Foster & Co. Homosexualität ist ein Image-Problem in Hollywood

Auch im Jahr 2013 haben schwule und lesbische Schauspieler in Hollywood noch zu kämpfen. Warum sonst spricht Jodie Foster erst jetzt über ihre ehemalige Lebensgefährtin - zu einem Zeitpunkt, in dem sie sich nur noch auf ihre Arbeit hinter der Kamera konzentriert? SI online hat mit dem Chefredaktor des Gay-Magazins «Display» über die Problematik gesprochen.

In den 20er- bis 50er-Jahren bildeten sich in Hollywood verschiedene Kreise aus homo- und bisexuellen Frauen, die grob zusammengefasst der «Sewing Circle» (oder zu Deutsch «Nähkreis») genannt wurden. Es handelte sich um einen Zusammenschluss prominenter Frauen wie Marlene Dietrich, die ihre Sexualität nur im Verborgenen auslebten. Unter anderem feierten auch schwule Filmproduzenten in ihren Villen geheime Partys unter Ihresgleichen, denn Homosexualität ist und war in der Traumfabrik schon immer ein äusserst schwieriges Thema. Wie sonst kommt es, dass eine gestandene Schauspielerin erst in den vergangenen Jahren öffentlich zu ihrer ehemaligen Lebensgefährtin steht?

Die Rede ist natürlich von Jodie Foster, 50, die an der Golden-Globe-Verleihung die Auszeichnung für ihr Lebenswerk entgegennahm. Erst als sie die Schauspielerei gegen die Regiearbeit tauschte, outete sie sich öffentlich. Am vergangenen Samstag richtete sie folgende Wort an den wohl wichtigsten Menschen in ihrem Leben: «Ich danke meinem heroischen Co-Elternteil, meiner Ex-Partnerin und Seelenschwester. Meiner Bekennerin, meist geliebten besten Freundin seit mehr als 20 Jahren, Cydney Bernard. Ich danke dir, Cyd. Ich bin so stolz auf unsere moderne Familie, unsere fantastischen Söhne, Charlie und Kit, die der Grund für mich sind, zu atmen und mich zu entfalten.»

Man könnte meinen, dass im 21. Jahrhundert die sexuelle Orientierung zur Nebensächlichkeit geworden ist. Doch gibt es nach wie vor kaum einen Filmschaffenden, der öffentlich zu seiner Homosexualität steht. Bei Jodie Foster wusste man schon länger, dass sie lesbisch ist. Aber wie sie bei ihrer Golden-Globe-Rede selber gesagt hat, ist die Privatsphäre ihr höchstes Gut, das es zu schützen gilt. Wieso spricht sie nun ihre Homosexualität in einem derart öffentlichen Rahmen an? «Vielleicht hat es mit der heftigen Diskussion in den USA um die Gay-Ehe zu tun», mutmasst Beat A. Stephan, der Chefredaktor der Schweizer Gay-Zeitschrift «Display». Der gesellschaftliche Konservatismus und vor allem die religiös motivierte Bigotterie seien noch eine veritable Macht in den USA. «Die liberalen Kreise an der US-amerikanischen Ost- oder Westküste stören sich sicher nicht daran, ob nun einer homosexuell ist. Aber sie sind nicht in der Mehrheit. Es gibt auch noch den Bible Belt und den konservativen Süden.» Eine etablierte Schauspielerin wie Jodie Foster kann mit einem öffentlichen Statement aber Druck auf die Politik ausüben.

Zur Zeit der Goldenen Ära, also die Zeit von Marlene Dietrich oder Rock Hudson, galten im Filmbusiness strenge Regeln. Der «Motion Picture Production Code» verbot es, jeglichen Inhalt homosexueller Art in Filmen zu zeigen. Auch privat durften die Schauspieler in keinem Zusammenhang damit stehen. «Ironischerweise waren die allergrössten Liebhaber Hollywoods schwul, bloss durfte das keiner wissen», weiss Beat A. Stephan. Ihr Image der Femme fatale oder des Herzensbrechers verkörperten sie perfekt gegen aussen, in den geschlossenen und vor allem geheimen Kreisen lebten sie ihre Neigungen frei aus. Marlene Dietrich hatte eine Beziehung mit Mercedes de Acosta, einer Schriftstellerin und Designerin, obwohl sie über 50 Jahre lang mit dem Filmproduzenten Rudolf Sieber verheiratet war. Es ist die Rede von einer sogenannten Lavendel-Ehe, wie auch Rock Hudson sie führte. Homosexuelle Menschen schwören einem anders geschlechtlichen Partner die ewige Treue, bekommen sogar Kinder - alles zur Kaschierung des Schwul- und Lesbischseins.

Heute wird das Thema nicht mehr vollständig unter den Teppich gekehrt. Dennoch scheiden sich die Geister, ob es nun ein Nachteil ist, in Hollywood schwul oder lesbisch zu sein. Der Schauspieler Rupert Everett («Die Hochzeit meines besten Freundes»), der offen zu seiner Homosexualität steht, sagte einst in einem Interview mit dem Fernsehsender BBC: «Es ist nicht einfach. Ganz ehrlich, ich würde keinem Schauspieler, dem wirklich was an seiner Karriere liegt, dazu raten, sich zu outen.» Die Rollenangebote blieben aus oder man würde eher als Nebendarsteller engagiert werden. «Offen schwule oder lesbische Schauspieler haben es insofern schwerer, als Hollywood ein Milliardengeschäft ist. Die Produzenten investieren viel Geld, dass nur dann wieder reingeholt wird, wenn der Film die breite Masse anspricht. Das sind nun mal die Heteros. Und die wollen vornehmlich Heti-Liebesgeschichten sehen», sagt Experte Beat A. Stephan. 

Ob es gleichgeschlechtliche Schauspieler in Hollywood nun schwerer haben oder nicht - eines ist klar: Die grössten Akteure sind heterosexuell - zumindest für die Öffentlichkeit. Sie gewinnen Oscars für ihre Interpretationen homosexueller Filmfiguren, wie beispielsweise Sean Penn in «Milk» oder Charlize Theron in «Monster». Ginge es tatsächlich um Authentizität, hätte die Rolle «einer vom anderen Ufer» sicherlich besser spielen können.

Auch interessant