Diät-Pleite Bloggerin erlebt negative Seite der Schönheit

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan, diese Verwandlung hat Jenny G. Perry vor zehn Jahren durchgemacht. Doch auch, wenn sie danach ihre Traumfigur hatte, musste sie sich mit den nächsten hässlichen Problemen herumschlagen: dem Mobbing ihres neidischen Umfeldes und den lüsternen Blicken der Männer. 
Frau Neid Mittelfinger Wut Missgunst
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«Nimm es oder lass es», lautet die Devise der Bloggerin Jenny G. Perry. Doch diese Haltung musste die Frau, die in den letzten zehn Jahren gut 30 Kilo abgespeckt hat, erst lernen. 

Die Haare kurz, der Look altbacken und die Finger allzeit an irgendwelchen Naschereien. So beschreibt Huffington-Post-Bloggerin Jenny G. Perry ihre Situation vor zehn Jahren. Zwei ihrer heute vier Kinder sind damals zwei und sechs Jahre alt und sie will eines ganz besonders: als Mutter ernst genommen werden! Sie isst eine «lächerliche Menge Zucker» und lässt sich gehen. «Ich hasst es, wie ich aussah aber es passte irgendwie.» Erst, als sie Fotos von sich sieht, beschliesst sie: So kann es nicht weitergehen. «Ich hatte ein Doppelkinn und wusste, wenn ich nicht schleunigst etwas ändern würde, würde ich noch fetter werden.» 

Dass sie mithilfe eiserner Disziplin innerhalb eines halben Jahres gut 25 Kilo abnimmt, erfüllt sie zwar mit Stolz, bringt ihr in ihrem Umfeld jedoch kaum Bewunderung ein. «Es passierten ein paar sehr hässliche Dinge», schildert die Britin ihren neuen Lebensabschnitt. «Eine der Mütter scherzte, dass sich niemand mehr mit mir abgeben wollte, wenn ich noch mehr an Gewicht verlieren würde.» Menschen würden es nicht mögen, wenn man sich plötzlich zum Besseren verändert. «Es geht ihnen auf den Wecker, weil sie sich mit ihren eigenen Problemen konfrontiert fühlen, die sie angeblich nicht ändern können.» Immer wieder sagen ihr Frauen bei den Begegnungen, dass sie selbst auch endlich mal annehmen sollten oder liefern Ausreden dafür, weshalb sie eben nicht Gewicht verlieren würden. «Darauf wusste ich nie, was antworten. Tipps wollten sie offenbar keine, und am Ende drehte sich das Gespräch auch immer um etwas ganz anderes.» 

Gruselige Typen zogen mich mit ihren Blicken aus

Dass sie sich von einer übergewichtigen Frau zum netten jungen Ding mauserte, blieb natürlich auch den Männern nicht verborgen. «Gruselige Typen starrten mich an und zogen mich mit ihren Blicken aus.» Als übergewichtige Frau hätte man sie noch ernst genommen, als Schönheit nur noch auf ihr Äusseres reduziert. Die Aufmerksamkeit, die ihr als schlanke Frau zuteil wird, ist wie ein zweischneidiges Schwert. «Es schmeichelte mir und gab mir den nötigen Ansporn, das Training auf dem Stepper weiter durchzuziehen.» Doch beim Einkaufen im Supermarkt wie ein Stück Fleisch begafft zu werden, ekelt sie an und verstört sie auf seltsame Art und Weise. «Plötzlich wusste ich, warum es Menschen gibt, die ihre Körper unter Schlabberkleidung verstecken.» 

Weil sie sich aber nicht aus einer Verunsicherung heraus ebenso verunstalten möchte, überlegt sie lange, wer sie eigentlich ist. «Dabei half mir die Erfahrung meiner damals 30 Lenze», so die Buchautorin, die regelmässig in ihrem privaten Blog über ihr Leben schreibt. Sie entwickelte die Haltung «Nimm es oder lass es.» Denn es gäbe keinen Grund, sich im Leben ständig mit anderen zu vergleichen. «Man muss an sich selbst arbeiten und harmonische Beziehung zum eigenen Körperbewusstsein aufbauen», rät sie. Sich für andere Menschen verbiegen, nur weil sie Schlechtes von einem denken könnten, macht sie schon lange nicht mehr. Denn «wie sie reagieren und handeln und was sie denken und sagen, ist ganz alleine ihre Sache».

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