Star-Astrologin Elizabeth Teissier im Interview «Ich war zu optimistisch»

Als erfahrene Dolmetscherin der Sterne weiss Elizabeth Teissier, wann der Kosmos Glück verheisst. Doch die Prognosen für 2016 bereiten der Star-Astrologin Sorgen, wie sie im Gespräch mit der «Schweizer Illustrierten» sagt.
Elizabeth Teissier und Ehemann Gerhard Hynek Jahreshoroskop 2016
© Fabienne Bühler

Sie ist sein Star: Elizabeth Teissier mit Ehemann Gerhard Hynek, der auch als ihre rechte Hand fungiert, wenn sie in die Sterne schaut.

Seit ihrer Teenagerzeit blickt Elizabeth Teissier jeden Abend fasziniert in den Sternenhimmel. Und obwohl ihr als Studentin an der Pariser Sorbonne immer wieder gesagt wurde, die Astrologie sei Humbug, lernte sie die Sprache des Kosmos verstehen. Sie nahm Unterricht beim damals berühmtesten Astrologen von Paris, Henri Gouchon, und war bereits nach wenigen Monaten selbst ein Star der Sterne, denn sie durfte jeden Abend nach den Nachrichten und der Wetterprognose das erste Tageshoroskop im staatlichen französischen Fernsehen präsentieren.

Heute gehört Elizabeth Teissier zu den renommierten Astrologen der Welt, berät Könige und Staatschefs. Sie analysiert die Sterne seit mehr als 30 Jahren auch für die «Schweizer Illustrierte». Und hat mehr als 40 Bücher verfasst. Ihre Trefferquote liege bei 80 Prozent, so die Astrologin mit Berner Wurzeln. Im Buch «2012–2016: Weltkrise und Neubeginn» habe sie sich aber allzu optimistisch geäussert, gibt Teissier beim Interview mit der «SI» im Genfer «Beau Rivage» zu.

Schweizer Illustrierte: Madame Teissier, warum waren Sie zu optimistisch?
Elizabeth Teissier: Als ich das Buch 2011 schrieb, waren weder die Krise in der Ukraine noch die Bedrohung durch den IS ein Thema. Ich konnte einzig durch die seltene Dissonanz zwischen Uranus und Pluto auf eine tiefgehende Umwälzung unserer Gesellschaft mit Fortschritt im Jahr 2016 schliessen. Diese Art von Prognose ist wie
ein Balanceakt ohne Sicherheitsnetz. Mit heutigem Wissen würde sie konkreter ausfallen. Trotzdem glaube ich, dass wir auf dem Weg sind, eine neue Gesellschaft aufzubauen.

Also Neubeginn, aber anders?
Genau. Die Sterne zeigen an, dass ein Wandel eintreten wird. Wie aber dieser Wandel ausfällt, hängt von der Weisheit oder der Verrücktheit der Menschen ab.

Der Terror - gerade durch den IS - schafft Verunsicherung. Kann man dazu ein Horoskop verfassen?
Ja, das habe ich gemacht. Vom Anführer Abu Bakr al-Baghdadi ist zwar kein gesichertes Geburtsdatum bekannt. Aber das Horoskop der Terrororganisation deutet darauf hin, dass der IS weiteren Zulauf bekommt - speziell im Januar und zwischen Mai und August. Lediglich im kommenden Oktober könnte er herbe Niederlagen einstecken.

In welchem Bereich?
Möglicherweise in Bezug auf die Finanzen. Oder eine schwierige strategische Entscheidung teilt die Anhänger in zwei Lager.

Worauf stützen Sie diese Berechnungen ohne Geburtsdatum?
Die Ausrufung des Kalifats am 28. Juni 2014 ist seine Geburtsstunde. Ich beziehe die Analyse darauf. 

Als Doktorin der Soziologie, wie erklären Sie sich den Erfolg des IS gerade bei Jugendlichen?
Ich bin mir nicht sicher, ob unsere multikulturellen Ideologien die einzig richtigen sind. Ein grosses Problem dieser fanatisierten Jugend erklärt sich dadurch, dass es unserer materialistischen Gesellschaft an Spiritualität fehlt. Der Drang zur Transzendenz bleibt unbefriedigt. Dazu kommt die Völkerwanderung.

