Familiensache: Im Hochseilpark in Flims GR Hier ziehen alle am selben Strick

Erst zittrige Beine und feuchte Hände, dann Jubel und Erleichterung - Familie Derungs hats getestet: Im Hochseilpark Prau la Selva in Flims GR gibts Erfolgserlebnisse zwischen Baumkronen zu geniessen.

Marinas Beine zittern, die Hände sind feucht. Vor allem wenn sie hinunterschielt zum Waldboden weit unten. Dabei ist die siebenjährige Marina Derungs aus Haldenstein bei Chur GR eigentlich eine echte Sportskanone. Flitzte schon als Zweijährige auf den Langlaufski über den Heidsee in Lenzerheide, meistert mit dem Bike auch rumplige Fusswege am Calanda.

Aber dann diese Zuschauer hier im Hochseilpark Prau la Selva im Flimserwald! Unterhalb der Startplattform des ersten Parcours auf zwei Metern Höhe wartet der Fotograf auf ihren ersten Schritt, Mama Simone hält mit der einen Hand den Buggy mit Brüderchen Nils und drückt mit der anderen Hand den Daumen, Park-Guide Mario Kälin, 47, ruft: «Das packst du!» Und auf der nächsten Plattform des Parcours wartet Papa Fabian. Ob sie es schaffen wird? Es ist mucksmäuschenstill im Flimserwald. Nicht nur Marina hält die Luft an.

Dann wagt sie es. Setzt den rechten Fuss auf das vor ihr baumelnde Element aus Quer- und Längsstämmen, hält sich an den Seitenseilen fest und macht den ersten Schritt. «Juhuuu, super, bravo Marina!», rufen die Erwachsenen. Sie greift nach dem Handlaufseil, setzt auf den wackelnden Stämmen vorsichtig einen Fuss vor den anderen. Und da ist endlich Papas ausgestreckte Hand! Fabian Derungs, 37, nimmt seine älteste Tochter in die Arme. «Geschafft!»

Von hier oben auf der fixen Plattform am zweiten Baum des Parcours haben die beiden einen guten Überblick auf den Hochseilpark. Hier gibt es 61 Plattformen und 64 Kletterelemente - verteilt auf verschieden schwierige Parcours auf zwei bis zwölf Metern Höhe. Und für Vier- bis Achtjährige einen Kinderparcours, den Bärliweg. Aber wenn sie schon sieben Jahre alt und etwa 1.20 Meter gross sind, dürfen sie auch die vier leichtesten Parcours in Begleitung eines Erwachsenen begehen.

Zu Beginn führt ein Guide die Besucher auf dem kurzen Demonstrationsparcours ein. Mario Kälin ist einer von ihnen, er begleitet heute Marina und Fabian Derungs. Im Winter arbeitet er als Skilehrer, im Sommer als Guide hier im Seilpark. Mario kennt jedes Element und weiss, wie er helfen kann, es zu meistern.

Bei Marina folgt nämlich auf die Erleichterung gleich die nächste Herausforderung: Zwei lange Balken sind zu überwinden. Vater Fabian klickt die Karabiner an den Stahlseilen ein, geht vorsichtig darüber und wartet auf der nächsten Plattform. Marina packt das Handlaufseil und folgt ihm langsam. Danach kann sie kurz durchatmen: Den nächsten Baum erreichen sie mit einer sogenannten Seilbahn, bei der man sich einfach an den Gurten hängen lässt und zum nächsten Baum saust. Nach einer Wackelbrücke muss Marina nochmals ihren ganzen Mut zusammennehmen: Der Weg zur letzten Plattform führt über ein einzelnes Seil. Sie schaut zum Handlaufseil, auf den Boden, vorwärts zum Papa. Der Berufsschullehrer befolgt den Tipp von Guide Mario, drückt das Seil nach unten, sodass es auf Marinas Seite ansteigt. So muss sie sich weniger stark strecken zum Halteseil über ihr. Sie balanciert los. «Bin ich schon in der Mitte?» - «Schon darüber!» Und da ist auch schon wieder Papas Hand. Dann sausen die beiden auf den festen Waldboden zurück. Und nach einer Verschnaufpause ruft Marina: «Nächstes Mal will ich auf den höheren Parcours!»

Aline, ihre viereinhalbjährige Schwester, trägt stolz die Gurten für den Bärliweg. War sie zu Beginn noch vorsichtig, marschiert sie nun zielstrebig über die Holzbrücke zur Wackelbrücke. «Das ist schon ihr vierter Durchgang», sagt Mama Simone, 38. «Papa, guck mal!», ruft Aline übermütig - und verfehlt prompt das nächste Element. Aber sie ist ja gesichert und rappelt sich ruckzuck wieder auf. Ob Marina auch noch die Gurten für den Bärliweg wolle, fragt Mario. «Nein danke, der ist für die Kleinen...»

Über ihnen, auf zwölf Metern Höhe, saust der Papa auf der «Top Gun»-Seilbahn bis nach vorn zum Sportzentrum Prau la Selva. Und gibt später zu: «Puh, der Absprung brauchte also schon etwas Überwindung!»

Beim anschliessenden Picknick am Laaxersee gibts für den elfmonatigen Nils, der im Hochseilpark so geduldig gewartet hat, Brei und viele Küsse von den Schwestern. «Nächstes Mal nehmen wir ihn mit auf den Bärliweg!»

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