Wellenreiten statt Zwangsheirat Die Surfer-Mädchen von Bangladesch träumen von der Freiheit

Zukunft bedeutet für ein Mädchen aus Bangladesch: heiraten, Kinder kriegen, weiter arbeiten. Eine Gruppe von Teenagern aus Cox's Bazar sträubt sich gegen dieses Schicksal. Sie steigen in die Wellen des Indischen Ozeans und surfen. Für Freiheit, Unabhängigkeit und ein besseres Leben. 

Shoma steht schon vor Sonnenaufgang auf, um am Strand Essen, Trinken und billigen Schmuck zu verkaufen. Bevor die Sonne wieder untergegangen ist, kann sie nicht zu Hause aufkreuzen. Shoma ist erst 14 Jahre alt, doch sie muss täglich hart arbeiten, damit ihre Familie etwas zu essen hat. Vor drei Jahren änderte sich Shomas Leben, als sie einen jungen Mann auf einem Brett über die Wellen gleiten sieht. «Das will ich auch machen», sagt sie zu ihm, als er aus dem Meer steigt. «Komm morgen früh wieder», antwortet der Mann.

Doch Shoma traut sich nicht recht. Ihre Mutter würde das nicht gutheissen. «Wenn ich nicht genügend Geld nach Hause bringe, schreit meine Mutter. Ich habe Angst vor ihr», sagt sie zur «L.A. Times». Aber das Mädchen legt seine Angst ab und schleicht sich täglich für ein paar Stunden davon, um zu surfen. Nach kurzer Zeit sind es bereits acht Mädchen, die sich Shoma angeschlossan haben. Rashed Alam, der Mann aus den Wellen, bringt ihnen das Surfen bei. 

Anständige Mädchen schwimmen nicht

Doch die neue Leidenschaft bleibt das Geheimnis der Teenager. «Die Eltern wollen, dass sie arbeiten gehen. Wir müssen sie erst überzeugen, dass sie auch eine andere Zukunft haben können», sagt Rashed. Ein weiteres Problem: Die Menschen in Bangladesch zerreissen sich den Mund über die Surfer-Girls. Der Ruf der Kinder leidet in einer Gesellschaft, die von Männern dominiert wird. Denn anständige Mädchen schwimmen noch nicht mal. «Niemand ist daran gewöhnt, dass sich Mädchen so selbstbewusst geben», sagt Vanessa Rude, Freundin von Rashed und Amerikanerin.

Das Paar und die Fotografin Allison Joyce haben sich dem Schicksal der Mädchen verschrieben, unterstützen sie mit Surf- und Englisch-Unterricht und sie haben auch ein Crowd-Funding-Projekt gegründet, um die Familien zu unterstützen. Denn es geht um mehr als um eine Freizeitbeschäftigung. Es geht darum, die Träume dieser Mädchen zu verwirklichen, ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Ein unabhängiges Leben. 

Und es funktioniert: Shoma hat an einem lokalen Surf-Wettbewerb den dritten Platz erreicht und umgerechnet rund 40 Franken gewonnen - so viel wie sie sonst in zwei Monaten verdienen würde. Und wenns ums Geld geht, ist auch die Familie an Bord. «Vielleicht wird sie irgendwann in Hawaii surfen», sagt Shomas Mutter. Und auch das mit dem Heiraten hat plötzlich Zeit. «Sie kann heiraten, wann sie will.»

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