Unterwegs mit Susanne Hochuli Wer kennt die Berge: Ötzi oder Donald?

Susanne Hochuli, 51, war acht Jahre Regierungsrätin im Aargau. Jetzt ist sie oberste Patientenschützerin der Schweiz und lebt mit zwei Flüchtlingsfamilien auf dem eigenen Hof in Reitnau AG. Auf einer Bergtour macht sie sich Gedanken, wie es mit unserer Menschheit weitergehen wird.

Donald verfolgt mich bis in die Berge. Nicht der etwas trottelige, aber durchaus liebenswerte Enterich Duck aus Entenhausen, über den ich schon als Kind immer wieder den Kopf schütteln musste. Aber ich mochte ihn. Nein, nicht dieser Enterich ist mir auf den Fersen, sondern jener mit der gelben Haartolle.

Donald Trump war bestimmt noch nie in den Bergen, er würde sonst nicht behaupten, der Klimawandel sei fake news. Ich wage sogar zu behaupten, sollte Trump jemals physischen Kontakt schon nur mit einer Hügellandschaft gehabt haben, geschah dies in Form von gemachten Brüsten. Hinter den Brüsten sah er bestimmt keinen Menschen. Er stellte sich eher vor, wie er sich mit der Eroberung dieser Erhöhungen brüsten wird. Bei Freunden und Feinden.

Sie sehen, ich bin verärgert über diesen mächtigsten Menschen der Welt. Sehr sogar. Und noch viel mehr seit ich auf einer Bergtour im Wallis war.

Heute ist es an vielen Stellen bereits grün

Ich masse mir nicht an, die Gletscherlandschaften zu beurteilen. Aber auch ich sehe, wenn Gletscher «ausgeapert» – also schneefrei sind, und ich höre, wie das Eis blank unter den Steigeisen knirscht. Immerhin sind die Gletscherspalten gut sichtbar; aber welches berglerische Greenhorn würde schon ohne Bergführer auf einen Gletscher gehen? Ich nicht. Also dürfen sie ruhig schneebedeckt sein.

Wer mit einem erfahrenen Bergführer unterwegs ist, kann von seinen Erinnerungen profitieren: Diese «Bergmenschen» wissen, bis wohin die Gletscher sich vor 15 Jahren noch ausgebreitet haben; sie wissen, wo überall ewiger Schnee lag, welcher Abstieg angenehmer war, weil der Schnee dem Hang die Steile nahm.

Heute ist es an vielen dieser Stellen bereits grün; Disteln, Hauswurz, Thymian und weitere Pionierpflanzen suchen sich Halt zwischen Steinen und in Felsritzen. Sie vermodern und bilden Humus, der Heimat für weiteres Grün wird: Gräser, Alpenaster, Arnika, Enzian und Glockenblümchen.

Für die Natur ist diese Entwicklung nicht tragisch: Sie hat Eiszeiten überlebt, Dürren und Regenzeiten. Saurier, Mammuts, Säbelzahntiger und Dutzende neuzeitliche Tiere kamen und gingen.

Hügelige Landschaft Notabene
© Schweizer Illustrierte

Hügelige Landschaft: Der Mensch hinterlässt überall Spuren.

Die Klimaveränderung ist kein Drama, ausser für den Menschen, der zwar Unglaubliches zustande bringt – aber mit seiner Anpassungsfähigkeit ist es so eine Sache. Und die Menschen der industrialisierten Welt sind auch nicht mehr geübt, mit Dramen umzugehen; nein, jede Verarbeitung eines Dramas wird zum Drama selber. Weil wir so individualisiert sind und uns auf der grossen Welttheaterbühne selber immer in der Hauptrolle und im Scheinwerferlicht sehen.

So wie Trump sich selber sieht. Er ist der Grösste, der Beste, der Klügste – und was ihn zusätzlich abstossend macht: Er meint, er hätte eine tolle Ausstrahlung. Nur dumm, dass er mit seiner unglaublichen Ignoranz der realistischen Fakten sich und weiteren kommenden Cäsaren die Welttheaterbühne zur Selbstdarstellung selber zerstört. Über so viel selbst zu verantwortende Dummheit sollte sich ein mächtiger Gletscher breiten. Sogar Ötzi im tiefgefrorenen Zustand hatte mehr auf der Platte als der Donald mit der gelben Haartolle.

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