120 Kilo geballtes Jööö! Elefantenbaby Ruwani ist der Liebling im Zürcher Zoo

Schon in ihrer ersten Woche plumpst die kleine Ruwani ins Schlammbecken - und lernt fürs Leben. Die «Schweizer Illustrierte» hat den neusten Elefanten-Nachwuchs im Zürich Zoo besucht.

Manchmal reicht ein Sturz ins Schlammbecken, um wesentliche Dinge des Lebens zu erkennen. Elefantenmädchen Ruwani ist gerade mal vier Tage alt, als sie im Zoo Zürich zum ersten Mal das Aussengehege im Elefantenpark Kaeng Krachan erkundet. Mit tapsigem Schritt, als hätte sie zum Frühstück Likör statt Muttermilch genuckelt, wankt sie zwischen den Beinen ihrer Mutter Farha, 12, und Grossmutter Ceyla, 42, hin und her.

Doch Ruwani ist kein Mamihöck! Es dauert nicht lange, da erforscht sie die Welt zwischen den Zäunen auf eigene Faust – und bleibt fasziniert vor einer grossen Grube stehen. Was wohl da drin ist? Ruwani wills wissen! Der graubärtige Zookurator Robert Zingg, 61, steht am Gehege und hält die Hände vor die Augen.

Lektion 1: Das Leben kommt nicht so, wie du denkst. Plumps! Kopfüber landet Ruwani im Schlammbecken. Typisch!

Im Sturzflug ist sie auch zur Welt gekommen. Am 25. Februar 2017, kurz nach 7 Uhr, finden die Tierpfleger einen Schleimpfropfen in der Sandbox, wo die trächtige Farha die Nacht verbracht hat. Ein Zeichen, dass die Geburt in den nächsten Stunden oder Tagen losgeht. Doch bei Farha dauert es nur noch wenige Minuten – und das 120 Kilo schwere Neugeborene plumpst auf den Boden. Die Mutter befreit es mit Fusstritten aus der Eihülle. Und hält plötzlich inne. Als frage sie sich: Wer hat bloss dieses Ding bestellt? Dann besinnt sie sich wieder und hilft ihrem Baby auf die Beine. Nach drei Minuten steht Ruwani. «So rasch ging das noch nie», sagt Robert Zingg und zückt seine Fotokamera. Ruwani rudert noch immer im Schlamm wie ein Baby im Planschbecken – das muss festgehalten werden!

Lektion 2: Die Familie hilft dir – vielleicht.

Es dauert nicht lange, da trotten auch Mama Farha und Grossmutter Ceyla herbei. Als sie Ruwani im Becken entdecken, trompeten sie aufgeregt. Die Überforderung steht ihnen in die faltigen Gesichter geschrieben.

Ceyla und Farha haben ein inniges Verhältnis. Ceyla kommt 1975 in der Wildnis von Sri Lanka zur Welt. Ein Jahr später landet das Waisenkind im Zoo Zürich. Hier gebärt sie insgesamt sechs Kälber. An ihrer Seite ist heute nur noch das jüngste: Farha. Im Zoo Zürich leben Ceyla und Farha – und jetzt auch Ruwani – getrennt von den anderen Elefanten. Denn 2013 entstand eine regelrechte Familienfehde. Auf der einen Seite Ceyla und Farha, auf der anderen Indi, 31, und ihre Tochter Chandra, 15. «Die jungen Tiere pöbelten jeweils die Mutter der anderen an», sagt Zingg. Darum haben die Elefantendamen heute nur zeitversetzt Zutritt zu den einzelnen Teilen im Elefantenpark. Auch die beiden Bullen Maxi, 48, und Thai, 12, leben getrennt vom Rest. Thai ist der Vater von Ruwani. Wie für Farha ist es auch für ihn der erste Nachwuchs. Schon als sie sich zum ersten Mal begegnen, zeigen Thai und Farha Interesse aneinander. Anfang Mai 2015 deckt der Bulle das Weibchen. «Farha näherte sich dem Elefantenmann fast schon aufdringlich», erinnert sich Zingg.

Schon in den ersten Tagen konnte sie sich kratzen, rückwärtsgehen und mit dem Rüssel einen Ast aufheben

Lektion 3: Auch Eltern sind keine Superhelden.

Jetzt ist der Papa weit weg von seiner Familie, gräbt am anderen Ende des Elefantenparks nach frischem Heu – und hat keine Ahnung, in welchen Schwierigkeiten sein Baby in dem Moment steckt. Zwar haben Ceyla und Farha die Kleine mit ihren Rüsseln halbwegs das Becken hochgeschoben. Doch über den Rand klettern, das muss Ruwani ganz allein schaffen.

Lektion 4: Mach weiter, auch wenn dich der Mut verlässt!

Weibliche Elefanten tun gut daran, sich früh in Geduld zu üben. Denn: Einmal schwanger, tragen sie ihr Baby 22 Monate mit sich herum – länger als jedes andere Tier. Der Nachwuchs profitiert: Sein Gehirn ist bei der Geburt schon sehr weit gereift. Bei Ruwani ist dies offensichtlich: «Schon in den ersten Tagen konnte sie sich kratzen, rückwärtsgehen und mit dem Rüssel einen Ast aufheben», sagt Zingg und zeigt zum Elefantengehege. Dort steht die schlammverklebte Ruwani wie eine Marathonläuferin nach dem Endspurt: erschöpft, aber froh. «Jetzt hat sie sich sogar hier hochgekämpft!» Zingg ist erleichtert – wie Ceyla und Farha, die Ruwani nun nicht mehr aus den Augen lassen.

Lektion 5: Scheitern lohnt sich.

Nach dem Schock hat Ruwani Hunger – und wie! Zuerst versucht sie, bei Grossmutter Ceyla anzudocken. Vergeblich. Endlich findet sie die Zitzen zwischen den Vorderbeinen von Mutter Farha, die nach dem Schlamm-Malheur bereitwillig stillhält. Und wie sie da nuckelt, ist die frühreife Ruwani wieder ganz Baby.

Übrigens: Auch im Zoo Basel freut man sich über Nachwuchs. Am 28. Februar kam das Giraffenmännchen Onong zur Welt. Der Zoo zeigt jetzt erste Bilder:

Zoo Basel Giraffenbaby Nachwuchs Fotos Tiere
© www.zoobasel.ch

Onong heisst laut Mitteilung so viel wie «der Hübsche». Der Kleine gehört zur Gattung der Kordofan-Giraffen.

Zoo Basel Giraffenbaby Nachwuchs Fotos Tiere
© www.zoobasel.ch

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