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Pedro Lenz' «Gschichte vo hie und hütt»

«Vom Schänken und Beschänktwärde»

Pedro Lenz, 53, Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über das Phänomen des Schenkens.

Ein Bild

Jetz, wo d Wiehnachte wieder düren isch, gits vüu Lüt, wo offebar erliechteret si. Im Zug, im Tram, im Konsum, uf em Märit, überau ghören i Mönsche, wo zunang säge: «Gottseidank isch dä Stress verbi!» Und de wird tüchtig über ds Gschänklimache gschumpfe. Wi schwierig, dass es sig, ständig Lüt müesse z beschänke, wo scho aues heige! Was söu men öpperem schänke, wo sogar scho säuber seit, är wöu nüt, är heig aues?

Ine söttige Jammerchor würd ig nie iistimme! Mi dünkt Schänke ds Gröschte! I ha ou a dere Wiehnacht vo Härze und mit Fröid Gschänk gmacht und Gschänk übercho. Natürlech isch es nid bi aune Fründe und Verwandte gliich eifach, es Gschänk uszwähle, aber das machts jo grad interessant. Und sogar bi dene, wo meine, si wüssi ganz genau, was si wei, cha ds Schänke en Useforderig si.

Anti-schmacktiv???

E Jugedlechi, wo sehr gärn Sport macht, het mer zum Bischpüu gseit gha, si wünschi sech es Sportliibli, wo anti-schmacktiv sig. «Was es nid aues git!», han i ddänkt, «anti-schmacktivi Sportchleidig! Wär het ächt so öppis erfunge?» Und de bin i mou i ds Sportgschäft.

Der Verchöifer het mer e Huufe Sporttrikot i aune mögleche und unmögleche Farbkombinatione zeigt. «Schmöcke si, wenn me schwitzt?», han i gfrogt. «Klar schmöcke si, aber si si sehr pflegeliecht. Wenn me se us der Wöschmaschine nimmt, si si praktisch scho troche!»

Das sig guet und rächt, han i gseit, aber i müess öppis ha, wo anti-schmacktiv sig, wo auso nüt schmöcki. Si heig am Telefon vom ne anti-schmacktive Stoff gredt.

Das gäbs nid, i meini sicher atmigsaktiv, nid anti-schmacktiv, het dä Verchöifer gseit. Mir hei grinset, und i ha wieder öppis glehrt. Gubs kener Gschänk, hätt i das vo dene atmigsaktive Sportliibli nid glehrt.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Aber ou bi dene Gschänk, wo me nid e Wunsch berücksichtiget, sondern säuber entscheidet, was me schänkt, gits mängisch Missverständnis. So wi a dere Wiehnacht, wo einen ir Rundi es Päckli ganz wenig ufgrisse het gha. Me het dür ds ufgrissene Gschänkpapier e Teil vom ne magere Mannekörper gseh, wo nume ganz knapp aagleit isch gsi. «Ou cool, e Biografie vom Gandhi!», het er gseit und derzue gstrahlet wi ne Meiechäfer. Dä, wo das Gschänk het übercho, list drum für ds Läbe gärn Biografiee.

Aber won er ds Päckli richtig het uspackt, het er gseh, dass es nid e Gandhi-Biografie isch gsi, sondern es Paar Ungerhose. A dene heter natürlech ou Fröid gha, aber me het nim scho aagseh, dass nim der Mahatma Gandhi nöcher wär gsi aus der Calvin Klein.

Allei scho wäge söttigne Erläbnis würd i nie öppis gäge ds Schänke a Wiehnachte säge. Und wenn i jetz bis zur nöchschte Wiehnacht fasch es Johr muess warte, tröschten i mi mit em ne Spruch, wo zwar nid vom Gandhi isch, aber immerhin vom Sepp Herberger: «Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.»

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Von Pedro Lenz am 31. Dezember 2018