Die Schweiz sieht am Tag der Frau Pink Andrea Jansen und Co. stricken für die Pussyhat-Bewegung

Schweizer Frauen und Männer wollen ein Zeichen setzen: für Gleichberechtigung und Toleranz. Und dafür lismen viele bekannte Gesichter einen sogenannten Pussyhat - eine rosa Mütze. Am Tag der Frau gehen sie damit auf die Strasse. 
Pussyhat-Bewegung mit Andrea Jansen, Baby, und Karina Berger
© Fotos und Montage Lucian Hunziker

Prominente Pussyhat-Träger (v. l.): Radrennfahrerin Jolanda Neff, Andrea Jansen mit Lani, Vania Alleva, Jonas Fricker, Übermiss Karina Berger, SP-Co-Generalsekretärin Flavia Wasserfallen, Claudine Esseiva, Juso-Präsidentin Tamara Funiciello sowie Sabine Reber mit Tochter Jeanne Rose.

Schlaflosigkeit, Schmerzen und viele, viele Windeln. Das Wochenbett ist kein Schoggi-Schlecken. «Es hat mich recht genudelt», sagt Andrea Jansen, 36. Dennoch steht die Familien-Bloggerin nur wenige Tage nach der Geburt ihres dritten Kindes, Tochter Lani Ivy, vor die Kamera der «Schweizer Illustrierten». «Es geht schliesslich um eine wichtige Sache!»

Die Sache ist eine pinkfarbene Mütze, die Solidarität unter und gegenüber Frauen ausdrückt sowie Gleichberechtigung und eine tolerante Gesellschaft fordert. Seit am Tag nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump Hunderttausende mit sogenannten Pussyhats in Washington gegen dessen frauenfeindliche Äusserungen demonstrierten, hat die Bewegung auch in der Schweiz Auftrieb erhalten. 

Ein Zeichen für alle, «die unter die Räder kommen»

Gartenbuch-Autorin Sabine Reber, 47, war eine der ersten, die eine Strickanleitung für die pinkfarbenen Mützen mit Katzenohren online stellte. Mittlerweile hat sie sogar einen Pullover dazu hergestellt, damit will sie am Mittwoch, 8. März - am Tag der Frau - an der Strick-Demonstration auf dem Bundesplatz teilnehmen sowie am 18. März am Women's March in Zürich. 

«Diese fröhlichen, ironischen Pussymützen sind ein Glück: Damit können wir Frauen sichtbar werden und ein Zeichen setzen - auch für andere.» Denn es gehe bei dieser neuen feministischen Bewegung nicht nur um Frauen, sondern um alle Menschen, «die unter die Räder kommen». Mittlerweile strickt Reber auch Pussyhats zum Verkauf. Den Erlös spendet sie der Bieler Flüchtlingsorganisation Stand up for Refugees.

Mit ihrem Elan hat Reber auch ihre Chefin angesteckt. Unia-Vorsitzende Vania Alleva, 47, hat nach 20 Jahren wieder die Stricknadeln hervor geholt. Als Gewerkschafterin kämpft sie gegen Lohndiskriminierung, für eine gerechte Verteilung unbezahlter Arbeit und und für Chancengleichheit auf der Karriereleiter. «Obwohl etwa die Lohngleichheit seit 1981 in der Verfassung verankert ist, geht es viel zu langsam vorwärts.»

«Frauenrechte sind Menschenrechte»

FDP-Politikerin Claudine Esseiva, 38, hat Diskriminierung am eigenen Leib erlebt. «An einem Vorstellungsgespräch wurde ich gefragt, ob ich gedenke, eine Familie zu gründen. Und habe den Job nicht erhalten: Risiko Mutterschaft.» Eine Gesellschaft auf Augenhöhe sei längst fällig. Deswegen lismet sie pinke Pulswärmer und Schals für die ganze Familie. «Nicht schnell und schön, aber mit grosser Freude!»

Auch im privaten Umfeld gestalte es sich noch immer schwierig, als Frau ein selbstbestimmtes Leben ohne gesellschaftliche Verurteilung zu führen, sagt SP-Co-Generalsekretärin Flavia Wasserfallen, 38: «Jede Mutter, die über 60 Prozent arbeitet, musste sich schon als Rabenmutter bezeichnen lassen, da geht es mir wie vielen.»

«Feminismus beruht auf der radikalen Auffassung, dass Frauen Menschen sind», zitiert Event-Organisatiorin Karina Berger, 48, ihr feministisches Vorbild Cheris Kramarae. Und bläst damit ins selbe Horn wie US-Fastpräsidentin Hillary Clinton: «Frauenrechte sind Menschenrechte.»

So macht es durchaus Sinn, dass sich auch Männer der Pussycat-Bewegung anschliessen. Etwa der Grüne Nationalrat Jonas Fricker, 39, der das Stricken im Kindesalter von seinem Papa erlernt hat. Der Feminist kämpft für Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nicht zuletzt auch für seine Geschlechtsgenossen: «Wir Männer sollten alle auf die Strasse und lauthals demonstrieren gegen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die uns Männern die wertvollste Zeit unseres Lebens, die Zeit mit unseren Kindern, stiehlt.»

Nicht zuletzt setze sie sich auch für die kommende Generation die pinke Mütze auf, sagt Andrea Jansen zum Schluss: «Ich möchte für meine Kinder Lani und Noomi, aber auch für Nils, eine starke, stolze Frau und Mutter sein, die aber auch Schwäche zeigen darf und vor allem: weiblich ist und mit - und nicht trotz! - ihrer Weiblichkeit erreichen kann, was sie will.»

 
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