Samenspende In der Schweiz bliebe Mónica Cruz kinderlos

Wenn sie Schweizerin wäre, dann hätte sich Mónica Cruz' grösster Wunsch mit Sicherheit nicht erfüllt. Denn hierzulande sind im Gegensatz zu Spanien Samenspenden an alleinstehende Frauen gesetzlich nicht erlaubt. Wir haben die wichtigsten Fakten im In- und Ausland zum Thema Samenspenden zusammengetragen und wissen: Sperma von dummen Männern kommt in der Schweiz erst gar nicht ins Röhrchen.
«Schon ab 37 sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, rapide. Natürlich gibt es Frauen, die auch später noch Mutter werden können, aber das sind sehr privilegierte Frauen», rechtfertigt Mónica Cruz ihre Entscheidung, sich künstlich durch einen anonymen Samenspender befruchten zu lassen.
© Getty Images «Schon ab 37 sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, rapide. Natürlich gibt es Frauen, die auch später noch Mutter werden können, aber das sind sehr privilegierte Frauen», rechtfertigt Mónica Cruz ihre Entscheidung, sich künstlich durch einen anonymen Samenspender befruchten zu lassen.

Reich werden kann man nicht, aber ein schöner Urlaub oder sonstige Anschaffungen liegen nach einer Samenspende schon drin, sagt Peter Fehr, Arzt und Leiter der grössten Samenbank der Schweiz, gegenüber SI online. Obwohl die Spender laut Gesetz kein Entgelt für ihre Abgabe erhalten, zahlen die Samenzentren eine Spesenentschädigung, die im Bereich von mehreren hundert Franken liegt. Mehr als acht Kinder darf ein Spender laut Gesetz jedoch nicht zeugen. 

Doch das Gesetz schreibt noch mehr vor: Nur verheiratete, verschiedengeschlechtliche Paare dürfen in der Schweiz behandelt werden. «Wir spüren jedoch, dass die Anfragen von lesbischen Paaren und Singlefrauen stark zunehmen», sagt Fehr. Im Schnitt, so der Arzt, komme jede fünfte Anfrage aus diesem Kundensegment. «Mehr als ein Beratungsgespräch können wir diesen Frauen in der Schweiz aber nicht bieten.» Er vermittle die Interessentinnen deshalb nach einer ersten Abklärung nach Spanien. Dort ist die künstliche Befruchtung bei alleinstehende Frauen nämlich gestattet. 

Mónica Cruz, 35, schätzt genau diese Tatsache an ihrer Heimat. Sie ist froh, dass sich ihr Traum dank einer Samenbank nun endlich erfüllt und erklärt auf ihrem Blog für die spanische Zeitung «El País», warum sie sich dazu entschlossen hat. «Ich glaube, wir sind uns immer noch nicht bewusst, dass wir nur einen kurzen Zeitraum haben, um Mutter zu werden.» Für sie war es immer schon klar, dass sie nicht darauf warten will, bis der richtige Partner kommt. Ihre biologische Uhr ticke schliesslich und es sei sehr risikoreich, allzu lange zu warten. Mit der Veröffentlichung ihrer Geschichte will sie ein Tabu brechen und all den anonymen Spendern, die Frauen wie ihr dabei helfen, ihren Traum zu leben, ihre Dankbarkeit aussprechen. 

In Spanien bleiben im Gegensatz zu Ländern wie Holland, Schweden, England oder Österreich die Spender ein Leben lang anonym. In der Schweiz hat jedes künstlich gezeugte Kind ab seinem 18. Geburtstag das Recht, den Kontakt zum biologischen Vater herstellen zu lassen. Die Folge: Es fehlt an spendewilligen Männern. Besonders spendenfaul seien die Männer im Tessin, so Fehr. Darum importiert das Zentrum in Lugano eingefrorenes Sperma aus den USA. Doch egal woher die Keimzellen kommen: Der Spender sollte zwischen 20 und 40 Jahre alt sein und eine abgeschlossene Schulausbildung haben oder noch studieren. Wenn ein potenzieller Samenspender in seiner schriftlichen Anfrage jedoch schon im ersten Satz zig Rechtschreibfehler mache, sei das ein Grund, ihn abzulehnen, erzählt Peter Fehr weiter. 

Aber auch andere Kriterien sind im In- und Ausland von Belangen. Zumindest bei seriösen Samenbanken. Wir haben ein paar Fakten zusammengetragen:

  • Sperma darf erst nach einem zweiten HIV-Test nach sechs Monaten verwendet werden. 
  • Es wird bei minus 195 Grad in silbernen Depots gelagert und hält sich etwa 30 Jahre fruchtbar. 
  • Samenbanken kategorisieren ihre Spender nach Nationalität, Schulabschluss, Figur, Körperbehaarung und persönlichen Interessen. 
  • Nach einem Jahr sind 85 Prozent der Patientinnen mit Mutterwunsch schwanger.
  • Spender dürfen in der Schweiz ihre Samenzellen nur bei einer Stelle zur Verfügung stellen.
  • 1980 gründete Multimillionär Robert Graham die Nobelpreis-Samenbank. Mit dem Sperma hochintelligenter Wissenschaftler wollte er Kontrolle über die Evolution erlangen. 215 Retortenkinder sind daraus hervorgegangen, 1999 wurde sie jedoch geschlossen.
  • Die grösste Samenbank liegt im dänischen Städtchen Aarhus. Über 600 Spender liegen auf der Datenbank der Firma Cryos. Dort gibt es den billigsten Samen ab 40 Euro, für bessere Qualität zahlt man bis zu 450 Euro pro halbem Milliliter. Doch eine Spende mit extra vielen, sehr beweglichen Spermien erhöht die Chance auf eine Schwangerschaft. Die Firma liefert in 70 Länder. Der Versand (inklusive der extra langen Spritze) kostet zusätzlich rund 170 Euro. 
  • Andere Länder, andere Sitten: Bei der dänischen Samenbank sind rothaarige Spender unerwünscht. Der Grund: Die Nachfrage ist zu gering. In Irland herrscht genau das Gegenteil, schreibt die dänische Zeitung Ekstra Bladet. Dort gibt es einen regelrechten Run auf diese Samenzellen. In der Regel achten Samenbanken jedoch darauf, dass die äusseren Merkmale des Spenders mit denen des sozialen Vaters übereinstimmen.
  • Skandinavischer Samen von blonden und blauäugigen Hünen ist vor allem in den USA gefragt. Deshalb eröffnete Cryos dort 2001 eine Zweigstelle.
  • Von unseriösen Online-Samenkäufen ist grundsätzlich abzuraten. Hier kann man nicht ausschliessen, dass die Spende rein von HIV oder sonstigen Krankheiten ist.

 

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