«Fashion Hero» Traumjob Einkäufer? So sieht die Realität aus

Die Nachwuchs-Designer in der TV-Show «Fashion Hero» wollen ihre Kollektionen unter die Leute bringen - drei Einkäufer entscheiden über deren Erfolg und Scheitern: Geben sie ein Angebot ab, gehen die Kleider im besten Fall schon am nächsten Tag über den Ladentisch. Shoppen als Beruf? Das klingt nach einem Traumjob! SI online hat nachgehakt.
Fashion Hero Einkäufer mit Model
© ProSieben

«Fashion Hero» lässt Designer-Träume wahr werden. In Wirklichkeit wird mehr gekämpft.

Schneller ans Ziel als bei «Fashion Hero» kommt kaum ein Designer. Heute wird die Kollektion präsentiert, morgen ist sie vielleicht schon ausverkauft! In der Show um Claudia Schiffer werden die Nachwuchs-Designer nicht nur gefördert, sie bekommen auch die einmalige Chance, ihre mühsam, über Monate geschaffene Kleidung gleich zu verkaufen - nämlich an Karstadt, ASOS oder s.Oliver. Deren Einkäufer werfen mit Beträgen bis in die Hunderttausender um sich. Gefällt Form und Design der auf einem Laufsteg präsentierten Entwürfe, geben sie das Angebot ab. Als wäre ihr Job nichts anderes, als in den ersten Reihe der Fashionshows zu sitzen und nach Lust und Laune zu shoppen. Ein echter Traum, oder?

«Das Business ist tough», stellt Caroline Casanovas im Gespräch mit SI online klar, «aber absolut spannend.» Die 30-Jährige arbeitet seit über drei Jahren als Einkäuferin bei der Warenhausgruppe Manor. Ebenso schnelllebig wie herausfordernd sei die Fashionwelt. «Man muss reaktiv und mutig, aber gleichzeitig kalkuliert handeln», weiss Casanovas. Konkrete Zahlen möchte sie keine nennen: Die Konkurrenz hält schliesslich Augen und Ohren immer offen. Dass die Realität sich stark von der Show unterscheidet - daraus macht sie aber kein Geheimnis.

Der Warenhauskette steht beispielsweise eine Agentur in Paris mit Ideen zur Seite. Was ist angesagt, wie sehen die Trends aus und wie lassen sich die auf die eigene Marke zuschneiden? So viel Entscheidungskraft wie bei «Fashion Hero» haben die Einkäufer also nicht. Geschäftsreisen führen zwar auch zu Modemessen- und Shows, die Richtung der Kollektionen ist aber mehr oder weniger gesetzt. Steht das Konzept, setzen sich hauseigene Designer ans Werk. Erfahrung und Ideenreichtum braucht es, um bei einem grossen Warenhaus wie Manor mitzudesignen, sagt Casanovas. Anschliessend werden die Entwürfe in die Produktion gegeben - unter anderem nach China, Indien, in die Türkei und inzwischen auch nach Europa. «Dann setzen wir uns vor Ort an den Tisch und verhandeln.» Von der Idee bis zum fertigen Kleidungsstück vergeht ungefähr ein Jahr.

Der Preis pro Stück variiert: Rohstoff, Löhne, Menge oder auch Komplexität des Kleidungsstücks bilden unter anderem die ausschlaggebenden Faktoren. Davon muss man aber erst eine Ahnung haben. Obwohl dem Einkäufer keine eidgenössische anerkannte Ausbildung vorrausgesetzt wird, ist dennoch ein Studium in der Branche hilfreich. Caroline Casanovas fing mit 19 Jahren an, Modedesign zu studieren, gefolgt von Designmanagement. Bei Karl Lagerfeld in Paris und bei Tommy Hilfiger in Amsterdam verdiente sie sich ihre ersten Sporen. «Die grossen Namen sind aber nicht wirklich ausschlaggebend, viel mehr die internationale Erfahrung», sagt sie. Sie spricht fliessend Deutsch, Englisch und Französisch und hat «schon immer eine ausgeprägte Leidenschaft für Mode» gehabt.

Doch Kreativität allein reicht nicht - beim Einkauf geht es noch immer um Zahlen. Und die müssen stimmen. Da sind auch die Einkäufer bei «Fashion Hero» knallhart. André Maeder von Karstadt und einstiger Vögele-Boss brachte es schon in der ersten Sendung auf den Punkt: Die Mode müsse massentauglich sein. «Wir sind in Deutschland, hier müssen sich die Sachen verkaufen.»

«Fashion Hero»: Mittwochs, 20.15 Uhr, bei ProSieben

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