Diese sprechen Sie in Ihrem Buch an. Rechnen Sie mit einer Wirkung des Kosmos diesbezüglich?
Mit Neptun, der nach 164 Jahren wieder in den Fischen steht, werden im neuen Jahr die altruistischen Ideen weiter Vorrang haben. Aber auch das Chaos, das die negative Seite von Neptun darstellt - speziell wenn dieser Planet dissonant zu Saturn steht wie schon jetzt im November, Dezember und dann wieder im Juni und September. Zwar können wir nicht zusehen, wie Tausende Flüchtlinge unter schlimmsten Bedingungen leben. Aber zu viele Flüchtlinge werden ebenfalls zu einem echten Problem. Die grossen kulturellen Unterschiede könnten in Gewalthandlungen ausarten.

Gerade in Bezug auf die Fussball-Europameisterschaft in Frankreich im Frühsommer ist die Angst gross.  
Eine Prognose dazu ist schwierig, aber Mitte Juni ist definitiv keine sehr positive Phase.

Gibts Konstellationen, welche auf Terrorgefahr schliessen lassen?
Die Sprache der Sterne ist sehr kompliziert: Terrorakte können mit mehreren Zyklen in Verbindung stehen. Dissonanzen im Zyklus Saturn-Pluto waren Ende 2014 exakt und dann erneut am 20. Juni und 13. August 2015. Wenn zusätzlich andere Dissonanzen wirksam sind, wie eben speziell die Uranus-Pluto-Dissonanz, haben die Barbaren Hochkonjunktur. Das war Anfang Januar der Fall, weshalb ich auch hier in der «Schweizer Illustrierten» schrieb, dass die erste Januarwoche 2015 besonders explosiv werden könnte, was sich dann leider mit den Anschlägen bei «Charlie Hebdo» in Paris bestätigt hatte. Entsetzlich auch der Anschlag in Tunesien am 26. Juni, bei dem 39 Menschen, vorwiegend Touristen, erschossen wurden, und am 21. August ist nur durch ein Zufall ein Blutbad in einem TGV verhindert worden.

Wann ist der Zyklus 2016 wirksam?
Uranus-Pluto wird noch verstärkt durch die Dissonanz Saturn-Neptun, was mich nicht grad optimistisch stimmt: Möglich sind Umweltprobleme, Epidemien, Kriegshandlungen mit Giftstoffen oder eben Völkerwanderungen. Sorge bereitet mir auch, dass dieser Zyklus eine grosse Rolle im Gründungs-Horoskop der Sowjetunion spielte. Und bei den Dissonanzen, die alle 36 Jahre stattfinden, kam es immer wieder zu bahnbrechenden Ereignissen - 1953 etwa zum Tode Stalins.

Welches könnten die schwierigsten Phasen im neuen Jahr werden?
Nach Januar kommt zusätzlich der rückläufige Mars im April, Mai und Ende August, der die Dissonanz zwischen Saturn und Neptun noch aktiviert und kriegerische Ausschreitungen ermöglicht. Die gute Nachricht: Mitte März und Ende Juni ist der harmonische Zyklus Jupiter-Pluto wirksam, vielleicht bedeutet dies neben guten wirtschaftlichen Nachrichten auch wichtige Reformen für die Umwelt. Eine weitere positive Phase: Weihnachten!

In den USA könnte am 8. November zudem zum ersten Mal eine Präsidentin gewählt werden. Was sagen die Sterne dazu?
Eine Prognose ist erst möglich, wenn Hillary Clintons Konkurrenz bekannt ist. Denn selbst wenn sie gute Einflüsse hat, könnten die ihres Gegners besser sein.

