«Der Samenspender» Ed Houben: Er ist Vater von 82 Kindern

Er mache das Natürlichste der Welt, indem er Frauen seinen Samen schenke. Mit diesem Akt möchte der private Spender kinderlose Paare glücklich machen. Geld will Ed Houben keines, dafür aber darf der Holländer oft mit seinen Klientinnen schlafen. Das war anfangs jedoch ganz und gar nicht seine Absicht.

Mit seinen fast zwei Metern ist Ed Houben, 42, von stattlicher Figur. Dazu trägt auch sein Bauch bei. Der Holländer trägt Brille und manchmal einen Bart. Er ist kein Typ, nach dem sich die Frauen umdrehen. Das war er noch nie. Der studierte Historiker hat während seiner Studienzeit manchmal auf Partys im Vollrausch geknutscht, mehr aber nicht. Die Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht kam erst Jahre später: Als er sich 2002 auf den Weg zu den Frauen machte, die sich sehnlichst ein Kind wünschten. 

Ed Houben ist privater Samenspender. Seine Bedingungen: keine Drogen, kein HIV, kein Hepatitis B oder C, keine Syphilis, Tripper oder sonstige Geschlechtskrankheiten. Als Beweis verlangt er ein Gesundheitszeugnis und schickt selbst auch eines. Und ein Spermiogramm vom Arzt. Das überzeugt: Seine Spermadichte liegt bei 100 Millionen, «oder 110 Millionen», wie er stolz dem «Spiegel» sagt. Schlecht wäre weniger als 20 Millionen pro Milliliter Ejakulat. In 80 Prozent seiner Fälle, wird die Frau mit Kinderwunsch auch schwanger. «Das ist meine Erfolgsquote.» 

AM ANFANG WAR DER BECHER
Alles begann ganz selbstlos und ohne Körperkontakt: «Am Anfang hatte ich nur niederländische Frauen mit Bechermethode», erzählt er. Nach dem Abendessen fuhr er zu den Frauen, verschwand in einem Zimmer und kam dann mit einem gefüllten Becher wieder heraus. 2004 änderte sich das: Ed traf auf ein Paar, dass ihm klar machte, dass sie keinen Becher wollten. Der Mann betonte, dass sie sich Gefühle und Intimität für ihr Kind wünschten und dessen Frau, eine Südamerikanerin, lehrte Ed, was Leidenschaft ist.

Danach war es für Ed auch okay ohne Becher. Und verblüffender Weise bestand auch bei anderen Klientinnen der Wunsch nach der natürlichen Zeugungsmethode. Seitdem stehen heterosexuelle Frauen auf seiner Liste, deren Männer mit dem Körperkontakt einverstanden sind, die dann währenddessen entweder zuschauen, fernsehen oder spazieren gehen. Aber auch alleinstehende und lesbische Frauen, die einen Samenspender suchen und aufgrund ihrer Lebensumstände bei vielen Kliniken abgewiesen werden, wenden sich dankbar an ihn. Sie übernehmen dann lediglich die Kosten, die durch eine mögliche Anreise ins In- oder Ausland entstehen. 

ER IST ZUVERLÄSSIG, WARMHERZIG UND SPRICHT GUT ÜBER DIE LIEBE
Ed trifft jeden Monat 10 bis 15 Frauen, die er über die Website Spermaspender.de kontaktiert. Und die sehen es ganz pragmatisch bei dieser natürlichen Methode. Sie habe Regeln für den Sex, sagt eine Wuschmama, die anonym bleiben möchte. Die Molekularbiologin mit Doktortitel hatte einige Freunde, aber sie wollten früher nie Kinder. Dann war sie 30 Jahre alt und wollte Kinder - doch es war nicht der Richtige in Sicht. Warten war keine Option, zumal die Uhr ja auch bekanntlich tickt. Zwar küsst sie ihren Samenspender, den sie als zuverlässig und warmherzig charakterisiert - jedoch nimmt sie keinerlei sexuelle Handlungen an ihm vor: «Ich wichs und blas ihm keinen.» 

Privaten Sex hat Ed derzeit mit seiner Freundin. Die Spanierin war ursprünglich - wie auch seine beiden Partnerinnen zuvor - eine seiner Klientinnen ist. Es stört sie nicht im Geringsten, dass ihr Liebster im Ausland einem ungewöhnlichen Hobby nachgeht. «Meine Freundin sagt, dass mich das, was ich tue, nur interessanter mache.» Bald besuche sie ihn wieder, denn noch hat es bei ihr mit einem Kind nicht geklappt. 

«DORIS, ELIAS, EMILY, FINN...»
Auf einer Excel-Tabelle hat Ed die Anzahl, Namen und Geburtsdaten seiner Kinder akribisch notiert. Insgesamt zeugte er 45 Mädchen und 35 Jungs, die in Holland, Belgien, Deutschland, Italien, Spanien oder Neuseeland zu Hause sind. Aktuell sind noch weitere Frauen von ihm schwanger. Auf dem Sideboard seiner Wohnung steht ein digitaler Fotorahmen, der im zwei Sekunden-Takt die Fotos seiner Kinder wechselt. Um sich deren Namen besser merken zu können, sind die Bilder alphabetisch sortiert. 

Die meisten Mütter wollen Kontakt mit ihm und schicken zu Weihnachten Briefe mit Fotos ihrer Kinder. Zurückschreiben kann er nicht, denn das wäre zu teuer. Hin und wieder kommen sie sogar zu Besuch und kochen ihm aus Dankbarkeit sein Lieblingsgericht: Fleisch. Weil ihm Kinder eine Herzensangelegenheit sind, lädt er sie einmal pro Jahr in ein Restaurant nach Maastricht ein. Beim letzten Treffen sind 15 gekommen - alle haben von ihm ein kleines Geschenk bekommen. Die Ähnlichkeit mit ihm lässt sich nicht leugnen: Sie alle haben sein rundes Kinn mit einer Delle und seine grossen Füsse geerbt. Die Augen sind jedoch meist die der Mutter. Das älteste Kind ist fast neun Jahre alt, das jüngste zwei Monate.

Der Deal zwischen ihm und den Frauen ist mündlich vereinbart. Somit gibt es theoretisch von beiden Seiten keine Ansprüche. Sollte es aber eine Frau geben, die sich das anders überlegt, wären diese privaten Abmachungen vor einem Richter wertlos. Hat er nie Angst? «Wovor?», fragt er. Dass sie vielleicht eines eines Tages alle vor seiner Tür stehen? «Dann hätte ich das so gewollt», lautet seine Antwort. Denn Geld hat er keines - erst recht nicht für 84 Kinder. 

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