Jung und erfolgreich Gianina Ernst: Olympia-Teilnehmerin mit 15

Die jüngste Olympionikin kommt aus Winterthur und startete in Sotschi für Deutschland: Gianina Ernst ist gerade mal 15 Jahre alt und gehört zu den ganz grossen Talenten im Skispringen. Im Interview mit SI online spricht die Tochter des ehemaligen deutschen Skispring-Meisters Joachim Ernst über ihren Spagat zwischen Schule und Sport, ihr Selbstbewusstsein und den Druck, der auf ihr lastet. 

SI online: Gianina, wann warst Du das letzte Mal am Strand?
Gianina Ernst: Das muss vor etwa fünf Jahren gewesen sein. Auch in diesen Sommerferien wurde daraus nichts. Aber das ist nicht schlimm.

Stattdessen warst Du in Deinen Ferien Skispringen - Du hast kürzlich einen FIS-CUP gewonnen.
Genau. Wir hatten in Hinterzarten im Schwarzwald zwei Wettkämpfe in zwei Tagen. Ich habe beide gewonnen.

Gratuliere! Hast Du Dir anschliessend noch ein paar freie Tage gegönnt?
Ja, ich war zwei Wochen bei meiner Familie in Winterthur. Und habe dort meine Freunde getroffen. Es war toll, einfach mal wieder daheim zu sein. Ich bin ja an einem deutschen Ski-Internat und sonst fast nie zu Hause. Nächste Woche geht die Schule wieder los.

Wie bringst Du Training, Wettkampf und Schule unter einen Hut?
Der Winter war sehr streng. Ich war wochenlang nicht in der Schule, das muss ich dann jeweils nachholen. Oder während den Wettkämpfen aufarbeiten. Zum Glück bin ich in einer Sportklasse, die untertstützt mich sehr. Mein Internat bietet Nachhilfe an, egal in welchem Fach. Manchmal muss ich auch aufs Training verzichten, damit die Schule nicht zu kurz kommt.

Das ist ein vollgestopftes Programm! Nervt das manchmal?
Nur selten.

Andere Teenager chillen lieber. Oder gehen ins Kino.
Ja. Aber ich will das ja genau so. Ich will gut sein im Sport und auch in der Schule. Das ist mein Ansporn.

Die heutige Jugend ist faul und früher war alles besser, heisst es oft. Was entgegnest Du diesen Vorurteilen?
Das kann man nicht verallgemeinern. Es hat sich für die Jugendlichen auch viel verändert. Die Erwartungen von den Lehrern und Eltern sind viel grösser geworden. Und die Möglichkeiten für die Freizeitgstaltung.

Als Profisportlerin lastet auch auf Dir ein grosser Druck.
Klar, es sind Erwartungen da. Von mir selbst, wie auch von aussen. Aber das kümmert mich nicht gross. Ich will mich nicht unter Druck setzen lassen. Ich weiss, was ich kann und ich gebe mein Bestes. Mehr kann ich nicht tun.

Woher kommt dieses Selbstbewusstsein?
Wahrscheinlich vom Sport selbst. Ich musste schon viele Niederlagen einstecken, der Spitzensport ist ein ewiges Auf und Ab. Irgendwann findet man heraus, wie man damit umgehen muss. Ich bin einfach mega dankbar, dass ich das alles erleben darf. Jeder Wettkampf ist eine wertvolle Erfahrung, seine es eine gute oder eine schlechte.

Du lebst weit weg von Deiner Familie im deutschen Oberdorf. Macht das automatisch erwachsener?
Ja, ich bin tatsächlich viel selbstständiger geworden. 

In welchen Momenten vermisst Du Deine Eltern und Geschwister?
Selten. Ich hatte schon als Kind nie Heimweh. Wir halten ja via Skype Kontakt und telefonieren etwa ein-, zweimal in der Woche. Aber an den Olympischen Spielen in Sotschi fehlte mir meine Familie. Da wurde ich zwei Tage vor dem Wettkampf krank. Ein sehr blöder Zeitpunkt.

Du musstest sogar um Deine Olympia-Teilnahme bangen.
Erst am Morgen vor dem Wettkampf haben die Trainer entscheiden, dass ich springe. Ich habe so viel erreicht, so viel trainiert - hätte es ausgerechnet zum Höhepunkt nicht geklappt mit der Teilnahme, wäre ich sehr traurig gewesen. Aber ich bin ja erst 15. Ich kann mindestens noch einmal an Olympia mitmachen.

Und was kommt nach dem Spitzensport?
Da habe ich noch gar keine Ahnung.

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