Familiensache: Tropenhaus Frutigen Warum ist die Banane krumm?

Wenns draussen kalt ist, fühlt sich eine Entdeckungsreise ins herrlich warme Tropenhaus Frutigen im Berner Oberland an wie zwei Wochen Ferien. Mit dem Unterschied, dass man im Urlaub weniger lernt. 

Schuhgrösse 22, aber bereits einen ökologischen Fussabdruck wie ein Mammut: Gian, 22 Monate, versteht zwar nicht, was sein Mami Andrea auf dem Touchscreen eintippt, aber zuschauen, wie sie am blinkenden Computer den Öko-Test für die Familie ausfüllt, findet er lustig. Weniger begeistert ist Andrea, als sie erfährt, dass sie die Umwelt mit einem Wert von 2.8 belasten. Das liegt im oberen Durchschnitt. Ist es das Eigenheim oder das Auto oder das Reisen? Das Ergebnis lässt Andrea und ihren Partner Adrian ratlos zurück - aber auch sensibilisiert. Eine ganze Weile diskutiert das Paar in der Ausstellungshalle des Tropenhauses Frutigen über den eigenen Ressourcen-Verbrauch.

Vom Kindergeschrei, das während so langweiligen Erwachsenen-Diskussionen normalerweise entsteht, keine Spur. Denn obwohl die Ausstellung mit Infografiken, Modellen und viel Interaktivität zum Thema Nachhaltigkeit nicht unbedingt die Kleinsten anspricht, wird es Gian und seiner Schwester Elena, 4, kein bisschen öde. Die Miniatur-Nachbildung von Stör-Zuchten betrachtet Gian wie ein 3-D-Bilderbuch. «Lug, Mama, Schiffli!» Und auf dem Globus, der von der Decke baumelt, will Elena jedes Land entdecken, in dem sie schon mal Ferien gemacht hat. «Wo isch Disney-World, Papi?»

Das Tropenhaus Frutigen wurde vor sechs Jahren eröffnet und nimmt seither im Alpenraum eine führende Rolle in der Nutzung erneuerbarer Energien ein - was zahlreiche Auszeichnungen attestieren. «Wir züchten Fische und Früchte und sind ein Vorzeigebetrieb für sinnliche und erlebbare Vermittlung der damit verbundenen Themen», sagt die Geschäftsleitung. Gegliedert ist das Angebot in vier Säulen. Die Ausstellung, die Fischzucht, die Pflanzenhalle und die Gastronomie. Den Aussenbereich mit den grossen Stör-Becken streift die Familie nur kurz. Bei den kühlen Temperaturen draussen freuen sie sich auf die tropische Wärme im Hallen-Urwald. Hier jagt ein Highlight das nächste. Gleich beim Eingang werden die Kinder von einer Mitarbeiterin an der Hand genommen und zu den Seidenhühnern geführt. Hier hats vor drei Tagen Nachwuchs gegeben. Elena und Gian dürfen das Bibi streicheln und danach die Waldschildkröten füttern. Mama Andrea lässt derweil einen Flyer für ein Tête-à-Tête mit Fünf-Gang-Menü im Tropenwald mitgehen. Damit will sie ihren Mann überraschen. Denn ihm scheint zu schmecken, was hier an Früchten so wächst. Adrian hat den Guaven-Stand entdeckt. Für zwei Franken darf man eine «Tropenquitte» anschneiden und probieren. Elena verzieht das Gesicht, Gian schmatzt glücklich! Mindestens drei Schnitze verdrückt der Kleine. Dann verschwindet er mit klebrigem Mündchen hinter seiner Schwester auf dem Bananen-Lehrpfad. Für ihn ist der Weg zwischen den Stauden das Ziel.

Elena aber will alles wissen. «Und warum ist sie denn nun krumm?», fragt sie, nachdem sie erfahren hat, dass die Banane die viertwichtigste Nutzpflanze der Welt ist und der Pro-Kopf-Verbrauch in der Schweiz bei neun Kilogramm im Jahr liegt.

Die Entdeckungsreise geht weiter durch den Gewürzgarten. Die exotischen Blüten, Blätter und Knollen gibts dann auch zum Zmittag im Restaurant. Während Gian und Elena Bananenchips naschen, können sich die Eltern kaum entscheiden: Koriander-Sauerkraut, Papaya-Gemüse oder geräucherter Stör? Das Angebot ist fast zu breit, um es bei einem Besuch zu belassen. Und schliesslich müssen Andrea und Adrian ja irgendwann herausfinden, ob sie ihren ökologischen Fussabdruck nun verbessern konnten.

Öffnungszeiten Di bis So von 9 bis 23 Uhr. Bei Restaurant/Ausstellung variieren die Zeiten.
Eintrittspreise Erwachsene CHF 20.– / Kinder ab 6 Jahren CHF 10.– (Familienkombis oder Spezialtickets möglich)
Weitere Infos www.tropenhaus-frutigen.ch

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