«Die Schweizer» Aufstand gegen die SRF-Serie ohne Frauen

Da hat sich das Schweizer Fernsehen in die Nesseln gesetzt. Eine Porträtreihe zeigt im November bedeutende Figuren der Schweizer Geschichte - ausschliesslich Männer. In den Medien und auf Twitter bildet sich Widerstand gegen das 5-Millionen-Franken-Projekt.
Die Schweizer Debatte SRF-Serie ohne Frauen
© SRF

Hans Waldmann, Stefano Franscini, Niklaus von Flüe, Alfred Escher, Guillaume-Henri Dufour und Werner Stauffaucher als Schweizer-Helden. Und wo bleiben die Frauen beim SRG-Themenmonat?

Es ist eine Prestige-Produktion, ausgerechnet! Im November lanciert das Schweizer Radio und Fernsehen auf allen Kanälen und in allen Landesteilen «eines der grössten Projekte in der Geschichte der SRG», wie es heisst. «Die Schweizer» widmet sich einen Monat lang Fragen zu Entstehung, Zustand und Zukunftsperspektiven der Schweiz. Herzstück bilden vier Filme über sechs herausragende Figuren der Schweizer Geschichte. Doch bereits vor der Ausstrahlung gerät das 5.2 Millionen teure Geschichts-Projekt unter Beschuss. Grund: Unter den Persönlichkeiten befindet sich keine einzige Frau.

Werner Stauffacher, Niklaus von Flüe, Hans Waldmann, Guillaume-Henri Dufour, Alfred Escher und Stefano Franscini werden porträtiert. Wo aber bleiben die Frauen?, fragen sich zahlreiche Kritikerinnen. In der «Schweiz am Sonntag» machen sich Politikerinnen Luft. «Es ist unfassbar, dass wir im Jahr 2013 - nach all unseren Bemühungen und nach einer Frauenmehrheit im Bundesrat - noch immer gegen ein einseitiges Geschichtsbild kämpfen müssen, in dem Frauen keine oder nur eine marginale Rolle spielen», empört sich die einstige CVP-Nationalrätin und Nationalratspräsidentin Judith Stamm. Chiara Simoneschi-Cortesi, ebenfalls ehemalige CVP-Nationalratspräsidentin, findet die Auswahl der Protagonisten «nur noch zum Weinen». Und die amtierende Nationalratspräsidentin Maya Graf (Grüne) sagt: «Meine erste Reaktion war: Unglaublich! Es kann doch nicht sein, dass in der heutigen Zeit diese Sensibilität noch immer fehlt.» SRG-Generaldirektor Roger de Weck ist aufgrund Ferien für eine Stellungnahme nicht erreichbar gewesen, schreibt das Sonntagsblatt weiter. SRG-Sprecher Iso Rechsteiner verweist derweil an das Rahmenprogramm rund um die TV-Geschichtsfilme.

Gemeint sind die Sendungen «Sternstunde Philosophie» und «Sternstunde Kunst», die während des Themenmonats historisch bedeutende Frauen ins Zentrum rücken wird. Für Michèle Binswanger immerhin ein «Trost», wie sie in einem scharfen Kommentar im «Tages-Anzeiger» schreibt. Die Journalistin ist überzeugt: «Es gibt etliche Historikerinnen, die sofort eine ganze Reihe von Frauen nennen können, deren Taten und Entscheidungen wichtig genug waren, überliefert zu werden, und die man aus heutiger Sicht neu bewerten könnte.»

Unter #schweizerinnen» wird die Diskussion auch auf Twitter weitergeführt. Und dort werden zudem Frauen zusammengetragen, die die hiesige Geschichte prägten. Das Sammelsurium ist gross. James-Bond-Girl Ursula Andress und TV-Legende Paola Felix werden genauso genannt wie Heidi-Schöpferin Johanna Spyri und Malerin Anna Waser. Einigkeit scheint vor allem über etwas zu herrschen: Weibliche Persönlichkeiten hätte es fürs TV-Projekt grundsätzlich genug gegeben.

Welche Frauen gehören Ihrer Meinung nach zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte? Was halten Sie von der aktuellen Debatte? Diskutieren Sie mit - im unten zur Verfügung stehenden Kommentarfeld.

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