Steinzeit-Diät Essen wie die Höhlenbewohner

Kohlenhydrate - auch die guten - sollen schlecht sein, Fleisch in Unmengen dafür gesund. Schliesslich hätten sich doch unsere steinzeitlichen Vorfahren nicht anders ernährt und seien rank und schlank gewesen. Geht der Trend auf dem Teller also «back to the roots»? Jein. Denn die Steinzeit-Diät spaltet die Meinung der Expertin.
Mann mit rohem Fleisch auf Teller Diät
© Getty Images

Ein Stück Fleisch in Ehren, doch bei der Steinzeit-Diät darf so richtig reingehauen werden. Dafür sind Produkte wie Nudeln, Brot, Milch oder Kartoffeln absolut tabu!

Morgens ein Rührei mit Gemüse, als Snack Bündnerfleisch oder ein hart gekochtes Ei. Zum Mittag ein gebratenes Lachsfilet mit Salat und zum Znacht eine Hühnerbrust mit Gemüse. Wer hier das Gefühl hat, die Sättigungsbeilage fehle, der hat vollkommen recht. Doch bei dieser Art von Ernährungsform sind genau die - und alles, was sonst noch lecker ist - tabu. Schliesslich standen bei Herr und Frau Neandertaler Getreideprodukte wie Brot oder Nudeln auch nicht auf dem Speiseplan. Wenn das so gewesen wäre, hätte es gemäss den Anhängern der sogenannten Paleo-Diät sicherlich schon damals Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes gegeben.

DIÄT BLEIBT DIÄT
Kein Verzehr von Brot, Nudeln, Kartoffeln, Milchprodukten, Zucker und Salz - das klingt nach absolutem Verzicht. Und ist es auch. «Wie es der Name Paleo-Diät schon sagt, handelt es sich hier um eine Diät», stellt die Ernährungsexpertin Renate Frey im Gespräch mit SI online klar. «Wenn man das nicht konsequent durchzieht, folgt der unschöne Jojo-Effekt.» Alles, was man mühevoll an Gewicht verloren hat, landet oftmals doppelt und dreifach auf den Rippen. «Alles, was mit Einschränkungen verbunden ist, ist kurzlebig.» Ausserdem funktioniere solch eine Ernährungsform nicht in unserer Gesellschaft. «Wir haben sehr viel Stress, stehen nicht mit der Sonne auf und gehen mit ihr unter. Insofern müssen wir uns anders ernähren.» Wenn man die Kohlenhydrate komplett von seinem Speiseplan streiche, führe das zu Mangelerscheinungen. «Der Körper bildet zu wenig Serotonin, und das brauchen wir für unsere Stimmung. Erst recht in der heutigen und hektischen Zeit.»

DIE MENGE MACHTS
Wie bei allem macht die Dosis das Gift. «Vor 50 Jahren haben wir nur einen Bruchteil von Milchprodukten gegessen. Es gab vielleicht einmal am Tag Käse, aber keinen Latte Macchiato und noch dazu eine so grosse Vielfalt an Quarkspeisen zum Frühstück», weiss die Expertin. Und ergänzt, dass der Mensch sicherlich auch zu viel Getreide in attraktiver Form wie Pasta oder diversen Brotvarianten zu sich nehmen würde. «Wir essen also mengenmässig mehr als in Form von Körnern. Dabei würden uns die geschrotet oder als Brei viel eher satt machen als Weissbrot, Gipfeli und Co. Wir würden etwa ein Drittel weniger Getreide essen, dies aber mit der gleichen Sättigung.» 

Unser Thema sollte nicht der Verzicht, sondern das Einschränken der Fülle sein.

Wenn der Ansatz mehr Obst, Gemüse oder mageres Fleisch anstelle von Junk Food ist, sei das gut. Aber ausschliesslich gemäss der Evolutionsbiologie essen? Da gehe die Theorie von falschen Grundlagen aus. «Der Steinzeitmensch hatte lediglich nach einer erfolgreichen Jagd Fleisch. Und das sicherlich nicht im Überfluss. Wir müssen uns heutzutage nur ins Auto setzen und zum Metzger fahren. Da haben wir wohl kaum denselben Energieverbrauch wie unsere Vorfahren.» Und zwei Drittel der Nahrung habe immer noch aus pflanzlichen Produkten bestanden. Ausserdem sei es schwer, die typische altsteinzeitliche Ernährung zu charakterisieren. Immerhin redet man von einem Zeitraum von 2.6 Millionen Jahren. «Und da damals die Menschen sowieso nicht älter als 25 Jahre wurden, kann die Ernährungsweise ja nicht so ganz ideal gewesen sein.» Thema sollte also nicht der Verzicht, «sondern das Einschränken der Fülle sein».

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