Pheromon-Party Kann man den Traumpartner erschnüffeln?

An Deutschlands erster Pheromon-Party wurde geschnüffelt, was das Zeug hält. Unter dem Motto «Liebe geht durch die Nase» sollte der potentielle Partner fürs Leben gefunden werden.

Nicht auszudenken, dass sich junge Single-Menschen freiwillig auf einen Berg Schmutzwäsche stürzen. Doch: Was tut man nicht alles für die Liebe und den perfekten Partner. In Berlin ist kürzlich Deutschlands erste Pheromon-Party lanciert worden. Dabei handle es sich um eine «Event-Sensation» aus den USA, wie der Veranstalter sagt. Die Berliner Agentur «Shop A Man» möchte sich das biologische Phänomen der Botenstoffe zunutze machen, die von Mensch und Tier abgesondert werden, um das andere Geschlecht anzuziehen. Viele Biologen sind sich nämlich sicher, dass ein Grossteil der Partnerwahl über eben diese Pheromone läuft. Und: Eine biologische Kompatibilität verspreche eine stabile Beziehung und gesunde Nachkommen. Für einmal wären rationale Fragen wie Bildungsabschlüsse, Hobbys oder Musikgeschmack also zweitrangig. 

DIE IDEE IST SIMPEL - UND WERBEWIRKSAM
Man nehme ein T-Shirt aus Baumwolle, trage es drei Nächte und konserviert es die Tage über im Plastikbeutel im Gefrierfach. Anschiessend wird es zur Party mitgenommen, wo sich einsame Herzen darüber hermachen. Auf dem einen Tisch stapeln sich die Frauen-Shirts, auf dem anderen die der Männer - fein säuberlich nummeriert, geschlechtsspezifisch auf rosa und blauen Karten. 

Die Nuancen in der Nase sind vielfältig. Sie reichen von neutral über angenehm bis hin zu stechend, «als ob es ein Obdachloser getragen hätte», zitiert die «FAZ» eine weibliche Teilnehmerin. Aber auch Gerüche wie die eines süssen Kaugummis, einer Zwiebel oder Parfum werden genannt - letzteres ist eigentlich nicht erlaubt und verfälscht den Geruch des Trägers.

Wem ein Duft zusagt, kann sich mit der Tüte und der dazugehörigen Nummer ablichten lassen. In einem Nebenraum, wo die Fotos auf einem Projektor durchlaufen, kann der T-Shirt-Träger dann entscheiden, ob er sich outen und die Interessentin - oder den Interessenten - kennenlernen möchte. 

AM SCHLUSS ENTSCHEIDET ABER DOCH NICHT DER DUFT
Es ist enttäuschend. Lediglich eine Handvoll Teilnehmer lässt sich mit der Schmutzwäsche fotografieren, noch weniger der als gut befundenen Geruchsträger geben sich zu Erkennen. Es passt einfach nicht. Daher geht die Mehrheit der Singles also duftunbeeindruckt und ohne Telefonnummer nach Hause. Man ist sich einig: Das war wohl nix mit dem grossen Pheromon-Experiment. Denn am Ende sind Bildungsabschluss, Hobby oder Musikgeschmack dann doch ausschlaggebend. Und eben auch ein kleines Bisschen das Aussehen. 

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