Pedro Lenz' «Gschichte vo hie und hütt» «Es Gedicht drüber mache»

Pedro Lenz, 50, Mundart-Schriftsteller und Publizist, schreibt in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über Totalsanierungen von Wohnblöcken und Gedichte.

Ibi ziemlech spät vore Läsig hei cho. Uf em Terrässli vor ere Beiz si no es paar Lüt ghocket. Eine, en öutere Maa, wo dörten aube si Schlummerbächer nimmt, het gseit, i söu no hurti härehocke.

I sig müed, han i gmacht, i wöu hei i ds Näscht. Aber es sig wichtig, het är gseit. Was de los sig, han i ne gfrogt. Und de het er verzöut, d Huusbsitzer wöuen e Wohnblock a sire Stross totausaniere und jetz sig aune Mieter gchündet worde. Es paar vo dene Mieter wohni scho sit 46 Johr i däm Huus.

Was das mit mir z tüe heig, han i wöue wüsse. «Du muesch es Gedicht drüber schriibe!», het er gseit. «Es Gedicht? Wie chunnsch uf das?» – «Mou, du bisch doch e Dichter. Was e Dichter seit, wird zur Kenntnis gnoh. Muesch es Gedicht drüber schriibe, dass d Öffetlechkeit erfahrt, was do passiert.»

Das mit däm Huus und de Mieter, wo use müesse, das sig doch erscht grad im Regionaufernseh cho, han i däm Maa gseit. Im ne söttige Fau sig e Pricht im Regionaufernseh vüu würksamer, aus es Gedicht.

«Sicher nid!», het er gmacht, «es Gedicht würd meh bringe. Es Gedicht, das isch öppis, wo de Lüt iifahrt. Wenn du es Gedicht schribsch, de chönnte mer d Bevöukerig ufrüttle. De müesst dä Husbsitzer sini Chündigunge zrüggnäh.»

I sig aber nid unbedingt uf Gedicht spezialisiert, han i versuecht z erkläre. I sig ender i angerne literarische Gattige deheime, Kolumne zum Bischpüu, chliini Gschichte, Churzprosa, söttigi Sache haut. Und i müess mou luege, ob i vilecht einisch e Kolumne zu däm Thema chöng schriibe.

Der Maa het no meh Bier bstöut und behouptet, e Kolumne sig nüt

Der Maa het no meh Bier bstöut und behouptet, e Kolumne sig nüt. Das sig öppe gliich nüt, wi ne Pricht im Regionaufernseh. Nei, es müess es Gedicht si. Und är heig würklech gmeint gha, i sig Dichter. «Dä Lenz isch doch Dichter?», het er die am Näbetisch gfrogt. Die hei nume d Achsle glüpft und witertrunke.

Aber mi Tischgenoss het insischtiert. «E Kolumne het ke Sinn. Es müesst es Gedicht si, es längs, schöns Gedicht, wo aues drinne vorchunnt, die ganzi Ungrächtigkeit, d Einzuschicksau vo dene Mieter, ds Problem vor Immobilie-Spekulation, der fählend Zämehaut i üsere Gsöuschaft, d Chauthärzigkeit vom Kapitalismus und so witer. Du chasch das, i weiss es.»

«Gedicht liest hütt fasch gar niemer meh! Das muesch vergässe. Lyrik isch es Minderheitephänomen. I bringes würklech gschider ire Kolumne. Kolumne hei meh Breitewürkig», han i no einisch versuecht z erkläre.

«Nei, mach nid e Kolumne, Kolumne si oberflächlech, mach es Gedicht, mach es Gedicht

I ha nim de müesse verspräche, dass i ke Kolumne drüber mache. I haute mi a mis Verspräche. I schribe ke Kolumne drüber. Aber es Gedicht vermuetlech ou nid.

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