Transgender Für mehr Akzeptanz: Laverne Cox ziert «Times»-Cover

Das Geschlechterthema beherrscht derzeit die Medien: Conchita Wurst gewinnt den ESC, Andrej Pejić defiliert seit Jahren als Frau über die Laufstege und die Geschichte des als Mädchen geborenen Ryland berührt die Netzgemeinde. Doch ein weiterer Meilenstein in Sachen Akzeptanz ist gelegt: Laverne Cox ziert als erstes Transgender-Model das Cover des renommierten «Time Magazine».
Transgender-Model Laverne Cox ziert «Time»-Cover
© Time Magazine

Dieses Cover-Mädchen ist ein Mann - und wurde im falschen Körper geboren.

Der Druck von Aussen ist gross: Als es Laverne Cox nicht auf die «Time»-Liste der 100 einflussreichsten Prominenten schafft, hagelt es Beschwerden. Für viele gehört das Transgender-Model schliesslich seit 2013 zu den wichtigsten Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen. Das Wochen-Magazin erkennt den Fehler und macht die als Junge geborene Laverne zum Titelmädchen der Juni-Ausgabe.  

Dass das Heft mit 25 Millionen Lesern das Multitalent zum Gesicht der Titelgeschichte «Der Transgender-Wendepunkt: Amerikas nächster Kampf um Bürgerrechte» macht, sieht Cox als notwendigen Durchbruch im Kampf um Gleichberechtigung. «Was für ein wundervolles Geschenk! Ja, heute ist mein Geburtstag und ich bin auf dem Cover des Time Magazins», schreibt die am 29. Mai Geborene vergangene Woche auf Facebook. «Das Ganze ist so viel grösser als ich und ein Wendepunkt in der Geschichte unserer Nation, wo es nicht länger akzeptabel ist, Transsexuelle zu stigmatisieren, lächerlich zu machen, zu kriminalisieren oder abzuwerten.» 

Auf dem sozialen Netzwerk präsentiert Cox stolz ihr Titelbild und bedankt bei den Unterstützern. «Vielen Dank an alle, die mir tagtäglich Liebe und Unterstützung schicken. Es bedeutet mir und Mädchen wie uns viel, zu wissen, dass wir auf der ganzen Welt geschätzt werden.» 

Laverne Cox, die einen Abschluss in Bildender Kunst hat, Produzentin und der heimliche Publikumsliebling in der preisgekrönten TV-Serie «Orange Is The New Black» ist, schrieb bereits Fernsehgeschichte: 2010 produzierte die auf 27 geschätzte Afroamerikanerin die Reality-Show «Transform Me» und wurde dafür im April dieses Jahres mit dem Glaad Media Award ausgezeichnet.

Wie viele andere Transsexuelle auch, merkt Laverne Cox schon früh, dass ihr Körper nicht zu ihrem Empfinden passt. Im Alter von acht Jahren ist sich der Junge aus den Südstaaten sicher, ein Mädchen zu sein. Doch ihre Mutter reagiert mit Unverständnis, kann nicht begreifen, dass sie sich nicht gegen ihre raufenden Mitschüler zur Wehr setzen kann - und will. «Ich empfand viel Schande über mich und darüber, wie ich war», erzählt sie im Interview mit Imfromdriftwood.com

Diesbezüglich hat der kleine Ryland Whittington mehr Glück. Seinen Eltern kann das Mädchen schon früh klar machen, dass es im falschen Körper geboren ist. «Ich bin ein Junge», sagt er - kurz nachdem er sprechen kann. Die «Phase», wie die Ärzte es damals nennen, geht nie vorrüber, verstärkt sich sogar mit jedem weiteren Lebensjahr. «Wieso hat mich Gott zu dem gemacht, was ich bin», fragt Ryland unter Tränen. Damals ist er fünf und ein Transgender, wie die Eltern schliesslich begreifen. Doch anstatt dies zu bekämpfen, akzeptieren sie die Haltung ihres Kindes. Sie schneiden ihm die bloden Haare von lang auf kurz, kaufen Jungs-Kleider und beginnen, «Er» zu sagen.

Die siebenminütige Dokumentation über das Heranwachsen von Ryland, die seit Tagen im Internet kursiert, soll anderen Eltern Mut machen. Für so viel Engagement wurden Hillary und Jeff Whittington nun sogar am Harvey Milk Diversity Breakfast geehrt. Milk war der erste US-Politiker, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannte, und sich in den 1970er-Jahren für Bürgerrechte von Schwulen und Lesben einsetzte.

Auch Ryland selbst spricht an der Preisverleihung. Er trägt einen schwarzen Anzug und eine gestreifte Krawatte. Von einem Zettel liest er ab: «Mein Name ist Ryland. Ich bin ein Transgender-Kind.»

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