Schönheitswahn Top gestylt zur Geburt? Nicht in der Schweiz!

Das Streben nach Schönheit hat in Amerika einen ganz besonders hohen Stellenwert. Dementsprechend lang ist auch die Liste angebotener Beauty-Treatments für Schwangere. Gut aussehen im Gebärsaal? No prob - aber unvorstellbar für die beiden Mütter Tanja Dankner und Schminkbar-Visagistin Kim Petri.

Käsige Beine? Ab unter die Bräunungsdusche! Stumpfes und kraftloses Haar? Der Figaro schafft Abhilfe. Und bei vernachlässigten Nägeln ist die einzige Schwierigkeit, sich für das richtige Nagelstudio zu entscheiden. Denn in keinem anderen Land können sich Schwangere kurz vor der Geburt so leicht den letzten Anstrich verpassen lassen. Make-up, French Manicure, Brazilian Waxing und was sonst noch das Herz einer eitlen Schwangeren begehrt - alles kein Problem. Und: absolut nicht verpönt. Was Kim Kardashian, 32, kann, können andere Mütter schon lange.

Es kursieren Gerüchte, dass dem Reality-TV-Star während der Geburt ein Make-up-Artist und eine Hair-Stylistin zur Seite gestanden hätten. Ausserdem soll sie Zehn-Zentimeter-High-Heels getragen haben. Und das alles nur, weil das erst Foto mit ihrer Tochter North West hochglanz-tauglich sein sollte.

Dass sich Schwangere in den USA für ihre Geburt derart in Schale werfen, findet in der Schweiz zwar Verständnis (abgesehen von den Heels!), aber keine Nachahmerinnen. «Das ist doch Einstellungssache. Die eine fühlt sich hochschwanger sehr schön, die andere braucht dafür äusserlich Hilfe», sagt Tanja Danker, 38, zu SI online. Sie selbst hat vor der Geburt ihrer Kinder Naira, 8, und Ayel, 5, nicht übertrieben auf ihr Aussehen geachtet. «Ich habe mir die Fussnägel und ein Peeling machen lassen, weil ich mit meinem dicken Ranzen nicht mehr runtergekommen bin und während der Geburt nicht auf hässliche Füsse schauen wollte», erzählt die Musikerin und lacht. «Und natürlich war ich während der Schwangerschaft auch beim Coiffeur.» Weil sie es wichtig finde, das man auf sein Äusseres achtet. Sich aber einem aufwendigen Kreissaal-Styling hingeben? «Ich glaube nicht, dass das Baby einen dadurch schöner findet.» Dass Tanja Danker bei den ersten Wehen ihrer Tochter trotzdem wie aus dem Ei gepellt war, kam eher zufällig. «Ich stand drei Stunden zuvor auf der Bühne der Avo-Session.»

«Ich glaube, dass eine Frau während der Geburt ganz andere Probleme hat», sagt Kim Petri, Mitbesitzerin der Schminkbar Zürich. «Da wird doch das Styling total unwichtig.» Selbst für eine Expertin. «Lieber ist eine Frau ungeschminkt, als dass ihr während dem Gebären das Make-Up verläuft.» Die Geburt ihrer 18 Monate alten Tochter Mila dauerte zwar «nur» acht Stunden, «aber ich habe geschwitzt, geschrien und geweint». Diese Extremsituation hätte kein Make-up überlebt. 

Sowieso: Ein übertriebenes Zurechtmachen stünde nicht auf der Wunschliste ihrer Klientinnen, auch wenn sie das nicht verurteilen würde. «Wir haben viele schwangere Kundinnen. Doch die wollen vor allem eine Mani- oder Pedicure.» Schliesslich seien die Füsse meist die Leidtragenden während neun Monaten. «Eine Frau bittet ihren Liebsten nur ungern, ihr die Fussnägel zu schneiden. Und Lackieren liegt den Männern eh nicht so», weiss die Make-up-Artistin.

Dass in Amerika der Trend weit über schöne Nägel, Wimpern oder Brauen hinausgeht, verurteilt Kim Petri nicht. «Schlussendlich müssen sich die Frauen in ihrer Haut wohl fühlen.» Ausserdem kann sie sich vorstellen, dass sich Frau eher vor einem Kaiserschnitt, der in den USA ja bekanntlich Hochkonjunktur hat, so aufbrezelen lässt: «Da kennt man schliesslich den genauen Tag und weiss, dass die Geburt nicht allzu lange dauert.» 

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