«Napkin Notes» Todgeweihter Vater schreibt Tochter täglich Botschaften

Weil Garth Callaghan seiner Tochter bis zum Schulabschluss jeden Tag eine Notiz versprochen hat, muss er sich ganz schön ins Zeug legen. Denn der 44-jährige Amerikaner hat Krebs und nicht mehr lange zu leben.

Es sind enge Bande, die Vater und Tochter Callaghan verbinden. Seit Emma fünf Jahre alt ist, schreibt ihr Garth kleine Botschaften auf weisse Papierservietten. Weil sie anfangs noch zu klein zum Lesen ist, verziehrt er diese mit Sternen und Herzen. «Damit sie mich auch verstand», erzählt der 44-jährige Amerikaner. 

Neun Jahre ist das nun her. Mittlerweile ist Emma 14 Jahre alt und besucht die achte Klasse einer Mittelschule. Die täglichen Nachrichten ihres Vaters sind längst zum fixen Bestandteil ihres Lebens geworden. Darauf verzichten will und kann sie nicht. «Ich fühle mich so mit meinem Vater auch während meiner Zeit in der Schule sehr verbunden», sagt der Teenager zu Welt.de. Anfangs seien die Notizen noch unregelmässig in ihrer Lunchbox gelandet, doch seit der dritten Klasse sind sie zum täglichen Ritual geworden. Das bestätigt auch Mutter Lissa, die die Idee ihres Mannes grossartig findet. «Er hat keinen Tag verpasst. So ist Garth auch während des Tages, wenn er unterwegs ist und arbeitet, Emma immer ganz nah.» 

Vergiss niemals, wie toll du bist

Die kurzen Botschaften sind oft wie Briefe aufgebaut. Sie fangen mit «Meine liebe Emma» an und schliessen mit «Love Dad». Manchmal schreibt Garth aufmunternde Worte wie «Glaube an dich», «Bleib wie du bist» und «Vergiss niemals, wie toll du bist» oder Sätze wie «Auch wenn das Universum es Milliarden von Jahren versuchen würde, eine Kopie von dir würde es nie hinbekommen». Hin und wieder schreibt der Vater auch Zitate von bekannten Menschen wie Audrey Hepburn oder Mahatma Gandhi ab. 

Dass er sein Versprechen einhalten kann, seine Tochter bis zur Vollendung des letzten Schuljahres mit liebevollen Botschaften zu beglücken, muss sich Garth ganz schön ranhalten. Da der Marketing-Manager Krebs hat, arbeitet er nun quasi vor. «Meine Chance, die kommenden fünf Jahre zu überleben, liegen bei nur acht Prozent.» Daher kündigt er in der vergangenen Woche auf seiner Facebook-Seite an, noch 826 Notizen schreiben zu wollen. «Ich will meiner Tochter etwas hinterlassen, damit sie etwas über meine Lebensphilosophie erfährt und darüber, wie sehr ich sie liebe», sagt Garth im Interview mit «Today». Jeder Vater und jede Mutter kann jeden Tag bei einem Unfall sterben oder an einem Herzinfarkt. «Daher ist das keine Geschichte über den Krebs.»

Auf die Idee, sein Versprechen auch nach seinem möglichen Tod einhalten zu können, bringt ihn die gemeinnützigen Organisation «Because I said I would». Ihr Motto: «Ein Versprechen gegeben. Ein Versprechen gehalten.» Als er davon liest, denkt er sich, dass er seine Botschaften ja auch im Voraus schreiben könnte. «Wenn etwas Schlimmes passiert, sind die Notizen bereits fertig und ich habe mein Versprechen gehalten.» 

Weil Garth Callaghan immer wieder Anfragen von anderen Eltern bekommt, hat er unter dem Titel «Napkin Notes» etliche Botschaften in Netz gestellt. «Jeder kann sich bedienen, wenn er einen netten Satz für den Tag sucht.» Ausserdem plant er ein Buch. Es soll in erster Linie ein Vermächtnis an Emma sein. «Möglicherweise ist es das Letzte, was sie von mir hat.» 

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