Welche Sternzeichen gehören zu den Gewinnern?
Skorpione und Stiere haben 2016 die besten Chancen, aber speziell im Herbst auch Löwen und Wassermänner, denn neben Jupiter wirken noch andere positive Zyklen, die Entfaltung und Erfolg versprechen. Bis August schneiden auch die Jungfrauen, Steinböcke, Krebse und Fische gut ab, allerdings mit Einschränkungen für die in der Mitte dieser Zeichen Geborenen. Und ab September sind dann die Luft- und Feuer-Zeichen, also Zwillinge, Waage und Wassermann sowie Widder, Löwe und Schütze, mehrheitlich auf Erfolgskurs.

Welche Sternzeichen müssen sich auf Hürden einstellen?
Viele Schützen, Fische und Zwillinge, speziell die zweiten Dekaden, stehen unter Druck, müssen mit Einschränkungen rechnen. Nur in den letzten zwei Monaten des Jahres sollte es für Zwillinge und Schützen besser laufen.

Wie lässt sich das Jahr astrologisch zusammenfassen?
Man kann auch ohne Astrologie davon ausgehen, dass wir weiterhin mit Anschlägen in Europa rechnen müssen, schon im Januar. Aber einer der positiven Planeten-Zyklen, Jupiter-Pluto, macht Hoffnung. Fast gleichzeitig wirkt leider eine schwierige Konstellation, der Mars ist rückläufig, was besonders Ende März und Ende Mai kritisch sein kann. Auch die massive Völkerwanderung der vergangenen Monate ist eine Tatsache, die im neuen Jahr eines der grössten Probleme bleibt. Aber erst in einigen Jahren können wir eine objektivere Bilanz ziehen, ob die letzten fünf Jahre symbolisch waren für eine Neuausrichtung.

Steckt eigentlich noch Handarbeit in den Horoskopen, oder macht das nun alles ein Computer?
Es gibt wohl mittlerweile sehr gute Computerprogramme, welche die Berechnungen machen, aber die Interpretation eines Horoskops, mit den Positionen der Planeten und den Aspekten, die sich daraus ergeben, verlangt nach einer persönlichen Einschätzung des Astrologen. Natürlich gibt es auch Interpretationen mit Computer-Programmen, aber für die Synthese von Dutzenden Aspekten in einem Horoskop braucht es Hirnzellen und vor allem möglichst viel Erfahrung! Es ist wie beim Schach: Man kann zwar die Regeln ziemlich schnell lernen, aber aufgrund der unendlich vielen Möglichkeiten muss man lange praktizieren.

Welche Anfragen haben Sie in Ihrer langjährigen Tätigkeit als Astrologin am meisten überrascht?
Vor Jahren hatte ich in einer grossen deutschen Tageszeitung eine Rubrik mit Anfragen von Lesern. Und ich war schockiert, als eine Leserin wissen wollte, wann ihr Mann sterben wird, denn es ging ihr darum, wann sie erben würde. Solche Prognosen lehne ich grundsätzlich ab.

Auch, wenn jemand seinen eigenen Todeszeitpunkt wissen möchte?
Diese Frage hat man mir schon mehrmals gestellt, und ich habe stets abgelehnt. Abgesehen vom moralischen oder religiösen Standpunkt kann der Astrologe kritische Momente und gesundheitliche Probleme prognostizieren, aber kaum den endgültigen Zeitpunkt des Todes berechnen. Deshalb ist meine Antwort ganz klar: nein.

Stellt es für Sie eine grosse seelische Belastung dar, mit möglichen schwierige Perioden bereits im Voraus rechnen zu müssen?
Manchmal habe ich den Eindruck, mein Schicksal mit Kassandra zu teilen. In der Mythologie ist Kassandra die Überbringerin von schlechten Nachrichten, aber ihr Fluch ist es, dass man ihren Prophezeiungen keinen Glauben schenkt. Das wohl berühmteste Beispiel ist ihre Warnung vor dem Trojanischen Pferd, das trotz ihrer Hinweise den Untergang Trojas besiegeln sollte. Und natürlich mache ich mir immer wahnsinnig viele Sorgen, wenn meine Kinder, mein Mann und meine Enkel besonders schlechten Einflüssen ausgesetzt sind.

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