«Gschichte vo hie und hütt» mit Pedro Lenz «E Wanderig im Winter»

Pedro Lenz, 50, Mundart-Schriftsteller und Publizist, macht sich in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» Gedanken über die französische Sprache, Schweizer Politik und Steuerhinterziehung.

Boooschur» - «Bonschuur» - «Bongschur». Uf em Wanderwäg vo Noiraigue zum Creux du Van isch es äng. Die, wo ufeloufe, chrüze mit dene, wo abeloufe. Und de grüesst me nang uf Französisch. Sogar wenn d Wandergsöuschaft, wo chrüzt, e Gruppe vo Chinese isch. Immer wieder ghörtmen es «Boooschur» - «Bonschuur» - «Bongschur». Je nach Härkunft vo dene, wo grüesse, tönts wäutscher oder chli weniger wäutsch. Aber ou dene, wo dä französische Gruess zungetechnisch fasch nid härebringe, chiems nid i Sinn, angers z grüessen aus uf Französisch.

Der Wäg isch steil. I chüüche vor Aasträngig bim Ufstieg, aber e knappe Gruess, bringen i aube gliich no häre. Und scho chunnt der Gruess wieder zrügg: «Boooschur» - «Bonschuur» - «Bongschur».

Wenn d Wanderer bim Creux du Van ungerenang rede, de ghörtme, dass di meischte Dütschschwizer si. Trotzdäm grüessen aui enang uf Französisch. Und währenddäm, dass i a däm Phänomen umestudiere, chunnt mer i Sinn, dass Französisch d Sproch vom abgloufene Johr isch. Der nöi Bundesrot redt Französisch. Di auti und di nöii Miss Schweiz rede Französisch. Der Sportler des Jahres redt Französisch. Ir französische Houptstadt hets zwöi fürchterlechi Terroraaschläg gä. Und churz nach dene Attentat het fasch jede, wo nes Facebookprofiu het, i fählerfreiem Französisch verchündet: «Je suis Charlie» oder «Je suis Paris».

«Französisch isch d Sproch vom abloufene Jahr. Im nöie Jahr redemer wieder Klartäggscht»

Im nöie Johr isch de das aues wahrschiinlech scho gli vergässe. De redemer de wieder Klartäggscht. Oder süsch söu mer öpper säge, wie me ds Wort «Durchsetzung» uf Französisch buechstabiert. Wenn im Februar die Düresetzigsinitiative dürechunnt, de entscheidet de nümme ds Gricht, ob en Usschaffig vom nen Stroftäter im Einzufau verhäutnismässig isch. De müessen au zäme, wo ne Seich hei gmacht und ke Schwizer Pass hei, usgschaffet wärde, unabhängig dervo, ob si do gebore si oder nid. Ussert si heige nume chli mit de Stüüre bschisse, de liesse mer se lo schlüüffe. Stürdelikt wäre jo de nid unbedingt so schlimm, dass me grad müesst zum letschte Mittu griiffe.

Stürhingerziehig isch drum traditionell öppis, wo ender di Riiche praktiziere. Und di Riiche weimer nid ploge. Die bruuche mer zum d Zwöitwohnige bsetze, dass es nid z vüu chauti Bett git i de Tourismusregione. Nid, dass es zletscht plötzlech no ne Düresetzigsinitiative zur Zwöitwohnigsinitiative brucht.

Excüse, wenn i do fasch e chli abgschweift wär. Eigetlech han i jo nume wöue säge, dass me bi de gägewärtige Wätterbedingige ou im Winter tipptopp cha go wandere und dass es schön isch gsi aafangs Wuche uf em Creux du Van. Und äbe, dass es eim uffaut, wie dört uf em Wanderwäg aui Wanderer enang «Boooschur» - «Bonschuur» - «Bongschur» säge, sogar d Chinese.

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