Grosse Reportage Mutz' Reise vom Warenlager bis unter den Baum

Onlineshopping boomt! Immer mehr Schweizer bestellen ihre Weihnachtsgeschenke im Netz. Die Reise von Teddy mutz vom Warenlager bis unter den Christbaum in Gerolfingen BE. 
Teddy Repo
© Thomas Buchwalder

Teddybär Mutz legt in zwei Tagen 300 Kilometer quer durch die Schweiz zurück.

Als Lara ihr Weihnachtsgeschenk mit der roten Schleife aufreisst und den braunen Teddybären darin entdeckt, schliesst sie ihn sofort ins Herz. «Du bist jetzt mein Mutz!», sagt das achtjährige Mädchen und umarmt ihren neuen Freund, der fast so gross ist wie sie selbst.

Dass Mutz 300 Kilometer hinter sich hat, ahnt Lara nicht. Seine Reise hat zwei Tage zuvor mit einem Mausklick begonnen: Caroline, 46, und ihr Ehemann Reto Küffer, 45, sitzen zu Hause in Gerolfingen BE vor dem Laptop. Auf der Webseite des Online-Warenhauses Galaxus entdecken sie den Plüschbären und bestellen ihn für Tochter Lara.

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1.Bestellen: Reto und Caroline Küffer kaufen online einen Teddybären als Weihnachtsgeschenk für ihre Tochter.

Bis zu 26'000 Päckli jeden Tag

Damit liegen sie voll im Trend: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer bestellen ihre Weihnachtsgeschenke online: In der Adventszeit verschickt alleine Galaxus bis zu 26 000 Päckchen pro Tag. Bis Ende Jahr werden die Schweizer über acht Milliarden Franken im Netz ausgegeben haben – doppelt so viel wie 2007.

Digitec Galaxus betreibt eine der modernsten Verkaufsfabriken der Schweiz. Das Unternehmen hat in Wohlen AG ein sieben Fussballfelder grosses Lager eingerichtet. In alten Fabrikhallen, wo früher Stahl gegossen wurde, schläft zwischen Schubkarren, Smartphones und Schwimmflossen der Teddybär Mutz. Im abgedunkelten vollautomatischen Warenlager wartet er auf einem der 18 Meter hohen Regale mit fast einer Million anderen Artikeln auf die Bestellung.

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2. Rausholen: Der Roboter weiss genau, wo er Kuschelbär Mutz in der Lagerhalle in Wohlen AG rauspicken muss. 

Ein Roboterarm bewegt sich zum Regal 8 und greift im Fach R08S1X070Y23 nach einer Kiste. Mutz’ Kiste! Die eiserne Hand packt sie und zieht Mutz auf ein Förderband. Das Plüschtier fährt aus der Halle und kommt zum ersten Mal seit der Bestellung in Berührung mit Menschen: Nadine Eichkorn packt das Stofftier mit den dunklen Knopfaugen und legt es auf einen Schiebewagen. Die 31-Jährige arbeitet seit drei Jahren beim Onlinehändler. «Ich sehe hier jeden Tag mögliche Weihnachtsgeschenke.» Eines der beliebtesten ist aktuell der Kinder-Roboter Cozmo, der einen anstupst, damit man mit ihm spielt.

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3. Verpacken: Beim Online-Warenhaus Galaxus tütet Nadine Nemeth, 23, jeden Tag fast 300 Geschenke ein.

Jeder weist einen Strafregisterauszug vor

In Wohlen arbeiten 300 Leute. Über die Weihnachtszeit packen zusätzlich 60 Aushilfen mit an –von 5 Uhr früh bis 22 Uhr nachts. Ins Lager kommen alle Mitarbeiter nur durch eine Schleuse mit ihrem Fingerabdruck. Taschen und Jacken müssen draussen bleiben. «Gelegenheit kann leider Diebe machen – auch wir haben das erfahren müssen», sagt Logistikchef Michel Boha. Im Lager des Webshops liegen die neusten iPhones und die modernsten Kameras zum Transport bereit. Bevor sie den Arbeitsvertrag unterschreiben können, müssen alle Mitarbeiter einen Strafregisterauszug vorweisen.

