ds Gliiche.


I bi de mit däm Ma ids Gspräch cho und ha ne gfrogt, was das für en Verein sig, dä «ESV Vorwärts Krems». Das sig e Fuessbauclub, genauer gseit, en Isebahner-Sportverein, het er gseit, e richtige traditionelle Büezerclub. Krems sig drum en auti Isebahnerstadt, und d Isebahnarbeiter heige dä Verein grad nach em Erschte Wäutchrieg gründet.

Das sig jetz no interessant, han i gseit, i wohni säuber ou iren Isebahnerstadt. Aber i heig jetz vermuetet gha, Krems sig ender e Donaustadt, scho wägem Name. Nei, Krems sig en Isebahnerstadt, het dä vom Sportverein gseit. D Donau sig nid so wichtig wi d Isebahn, ou wenn der Ort Krems an der Donau heissi. Aber me chöng jo are Stadt nid guet Krems an der Eisenbahn säge. Das sig ke Name, wo zieht.

Der Ma isch witerggangen, und i ha wieder uf e Fluss gluegt. En Isebahnstrecki und e Fluss si eigetlech ungefähr ds Gliiche, han i ddänkt. Nume dass der Fluss scho lengschtens do isch gsi, wos d Isebahne no gar nid het gä. Und sehr wahrschiinlech isch er de gäng no do, wenns d Container und d Laschtkähn, d Isebahne, d Sportvereinen und üs Mönschen irgendeinisch nümme git.

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