Schönheit über 50 Beatrice Tschanz über OPs: «Verführerisch ist es schon»

Nervengift im Gesicht, Kunststoff im Busen, Pölsterli in den Wangen - warum tun Frauen sich das an? SI online hat mit prominenten Frauen gesprochen, die bewusst auf Schönheitschirurgie verzichten. Im zweiten Teil unserer Interview-Serie erzählt Kommunikationsfachfrau Beatrice Tschanz Kramel, wieso sie sich gegen einen Eingriff entschieden hat.
Beatrice Tschanz Kramel am Flughafen
© Geri Born

Beatrice Tschanz, 69, hat sich gegen eine Schönheits-OP entschieden: «Weil man mit 50 nie mehr so aussehen kann wie mit 40, mit 60 nie mehr wie mit 50 und mit 70 nie mehr wie mit 60.»

SI online: Frau Tschanz Kramel, haben Sie schon mal mit dem Gedanken gespielt, eine Schönheits-OP zu machen?
Beatrice Tschanz Kramel: Natürlich! Welche Frau über 50 macht das nicht! Man steht vor dem Spiegel, zieht an den Wangenknochen die Haut nach oben oder die Stirne quer oder hebt den Busen auf frühere Höhen - es ist wie das Liebäugeln mit vergangenen Jahrzehnten.

Warum haben Sie sich dagegen entschieden?
Weil man mit 50 nie mehr so aussehen kann wie mit 40, mit 60 nie mehr wie mit 50 und mit 70 nie mehr wie mit 60. Die Haut, der Körper, die Haltung, die Bewegungen sind ein Ganzes. Vielleicht kommt mal etwas «Unterhalt» in Frage, die Augenlider habe ich zum Beispiel richten lassen. Aber sonst versuche ich mit Gelassenheit älter zu werden und die Spuren der Zeit zu akzeptieren. Auch wenn die heutigen Möglichkeiten verführerisch sind.

Hat bei diesem Entscheid auch die Angst vor Schlagzeilen mitgespielt, falls etwas schieflaufen würde?
Schlagzeilen haben mich noch nie in Angst versetzt, und ich denke, dass die heutige Plastische Chirurgie in der Schweiz auf einem Topstandard ist. Angst müsste man nur vor sich selber haben, wenn man an sich alles verändern will, was letztlich nicht veränderbar ist.

Was hat Ihnen geholfen, das Älterwerden zu akzeptieren?
Da es ein langsamer Prozess ist, kann man sich in Schritten daran gewöhnen. Und wie die Franzosen so schön sagen: «La séduction est fini» - ich stehe nicht mehr im Wettbewerb.

Fanden Sie diese Übergangszeit schwer?
Ja, wobei ich nie die grosse Verführerin war. Weil ich die meiste Zeit in Beziehungen lebte. Wie schon mit meinem ersten habe ich mit meinem jetzigen Ehemann eine irrsinnig schöne Beziehung. Aber früher hatte ich den Radar natürlich dauernd am laufen. Diesbezüglich arbeiten die Jahre für einen, man wird gelassener. Heute habe ich grossen Spass daran, dieses Spiel bei jüngeren Menschen zu beobachten - und lache dann auf den Stockzähnen.

Porträt Beatrice Tschanz Kramel
© Geri Born

«Vielleicht kommt mal etwas ‹Unterhalt› in Frage», sagt Beatrice Tschanz Kramel. 

Im dritten Teil unserer Serie erzählt Federica de Cesco, dass die Autorin die guten Gene ihrer Mutter geerbt hat. Lesen Sie das Interview am Sonntag, 1. Dezember - auf SI online.

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