Aussergewöhnliche Models Britische Modekette erregt Aufsehen mit Kampagne

Gehandicapt, betagt und mollig: Das Modehaus Debenhams zieht alle Register. Und möchte mit seiner neusten Werbekampagne bewirken, dass sich Frauen in ihren Körpern wieder wohler fühlen. 

Sie sind alles andere als perfekt, haben entweder eine Behinderung, sind schon etwas in die Jahre gekommen oder rund und füllig. Alles Frauen, die ganz und gar nicht den konventionellen Modelmassen entsprechen. Und genau dageben möchte Debenhams etwas unternehmen. Deshalb setzt sich das britische Kaufhaus auch für ein neues Körpergefühl und gegen die strengen Maxime in der Modelbranche ein.

Ein Gesicht der Werbekampagne ist die 29-jährige Stefanie Reid, die 2008 bei den Paralympics in Peking sowie 2012 in London angetreten ist. Die in Neuseeland geborene Kanadierin verlor bei einem Bootsunfall vor 13 Jahren ihr rechtes Bein. Selbstbewusst zeigt sie sich in einem knielangen Kleid - mit Higheel und Protese. Auch Kelly Knox, die Gewinnerin der Reality-TV-Show «Britain's Missing Top Model», zeigt sich ohne Scheu mit ihrem fehlenden Unterarm. Die 28-jährige Buchhalterin aus dem britischen Enfield schrieb 2008 Geschichte: Sie war das erste behinderte Model, das in der Frauenzeitschrift «Marie Claire» eine Fotostrecke platzieren konnte. Valaria Pain, die ebenfalls in dem Sommerkatalog der Modekette zu sehen ist, hat wesentlich mehr Erfahrung vor der Kamera. Das ist jedoch kein Wunder, schliesslich geht die attraktive Dame auf die 70 zu. 

Was veranlasst ein alteingesessenes Modehaus wie das Debenhams zu solch einer aussergewöhnlichen Aktion? «Unsere Kundinnen haben nicht alle die gleiche Kleidergrösse oder Passform. Dehalb feiern wir in unserem neusten Katalog die Vielfältigkeit.» Natürlich in der Hoffnung, dass andere Modehäuser nachziehen. «Das wäre der erste Schritt dahin, dass sich die Menschen in ihren Körpern wieder wohler fühlen», sagt der PR-Verantwortliche, Ed Watson, auf der Website des Unternehmens. Für diese Haltung wurde dem Unternehmen in diesem Jahr der vom britischen Parlament unterstützte «Body Confidence Award» verliehen. 

KEIN FRUST DURCH XS-SCHAUFENSTERPUPPEN
Auch bei den Schaufensterpuppen übernimmt Debenhams eine Vorreiter-Rolle. Während man in anderen Kaufhäusern Kleider an zierlichen Figuren präsentiert, setzt die 1778 gegründete Firma, die damals noch Flint & Clark hiess, auf Plus-Size-Puppen. Denn was bei Grösse 36 noch elegant und sexy aussieht, kann bei einer Frau mit einer 44 schnell unvorteilhaft wirken - und Frustrationen auslösen. Mit den neuen Schaufensterpuppen sollen festere Frauen abschätzen können, wie ein Kleidungsstück an einer «normalen» Figur wirkt.

Wer aber glaubt, dass die kurvigen Puppen ausschliesslich in der Spezialabteilung für Mollige zu finden sind, irrt sich. Sie wurden in jeder Abteilung neben den Puppen in Grösse 36 platziert. Was bis vor Kurzem nur in der Londoner Hauptfilale verwirklicht wurde, hält seit November Einzug in alle der 170 Läden der Kaufhauskette. Ein wichtiger Schritt, wie die britische Abgeordnete Jo Swinson findet: «Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Frauen viel eher Kleidungsstücke kaufen, wenn die Models, die sie tragen, ihrer Figur entsprechen.» Denn es gäbe nicht nur eine Art von Schönheit, wie die Frauen-Beauftragte gegenüber NBC News betont. Und Schaufensterpuppen verschiedener Grösse sollten unbedingt dazu beitragen, die Vielseitigkeit der weiblichen Figur aufzuzeigen.

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