Schwangerschaft Frau filmt ihre eigene «positive Abtreibungsgeschichte»

Das Thema Schwangerschaftsabbruch stösst vielen sauer auf. Deshalb hat sich Emily Letts dazu entschieden, den chirurgischen Eingriff zu filmen und auf YouTube zu veröffentlichen. Denn ihrer Meinung nach sollen Frauen kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie sich dazu entscheiden, ein Kind nicht zur Welt zu bringen.
Emily Letts veröffentlicht Abtreibung ihres Babys auf YouTube
© via YouTube

Aufklärung mal anders! Emily Letts möchte Frauen aufzeigen, dass eine chirurgische Abtreibung kein Horror-Erlebnis ist.

3 Minuten 18 Sekunden dauert das Video, das die Gemüter erhitzt. «Du bist ein Nazi», «Du verdienst es, zu sterben» oder «Glaubt ihr auch, dass dieses Wesen eine Ausgeburt der Hölle ist?», sind nur einige der Kommentare, die Emily Letts für ihren Film schlucken muss.

Dass ihr Hass entgegenschlagen wird, war der Sex- und Abtreibungsberaterin des «Cherry Hill Frauen Zenters» im amerikanischen New Jersey bewusst. Trotzdem veröffentlichte sie ihre Geschichte auf YouTube und Facebook. «Wir reden so oft über Schwangerschaftsabbrüche, dennoch weiss niemand genau, wie sie funktionieren», erklärt die 25-Jährige in einem offenen Brief auf Cosmopolitan.com. Sie wolle den Frauen zeigen, dass sie keine Angst zu haben brauchen. Denn noch immer gibt es viele Horror-Szenarien, die sich Betroffene vor dem Eingriff ausmalen. Man werde regelrecht aufgeschnitten oder könne danach unfruchtbar werden, sind nur einige davon. «Ich wollte zeigen, dass eine Abtreibung nichts Schreckliches ist - und dass es so etwas, wie eine positive Abtreibungs-Geschichte gibt. Es ist meine Geschichte», schreibt Emily Letts weiter.

Einige Kritiker werfen der Beraterin vor, sie sei absichtlich schwanger geworden, um den Fötus vor laufender Kamera zu töten. Das sei aber nicht so, beteuert Letts. Obwohl sie seit Jahren auf Verhütung verzichte, wie sie selbst sagt. Sie habe lediglich anhand ihres Menstruationszyklus verhütet und sei halt einfach schwanger geworden. «Im November fand ich heraus, dass ich ein Kind bekommen werde.» Als sie die zwei pinken Streifen auf dem Test gesehen habe, habe sie sich gefühlt als würde die Zeit gleichzeitig implodieren und explodieren. «Als ich wieder zu Atem kam, wusste ich sofort, dass ich einen Schwangerschaftsabbruch durchführen werde.» Sie führte die Art von Abtreibung durch, vor der sich Frauen am meisten fürchten - eine Absaugung des Fötus bei wachem Zustand. Obwohl sie auch einfach eine Pille hätte nehmen können.

Die Kritik an ihrer Person nimmt sie gelassen. Sie habe richtig entschieden, ist sich Emily Letts sicher. Sie liebe ihr Video. Vor allem die positive Botschaft. «Ich fühle mich nicht schlecht. Ich fühle mich nur etwas unverantwortlich, weil ich nicht verhütet habe. Ich hielt mich selbst nicht an den Ratschlag, den ich allen meinen Patientinnen gebe.» Aber sie habe aus ihrem Fehler gelernt, versichert die Sexberaterin. Und wenn auch nur eine Frau von dem Film profitiere, habe sie ihr Ziel erreicht. «Ich bin dankbar, dass ich meine Geschichte mit der Öffentlichkeit teilen kann und andere Frauen inspirieren kann, keine Schuld zu empfinden.»

Und einen kleinen Sieg konnte die Mittzwanzigerin bereits für sich verbuchen. Ihr Video «This is My Story» gewann den Preis fürs beste Video in der Kategorie «Kampf gegen das Abtreibungs-Stigma» des «Abortion Care Networks».

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