Studie belegt Disney verharmlost soziale Ungleichheit

Arme Menschen sind immer fröhlich und nett, Armut ist nicht schlimm und die Probleme der Unterschicht sind mit denen der Oberschicht durchaus zu vergleichen. Diesen Eindruck vermitteln uns laut einer Studie Disney-Filme.

Aladdin schafft es vom «Strassenköter» in den Palast von Agrabah. Die sieben Zwerge gehen jeden Morgen pfeifend und singend in den Stollen zur Arbeit. Und die gestresste Porsche-Dame Sally braucht eine Auszeit als Anwältin und sucht Enspannung in einer Arbeiterstadt. In Disney-Filmen wird ein verfälschtes Bild von sozialer Ungleichheit dargestellt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Duke-University in North Carolina.

Das Forschungsteam um Soziologin Jessi Streib hat 36 Kinderfilme analysiert, die mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt haben. Die meisten sind Disney-Filme. Von 67 Hauptfiguren kommen 38 aus der Ober- oder Mittelschicht. Elf sind der Arbeiterklasse zuzuordnen und gerade mal drei (vier Prozent) kommen aus der Unterschicht. Verglichen mit der amerikanischen Gesellschaft ist das unrealistisch: Jedes vierte Kind wächst in Armut auf. 

Sozialer Aufstieg ist bei Disney ganz einfach

Auch der Werdegang unterscheidet sich erheblich. Nur etwa zehn Prozent aus der Unterschicht schaffen den sozialen Aufstieg. «In den Disney-Filmen schaffen es natürlich alle», schreibt Streib in dem Forschungsbericht, der im «Journal of Poverty» veröffentlicht wurde. Die Filme vermitteln das Gefühl, dass dieser Aufstieg ganz leicht ist, wenn man nur sehr fleissig ist.

Für die Soziologin sind solche Darstellungen problematisch, weil sie zu Trugschlüssen führen. Kinder könnten so glauben, dass arme Menschen nur arm sind, weil sie faul sind. Armut ist auch gar nicht schlimm, wenn es nach Disney geht. Denn die Figuren aus der Unterschicht sind immer extrem fröhlich, egal ob sie in einer Mine Diamanten schürfen, Cheminées rauf und runter klettern müssen oder von der Gesellschaft verstossen wurden. Ausserdem sind die armen Disney-Figuren warmherzig, sozial und empathisch - Eigenschaften, die den Figuren aus der Oberschicht fehlen. In die «Die Schöne und das Biest» beispielsweise ist der Prinz zuerst egoistisch, als Biest dann jähzornig. Erst Belle, die aus ärmlichen Verhältnissen kommt, lehrt das Biest zu lieben.

Die Probleme von Arm und Reich sind bei Disney gleichwertig

Aladdins Leben auf der Strasse, die tägliche Suche nach Nahrung ist gleich schlimm, wie die Tatsache, dass die Diener im Palast Jasmin sagen, was sie anziehen soll und wo sie sich aufzuhalten hat. Die Probleme der Armen sind den Problemen der Reichen gleichgestellt.

Auch die Happy Ends in den Disney-Filmen stören die Soziologin. «Es schadet Kindern, wenn sie immer nur glücklichen Film-Enden ausgesetzt sind. So funktioniert das Leben nicht, egal ob man jetzt arm oder reich ist. Scheitern gehört zu den Erfahrungen, die wir machen müssen», sagt Streib. Die Geschichten von Hans Christian Andersen oder die Grimm-Märchen beweisen, dass Geschichten mit einem traurigen Schluss Kindern nicht schaden. 

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