Familiensache: Auf der Erlebnis-Farm Juckerhof Ein Hof zum Verlieben

Blaue Zähne, Dreck unter den Fingernägeln, klebrige Backen und strahlende Augen! Auf der Erlebnis-Farm Juckerhof im Zürcher Oberland erfahren Kleine und Grosse die Landwirtschaft - mit allen Sinnen und hohem Spassfaktor! 

Süsse Aprikosen, knackige Kirschen und saftige Erdbeeren. Julie und Chloé, bald zwei Jahre alt, packen alles in den Korb, was sie mit ihren knapp 90 Zentimetern Körpergrösse erreichen. Auf den oberen Regalen liegt sowieso Gemüse, aber dort unten, knapp über Boden, haben die Mitarbeiter des Hofladens ein Schlaraffenland für kleine Kinder eingerichtet. Jedes dritte Händchen voller Beeren landet im Mund. Bald schon sind die Zähne der Zwillingsmädchen ganz blau und ihre Gesichter klebrig verschmiert. Mama Anita Wey, 29, mahnt die Kleinen zur Zurückhaltung. Aber die Frau an der Kasse lacht. Naschen geht in Ordnung auf dem Juckerhof im zürcherischen Seegräben. Hier schaut man für einmal nicht nur mit den Augen, sondern mit Händen, Mund, Ohren und Nase. «Es ist eine Erlebnisfarm.»

Erleben lässt sich auf dem Anwesen der Zürcher Oberländer Familie Jucker weit mehr als der Einkauf von hausgemachter Kürbiskernöl-Handcreme und regionalem Beerenwein. Der Tagesausflug der Familie Wey aus Luzern beginnt mit einem Sonntagsbrunch. Frühmorgens haben Lazar, 38, und Anita ihre Zwillingsmädchen Julie und Chloé und Lazars Söhne, Joey, 17, und Levin, 12, ins Auto gepackt, um noch einen Parkplatz und ein Tischchen unter der grossen Hofkastanie zu ergattern. Denn seit der Juckerhof mit seinem «Buurezmorge» 2012 den «Best of Gastro Swiss»-Award in der Kategorie «Activity» erhielt, ist das sonntägliche Schlemmen über Wochen hinweg ausgebucht.

Bis zu 8000 Besucher passieren die Tore der Juckerfarm und des dazugehörigen Bächlihofs in Jona SG pro Tag. Schon um 10 Uhr früh, während Familie Wey noch frühstückt, füllt sich der Innenhof mit Menschen. Familien, Liebespaare, Wanderer, manchmal sogar eine ganze Hochzeitsgesellschaft.

Die meisten Besucher nutzen das Gratis-Angebot, das unter anderem Geissli-Streichelpark, Naturspielplatz und Hängematten-Relaxzone umfasst. Julie und Chloé ziehts auf die Hüpfburg aus Stroh, die beiden Jungs inspizieren derweil den uralten Traktor, der als Klettergerüst daneben steht. «Die Kinder würden sich hier den halben Tag vertörlen. Die einfachsten Dinge sind eben immer die schönsten», sagt Anita. Sie lässt die Rasselbande toben, hat aber noch andere Pläne im Hinterkopf: Auf dem Juckerhof ist Heidelbeersaison!

Seit dem 19. Jahrhundert bieten Juckers am Ufer des Pfäffikersees schon Obst und Beeren zum Selberpflücken an. Von Juli bis September können Besucher ihre Körbchen mit «Heiti» füllen. Und für einen Fünfliber so viel naschen, wie sie wollen. Auf den drei Hektaren Land verlieren sich die Pflücker schnell zwischen den hüfthohen Sträuchern. Oder verschwinden gegen einen kleinen Eintrittsbetrag in die Obstplantage.

5900 Apfelbäume bilden hier zwei Irrgärten und ein Labyrinth. Gegen Nachmittag schaffen es Weys auch zwischen die Säulenbäume. Ein Meditationspfad führt in die Mitte des Labyrinths, wo ein Danziger Kantapfelbaum, mit farbigen Stofffetzen behängt, in der Sonne leuchtet. «Das ist ein Wunschbaum», liest Lazar von einer Kreidetafel vor und zieht ein blaues Fetzchen aus der Kiste unter der Tafel. «Den müssen wir aufhängen und uns etwas wünschen. Wenn der Fetzen irgendwann von selber abfällt, sollte der Wunsch in Erfüllung gegangen sein.» Chloé und Julie greifen lieber nach den sauren Äpfeln. Sie sind wunschlos glücklich. Und restlos satt.

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