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Pedro Lenz' «Gschichte vo hie und hütt»

«Wi bös weniger bös isch worde»

Pedro Lenz, 54, Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» darüber, wie sich die Bedeutung vom Wort «böse» verändert hat.

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I weiss no guet, wi mir aus Ching hei Angscht gha vor böse Manne, vor böse Geischter, vor böse Lehrer, vor böse Häxe, vor böse Hüng und süsch no vor sehr vüu böse Wäse. Das unschiinbare Wörtli «bös» isch dennzumou es böses Adjektiv gsi. Aber nid nume das: Me het us em Begriff «bös» sogar es böses Verb chönne mache. Das Verb isch überau dört zur Aawändig cho, wo öppis schlimmer isch worde. Aues het chönne bööse, der Hueschte vom Grossvatter het jede Winter bbööset, mit em Rügge vor Grossmueter hets bbööset, und mit em Zuestang vor Wäut hets sogar bös bbööset. 

Weniger böse als vor 20 Jahren

Wenn me sech achtet und chli umelost, de cha me merke, dass ds Wort «bös» hüttzutags chli weniger bös isch aus no vor zäh oder vor zwänzzg Johr. Wenn di junge Lüt hütt «bös» säge, de meine si meischtens «sehr». Wäge däm wird «bös» meh und meh zum ne Versteerchigswort, ähnlech wi «huere». Es sehr es härzigs Hundeli isch de plötzlech bös härzig, e sehr e gueti Party isch im Hingerdri, wenn me dervo verzöut, bös guet gsi, und e sehr e cooli Frisur isch bös cool.

Di Sinnverschiebig, wo der Begriff «bös» mitgmacht het, wär eigetlech nid so problematisch, schliesslech chunnts ir Umgangssproch immer wieder vor, dass en aute Begriff e nöii Bedüttig überchunnt. Ds Blöden isch i däm spezielle Fau nume, dass bös e moralische Begriff wär. Und wenn ds Wort «bös» ke moralischi Bewärtig me isch, de chunnt me bi moralische Froge liecht i ds Schleudere. Wi wott me de öppisem säge, wo moralisch schlächt bewärtet wird, wenn «bös» kes bruuchbars Wort meh isch, zum ds Böse bezeichne?

 I mire Chindheit het me no drufhäregschaffet, e guete Mönsch z si

Ds umgekehrte Phänomen isch äbefaus bekannt. I mire Chindheit het me no drufhäregschaffet, e guete Mönsch z si. Das het me gmacht, in däm dass me versuecht het, bösi Gedanke, bösi Wort oder bösi Tate z vermiide. Es isch natürlech nid immer glunge, aber me hets gäng wieder probiert. Ungerdessen isch der Begriff «Gutmensch» es Schimpfwort. Wär zu öpperem seit, är sig e Guetmönsch, meints schlächt mit nim.

Das si luter Gedanke, wo ni mer ei Tag gmacht ha, nachdäm dass i am ne chliine Bueb ha zueglost, wo mit sire Mueter chli het wöue philosophiere. Är het zur Mueter gseit: «Hesch du mi gärn?» Und wo si nim gseit het, klar, si heig ne sehr gärn, het der Chliin gseit: «Ou wenn i bös bi? Ou wenn i sehr bös bi? Ou wenn i sehr, sehr bös bi?» 

Ändlech wieder mou öpper, wo zwüsche «guet» und «bös» cha ungerscheide, han i ddänkt; ändlech wieder einisch eine, wo ds Wort «bös» im traditionelle Sinn bruucht. Es het eim fasch chli berüert, dass sech dä Bueb so vüu Gedanke zu sire eigete Bosheit macht.

Und wo nim d Mueter de irgendeinisch gseit het, e sig jetz gnueg gstürmt, är söu nid so aasträngendi Froge stöue, het men a ihrere Stimm useghört, dass sis nid bös meint.

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Von Pedro Lenz am 25. März 2019