An der Olma sind die Säuli die Stars Familie Koller lieferte das Ferkel für Doris Leuthard

Das Bundesrats-Foto mit Ferkel gehört zur Olma wie die Bratwurst. So auch gestern Donnerstag bei Doris Leuthard. Wir besuchten die kleinen rosa Stars, die an der Messe einen grossen Wirbel verursachen.
Familie Koller Olma
© Geri Born

Bei der Familie Koller im Oppikon im Olma-Gastkanton Thurgau ist das Foto-Säuli zuhause: Ueli und Cornelia Koller mit Sohn Nils.

Nun trippeln sie im Olma-Stall im Stroh herum, dösen dicht aneinander gedrängt neben der Mama oder kämpfen eifrig um deren Zitzen. Rosafarben, mit feinem Babyflaum und lustigem Ringelschwanz. Sie sind noch nicht einmal zwei Wochen alt, geboren am 1. Oktober auf dem Schweinezucht- und Schweinemastbetrieb der Familie Koller in Oppikon im Olma-Gastkanton Thurgau.

Doch neben den prächtigen Kühen und dem imposanten Muni sind die Säuli die Stars an der Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung in St. Gallen – egal ob hier im Stall, im Streichelzoo oder in der Arena, wo die grösseren Schweine namens Masaurati, Testarossau oder Thurgaunerli um die Wette rennen. Und natürlich wegen des berühmten Bundesrats-Fotos vom Eröffnungstag der Messe.

Das entspannteste und sauberste Ferkel

Damit nichts schiefging beim Fototermin mit Doris Leuthard, 54, schaute Tierschau-Präsident Christian Manser vor der Olma auf dem Schweinebetrieb der Kollers vorbei. Das Foto-Ferkel stammt nicht jedes Jahr aus dem Gastkanton. «Aber Thurgau hat eine vielseitige Landwirtschaft und ist auch in der Schweinezucht stark», sagt Manser.

Olma Christian Manser Säuli
© Geri Born

Christian Manser ist Chef der Olma-Tierschau und Säulirennen-Speaker.

Bei Kollers beeindruckte ihn, wie sich die ruhige Art des Landwirts auf seine Tiere auswirkt. Ideal: Für das Bundesratsfoto sucht Manser nämlich immer das entspannteste und sauberste Ferkel aus. «Nur Ueli Maurer und Christoph Blocher holten ihr Schweinchen selber aus dem Gatter …»

Ueli Maurer Olma
© Fabienne Bühler

Ueli Maurer verstand sich prächtig mit seinem Foto-Säuli.

Eveline Widmer-Schlumpfs Säuli-Pech

Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz, 74, posierte zweimal mit Schweinchen, an den Messen 2005 und 2009. Sie brachten dem Herisauer Glück: «Beide Ferkel konnten ihr Geschäft zurückhalten.»

Hans Rudolf Merz Olma Ferkel
© Keystone

Hans-Rudolf Merz genoss den «Glücksmoment» an der Olma.

Nicht so bei Eveline Widmer-Schlumpf, 61: Sie wurde 2012 von ihrem Ferkel vollgemacht.

Eveline Widmer Schlumpf Olma
© Keystone

Eveline Widmer-Schlumpf wurde nass während des Ferkel-Fotos.

Merz hatte dafür nach der Olma Demonstranten vor der Tür, weil er die Bauern bei seiner Eröffnungsrede etwas kritisiert hatte. «Nachdem ich mit ihnen gesprochen hatte, bekamen meine Frau und ich dann aber einen Apfel aus dem Kofferraum ihres Kombis.» Anders war es Joseph Deiss, 71, im Jahr zuvor ergangen: «Ihm hatten sie Mist vors Haus geworfen.» 

«Schaut im Oktober der Merz herein ...»

Bei seiner zweiten Olma-Rede brachte Merz dann mit Bauernregeln alle zum Schmunzeln: «Wäre jeder Bundesrat ein Bauer, wäre Bern viel bauernschlauer» oder «Schaut im Oktober der Merz herein, wird es wohl wieder Olma sein».

Letztere gilt noch immer: Zum 75-Jahr-Jubiläum nimmt der 75-Jährige sogar als einer der 75 Olma-Botschafter an der Messe teil. «Sie gehört für mich seit meiner Kindheit zum Jahresablauf wie die anderen  christlichen Feiertage.» Früher habe er sich dafür eingesetzt, dass die Olma ein Pflichttermin bleibt in der Bundesratsagenda. «Das ist sie nun nicht mehr.»

Beim Säuli-Foto werden Journalisten zu Tieren

Doch die Bundesräte besuchen die Messe auch freiwillig. Und verursachen im Olma-Stall jedes Jahr ein Gerangel um den besten Fotoplatz – zum Erstaunen von Christian Manser: «Journalisten sind ja nette Leute – aber beim Säuli-Foto werden sie zu Tieren!»

In Wahljahren ziehen die Politiker mit: «Da lassen sich Nationalratskandidaten auffällig oft im Olma-Stall blicken, wohl in der Hoffnung auf ein Bild mit Frau Bundespräsidentin oder Herrn Bundespräsident …»

Froh, wieder bei Mama zu liegen

Dem Thurgauer Säuli war dies gestern Donnerstag wohl alles egal. Fast schon Medienprofi wusste es sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken: Ein paar Quietscher, gekonntes Gezappel - schnell waren die Fotos gemacht.

Jetzt ist es wohl einfach froh, wieder bei der Mama im Stroh zu liegen. Nach der Olma kommt es auf einen Mastbetrieb – und ist dann wieder eines unter vielen.

Olma Säuli Ferkel
© Geri Born
Nach 28 Tagen kommen die Ferkel weg von der Muttersau in einen Mastbetrieb.
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