Pedro Lenz' «Gschichte vo hie und hütt» Was me nid unbedingt muess

Pedro Lenz, 53, Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über die vielen Vorgesetzten der Schriftsteller.

Mängisch, wenn es paar Fründe gnueg lang zämehocke, möcht me vilecht chli d Wäut verbessere. «Me müesst unbedingteinisch...» isch i sörigne Momänten e beliebte Satzaafang. Mit däm Pronome «me» si aui chli mitgmeint, chöi sech au zämechli aagsproche füehle. Fasch chönntis ou heisse: «Mir müessten unbedingt einisch …» Aber «mir» wär de gliich no ne Spur verbindlecher aus «me». «Mir» würd jo scho fasch heisse, dass dä, wo seit, was me müesst, säuber mit guetem Bischpüu chönnt voraago. So gseh, isch «me» glich no chli unverbindlecher aus «mir».

Wär auso weiss, was men unbedingt müesst mache, aber sich säuber lieber nid wett mitverpflichte, bruucht normalerwis ds Pronome «me». No klarer isch es auerdings, wenn me grad diräkt seit: «Du müesstisch unbedingt einisch...» Das heisst nämlech nüt angers aus: «I säge dir, was du muesch mache», oder zums no chli diräkter säge: «I bi der Chef und i verteile d Büez.»

Aus Schriftstöuer wird eim jede Tag gseit, was me sött schriibe, mängisch ou mehrmous am Tag. Es cha sogar vorcho, dass wüudfrömdi Lüt froge: «Du schribsch doch? Äbe gäu, du söttisch unbedingt einisch zu däm und däm öppis schriibe.»

Aus Schriftstöuer wird eim jede Tag gseit, was me sött schriibe

Vermuetlech het niemer so vüu Vorgsetzti wi ne Schriftstöuer. Fasch aui gloube genau z wüsse, was d Schriftstöuer müesste schriibe. Mini Mailbox isch vou vo unbeantwortete Arbeitsbefähle. «Warum schreiben Sie eigentlich nie über die Problematik der…» – «Sie sollten unbedingt einmal zum Thema... schreiben!» Das si no di harmlosere Befähle. Stränger wirds, wenn d Lüt schriibe: «Wenn ich Ihnen meine Lebensgeschichte erzähle, haben Sie Stoff für mehrere Romane! Wir müssen einmal zusammen reden.»

Vüu Lüt meine mit zäme rede, dass si rede, während au angere zuelose. De verzöue si eim ihri Läbesgschicht, und zletscht si si no enttüscht, wöu si bim Verzöue säuber chli merke, dass ihres Verzöue no ke Roman isch.

Letscht Wuche bin i z Uruguay gsi, ire Schwizer Kolonie. Si hei mi iiglade, zum chli vor Schwiz verzöue. Was de mit ihne sig, han i gfrogt, ob si nid ou vüu z verzöue hätte. «Mir wei gschider gar nid aafo!», het eine vo dene Uruguayer mit Schwizer Vorfahre gseit. «Du mögtisch gar nid noche mit schriibe.» Aber si chönge ou süsch verzöue, eifach so, ohni dass i müess drüber schribe, han i vorgschlage. Das sig ou wohr, hei di Lüt vo dere Schwizer Kolonie gseit. Und nächär, wo klar isch gsi, dass es um ihri Gschichte geit und nid um ne Stoff, won i unbedingt e Roman müesst drüber schriibe, si si locker worde. Si hei wunderbari Gschichte gwüsst z verzöue, und niemer het gseit: «Do muesch unbedingt drüber schriibe.»

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