Schönheit über 50 Expertin: «Keine OP ersetzt gesunden Lebensstil»

Nervengift im Gesicht, Kunststoff im Busen, Pölsterli in den Wangen - warum tun Frauen sich das an? SI online hat mit fünf prominenten Frauen gesprochen, die bewusst auf Schönheitschirurgie verzichten. Und nachgefragt bei der Expertin Prof. Ulrike Ehlert, Abteilungsleiterin am Psychologischen Institut der Universität Zürich. Sie sagt, welche Frauen besonders empfänglich sind für Schönheits-OPs - und was uns jung hält.
Schönheitswahn-Serie Expertin Professor Ulrike Ehlert
© Marion Nitsch/Pixsil

Professorin Ulrike Ehlert, Abteilungsleiterin am Psychologischen Institut der Universität Zürich: «Besonders empfänglich für Schönheits-OPs sind erfolgreiche Frauen und solche, die etwas kompensieren wollen.»

SI online: Ulrike Ehlert, eine Frau darf heute ab einem gewissen Alter kaum noch zu ihren Jährchen stehen. Wie hat sich dieser Trend entwickelt?
Ulrike Ehlert: Die familiären Strukturen haben sich gewaltig verändert. Vor 20, 30 Jahren blieben viel mehr Paare zusammen. Weil die Frau vom Mann abhängig war. Heute kriegen die Schweizerinnen mit durchschnittlich 32 Jahren ihr erstes Kind, und um die 50, wenn der Nachwuchs flügge wird, folgt für viele die Neuorientierung. Auch in der Beziehung - und plötzlich möchten sie auf dem Heiratsmarkt wieder konkurrenzfähig sein.

Aber Frauen mit einem guten Selbstbewusstsein rennen doch deswegen nicht gleich zum Schönheitschirurgen!
Besonders empfänglich für Schönheits-OPs sind Frauen, die auf allen Ebenen erfolgreich sind. Sie wollen entsprechend aussehen. Und solche, die etwas kompensieren wollen. Die etwa reich verheiratet, selbst jedoch nicht berufstätig sind. Und dann gibts noch solche mit einer körperdysmorphen Störung. Sie sind mit bestimmten Körperteilen unzufrieden und süchtig nach Eingriffen. Das ist dann aber pathologisch. Übrigens sind die Männer punkto OPs stark am Aufholen.

Was gibts für Alternativen zu operativen Eingriffen?
Wir sollten uns bewusst sein, dass eine Schönheits-OP einen gesunden Lebensstil nicht ersetzen kann. Ab 30 sind wir für unser Aussehen doch sehr selbstverantwortlich! Gute Pflege, sich in Form halten und eine positive Ausstrahlung machen viel aus.

Was spricht für Sie gegen eine OP?
Ich habe lange an Kliniken gearbeitet und viele Frauen mit echten Problemen getroffen. Das hat mir gezeigt: Gesundheit ist das höchste Gut. Jeder Eingriff ist ein Risiko. Deshalb würde ich nichts ohne Not machen.

Zudem sind die Spätfolgen noch unbekannt.
Ebenso gespannt bin ich auf die heutigen Frauen, die sich von 30 an konsequent Sorge tragen. Die werden mit 50 jünger aussehen als ihre Mütter im gleichen Alter. Ich sehe ja schon einen Unterschied von mir zu meiner Mutter.

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