SI online macht den Selbstversuch Wie ist es, von der Bachelorette «stimuliert» zu werden?

Wie es sich anfühlt, wenn man gerade ein ausgiebiges Training hinter sich hat, interessierte Redaktorin Barbara Lanz eigentlich noch nie. Wie es sich anfühlt, von der Bachelorette persönlich rangenommen zu werden, hingegen schon: ein Selbstversuch.

Sie ist die Bachelorette, Gesundheits- und Lifestylecoach und Model. Ich bin Journalistin, Journalistin und Journalistin. Irgendjemand dachte, Frieda Hodel und mich zusammenzubringen, sei eine saugute Idee. Neuerdings ist die 33-Jährige als EMS-Coach im Zürcher Asia Spa tätig - und sie möchte mir gern zeigen, wie toll ebendieses Elektrostimulationstraining ist. Ich sage aus relativ banalen Gründen zu:

1. Es ist eine Geschichte.
2. Ich bekomme gratis Personal-Training.
3. Ich verpflichte mich zu Bewegung.

Drei Mal müsse ich mindestens kommen, heisst es. Drei Termine mache ich aus und starte einen Tag nach meinem 35. Geburtstag. Guter Plan.

1. Training
Man erwartet mich bereits, gibt mir Baumwollsachen, die ich anziehen muss (meine «Sportsachen» habe ich vergeblich zusammengesucht). Auch Frieda wartet bereits, sie ist motiviert, verspricht mir ein ganz neues Körpergefühl. Nachdem ich eine Art Taucheranzug angezogen habe, verkabelt mich die Bachelorette und dreht an einem Gerät mit vielen Knöpfen. «Wir starten langsam», meint sie. Ich meine: «Nein, nein, wenn ich schon hier bin, dann kannst du mich schon drannehmen.» Gesagt, getan. Bei diesem EMS fliessen elektrische Impulse durch den Körper, während man dazu Übungen macht. Die sind absolut gerecht für Anfänger, die Impulse weniger. Kurzzeitig mache ich mir Sorgen um meinen Intimbereich (probiert es aus, dann wisst Ihr, was ich meine), aber Frieda wiegelt ab: «Isch für de Beckebode, weisch.» Sie zwinkert!!! Zeitweilen fühle ich mich auch wie eine der Holzpuppen in der Augsburger Puppenkiste - und zwar eine, deren Fäden irgendwie verheddert sind. Immerhin: 20 Minuten sind schnell vorbei, Frieda gibt mir eine Umarmung zum Abschied und ich ziehe von dannen.

Der Tag danach
Schon bevor ich im Büro bin, habe ich eine Message von Frieda mit vielen Emoticons und der Frage nach Muskelkater. Erstaunlicherweise hält sich dieser in Grenzen. Ich kann zwar gegen Abend meine Arme kaum mehr bewegen, aber das Mitleid meiner Bürogspänli ist mir dafür sicher. Win!

2. Training
Ich bin mehr oder weniger motiviert, Frieda natürlich dafür wieder sehr. «20 Minuten, Barbara. Ich verchaufä dir ke Schueh, ich verchaufä dir es neus Körpergfühl», sagt sie. «Easy», sage ich mir und ertappe mich trotzdem, wie ich versuche, die Bachelorette in einen Tratsch zu verwickeln. Damit sie vielleicht endlich vergisst, immer an diesen Knöpfen zu drehen, die zur Folge haben, dass ich wieder Angst um meinen Beckenboden habe. Nun ja, es gelingt mir mässig «Nöd lache, Barbara», «Barbara, chum, no 6 Minute!!!» Am Schluss gibts dafür wieder ein Küsschen von Frieda ein Gespräch in der Umkleide mit einer älteren Dame, die mir vom Wellnessbereich vorschwärmt. Super, merci, ich muss zurück ins Büro.

Frieda Hodel Bachelorette Sport Fitness-Training
© SI online

Läuft!



Der Tag danach
Call me Supergirl! Ich spüre wirklich wieder kaum etwas. Und ich muss sagen: Es enttäuscht mich ein wenig. Aber die Anzeige auf dem Gerät beim Training zeigte schliesslich auch nur einen Verbrauch von lächerlichen 169 Kalorien an. Dafür würde ich, ganz ehrlich, nie im Leben 85 Franken pro Einheit zahlen.

3. Training
Aller guten Dinge... Es ist Montag, mein Termin bei Frieda ist dieses Mal an einem Morgen. Und: Ich habe bereits Muskelkater. Vom samstagabendlichen Bowling! Frieda schraubt und plaudert, ich mache Squads, hebe Hanteln, frage ein bisschen nach dem, was man bei «Die Bachelorette» nicht im TV gesehen hat (und verpflichte mich zur Verschwiegenheit, ich Nuss). Mittlerweile habe ich den Dreh raus bei Frieda. Immer, wenn sie lächelt, schraubt sie die Impulse hoch. «Hüt bini jetzt eifach mal e Bitch zu dir.» Als ob ich es nicht spüren würde! Frieda ist stolz auf meinen Kampfgeist, sagt sie. «Ich gsehs i dine Auge!» - (Note to myself: Vielleicht wäre das mit der Schauspielkarriere doch noch eine Idee...) Das Resultat am Ende des letzten Trainings: 232 verbrauchte Kalorien. Und ein Muskelkater, der ohne Witz bis zum Schreiben dieses Textes noch spürbar ist...

Das Fazit
Dieses EMS-Training dürfte tatsächlich effektiv sein. Allerdings bräuchte es wohl in meinem Fall mehr als drei Besuche. Aber: Mein Job ist wirklich gar nicht mal so schlecht. Drei Mal durfte ich mich gratis von der Bachelorette quälen lassen, ich war mal wieder in einem Fitnesscenter (und bin nicht mal aufgefallen) und habe zumindest einen halben Tag so etwas wie erahnt, wie sich trainierte Menschen so fühlen. Dass ich ab sofort mehr Sport mache, glaube ich allerdings kaum. Schliesslich muss ich ja jetzt keine Rechenschaft mehr ablegen, ob ich was wann gemacht habe. Und im Ausreden erfinden war ich schon immer besser als im Gewichte stemmen.

Auch interessant