ProsiebenSat.1-Chef beleidigt sein Publikum Zuschauer seien «ein bisschen fett und ein bisschen arm»

Seine eigenen Kunden sollte man besser nicht vergraulen. Thomas Ebeling scheint das nicht zu interessieren. In einer Telefonkonferenz beleidigt der ProsiebenSat.1-Chef seine Zuschauer.
Thomas Ebeling
© Getty Images

Der Chef von ProsiebenSat.1 Thomas Ebeling dürfte nach seinem Fauxpas nicht mehr viel zu lachen haben.

Schauen Sie sich gerne Blockbuster auf Prosieben an? Oder geniessen Sie Casting-Sendungen wie «The Voice of Germany» auf Sat.1? Dann sind Sie höchstwahrscheinlich übergewichtig und haben wenig Geld.

Das jedenfalls scheint der Chef der ProsiebenSat.1-Gruppe zu glauben. Thomas Ebeling, 51, äusserte sich nämlich in einer Konferenz mit Analysten abfällig über das Publikum seiner Sender. Das macht das Medienportal dwdl.de publik.

Demnach antwortete Ebeling auf die Frage eines französischen Analysten, inwiefern Streaming-Dienste wie Netflix eine Konkurrenz seien: «All die Hollywood-Blockbuster gibt es auf unseren Sendern und nicht jeder Netflix-Film ist ein Homerun. Und sehr oft sind deren Inhalte sehr, sehr Arthouse-like. Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.»

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Ausschnitt aus dem Transkript der Konferenz.

Thomas Ebelings Stuhl wackelt

Ein Sprecher der Mediengruppe sagte auf diese Aussage angesprochen, es handle sich um ein Zitat, das aus dem Kontext gerissen wurde. «Es ging bei der Bemerkung darum, die gerne von Analysten verwendeten Stereotypen eines TV-Zuschauers in englischer Sprache zu reflektieren. Wenn man die Bemerkung aus dem Kontext zieht und wortwörtlich übersetzt, kann dies womöglich missverstanden werden. Die reine Textaussage spiegelt weder die Historie noch die Tonalität wider.»

Ebelings Fauxpas kommt zu einer denkbar schlechten Zeit für den CEO. Denn um den Ruf des Deutschen steht es nicht gut. Laut mehreren Medienberichten soll der Verwaltungsrat bereits nach einem Nachfolger für ihn suchen. Obwohl Ebelings Vertrag bis 2019 laufen würde, soll er angeblich schon 2018 abgesetzt werden.

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