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4. Bereitstellen: Die Mitarbeiter in Wohlen rüsten die Pakete während 17 Stunden am Tag für den Transport.

Kuscheltier Mutz wird zur Verpackungsstation geschoben. Die 23-jährige Vivien Nemeth steckt den Bären in eine Kartonbox. Diese klebt sie oben und unten zu – und fertig ist das Paket. Das macht sie 35-mal in der Stunde, acht Stunden am Tag. Monoton findet sie ihre Arbeit aber nicht: «Es macht mich zufrieden. Ich sehe immer wieder neue Artikel – das ist nicht langweilig!» Und in Mutz hat sie sich sogar ein bisschen verliebt: «Ich wünsche mir auch so einen!» Innert zwei Stunden verlässt Mutz die Hallen des Online-Giganten im aargauischen Industriegebiet mit dem Lastwagen.

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5. Transportieren: In der Adventszeit verlassen bis zu 26 000 Pakete das sieben Fussballfelder grosse Lager mit bis zu 360 Mitarbeitern.

Ab durch die Post

Nächster Stopp: das Paketzentrum der Post in Härkingen SO. Hier arbeiten vor Weihnachten 750 Personen auf Hochtouren. Für die Adventszeit hat die Post 150 Personen zusätzlich eingestellt, die dafür sorgen, dass Pakete ab 5 Uhr morgens bis 2.30 Uhr in der Nacht verarbeitet werden.

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6. Ankommen: Bei der Post in Härkingen SO gehen vor Weihnachten täglich eine halbe Million Pakete ein. Doppelt so viel als normal. 

Die Box mit der roten Schleife, wo Mutz drin schläft, wird von Mitarbeiter Winston Köpfer, 49, gepackt und auf ein Förderband gesetzt. Er kennt sich aus hier: Seit 15 Jahren arbeitet Köpfer im Paketzentrum. «Klar, das ist eine strenge Arbeit. Vor allem kurz vor den Feiertagen.» Die Mitarbeiter der Post in den Paketzentren heben bis zu acht Tonnen am Tag. Neben dem Personalrestaurant steht ein Kraftraum für sie bereit – Rückenmuskeln sind wichtig in dem Job.

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7. Einscannen: Winston Köpfer, 49, arbeitet seit 15 Jahren im Paketzentrum. «An Weihnachten geht die Post ab.»

Rund eine halbe Million Päckli pro Tag

Wie durch Geisterhand bewegen sich alle Päckchen mit bis zu neun Stundenkilometern durch ein riesiges Labyrinth und werden je nach Region des Empfängers an einer anderen Stelle vom Sortier-Monstrum ausgespuckt. Fast eine halbe Million Pakete verlassen so täglich das Paketzentrum. «Die meisten Pakete kommen am Montag», sagt Beat Lindegger, stellvertretender Leiter des Zentrums. «Vor allem wenn es am Sonntag regnet, geht hier die Post ab!»

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8. Sortieren: Auf der 2,5 Kilometer langen Anlage der Post werden 25 000 Pakete pro Stunde für den Verlad bereit gemacht.

Weiter geht die Reise des Teddys nach Daillens VD. Hier wird das Päckli nochmals durch eine Sortieranlage geschickt und dann direkt zur Distributionsbasis in Biel BE gefahren.

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9. Verladen: Fabio Hassler, 19, hat knapp 20 Sekunden Zeit für jedes Paket. «Vor Weihnachten stehe ich stets um 4.45 Uhr auf!»

Der 31-jährige Postbote Jimmy Sauser ist für den letzten Abschnitt der Reise zuständig. «In der Zeit vor Weihnachten trage ich etwa doppelt so viele Pakete aus als sonst. Allein heute waren es 352!»

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10. Liefern: Mama Caroline strahlt. Zwei Tage nach Bestellung bringt Pöstler Jimmy Sauser, 31, das Geschenk für Lara ins Berner Seeland.  

An der Haustür läutet er: «Ding, Dong», das Paket ist da!

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11. Kuscheln: Lara Küffer freut sich über Mutz, den Teddybären, der fast so gross ist wie sie. «Dich gebe ich nie mehr her!»
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