Die neuen Nationalräte im Porträt So strahlen Sieger: Hess (SVP) & Campell (BDP)

Scharfmacher, Single, Seconda. Bauer, Bobfahrer und Pausenclown: Die «Schweizer Illustrierte» zeigt die 8 spannendsten der 49 neuen Nationalräte. Im 2. Teil: Erich Hess (SVP) und Duri Campell (BDP).

ERICH HESS, 34, SVP BERN
Wer auf Youtube die Videos mit Erich Hess schaut, kommt schnell zum Schluss: Hier macht einer jeden Spass mit. Auch wenn der Spass auf seine eigenen Kosten geht. Hess springt voll bekleidet in einen Swimmingpool. Er tritt in der Talkshow eines Porno-Darstellers auf. Lässt sich in einer ZDF-Satiresendung vorführen. Ist Hess der Pausenclown der SVP? Und weshalb haben ihn dann die Berner in den Nationalrat gewählt?

Hess sitzt in Bern am winzigen Tisch seiner winzigen Einzimmerwohnung. Und macht gar nicht den Eindruck eines Clowns. Sondern den eines überlegten, klugen Zeitgenossen. Gibts zwei Erich Hess? «Die meisten Menschen korrigieren nach fünf Minuten das Bild, das sie von mir über die Medien erhalten haben», sagt er. «Sogar die Linken.» Leidet Hess unter dem Image des Pausenclowns? Er lacht wie ein Schulbub. «Nein.» Denn er weiss genau: Seine Aktionen bringen ihm Medienpräsenz. Und diese hat ihm bei den Wahlen geholfen. Erich Hess steht am rechten Rand der neuen SVP-Fraktion. Er will die Einwanderung begrenzen. Die Kriminellen ausschaffen. Die Einbürgerung erschweren. Trotzdem weist er den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit vehement zurück.

«Ich bin auf keinen Fall ein Rassist.» Als Lastwagenfahrer und als Immobilienverwalter habe er viel mit Ausländern zu tun. Und: «Ich hatte schon ausländische Freundinnen.» Zurzeit ist Hess aber Single. Deshalb stört es ihn auch nicht, in einer so kleinen Wohnung zu leben. «Ich bin sowieso nur zum Schlafen hier.» Doch das soll sich bald ändern. «Ich suche nach einer anständigen Frau. Und könnte mir vorstellen, eine Familie zu gründen.»

DURI CAMPELL, 52, BDP GRAUBÜNDEN
Duri Campell sprintet über den Vorplatz seines Hofes in Chapella GR. Der frisch gewählte BDP-Nationalrat ist spät dran. Die Sitzung im Grossen Rat in Chur hat länger gedauert. Und eigentlich müsste er schon beim nächsten Termin sein. Die Tourismusorganisation Engadin St. Moritz trifft sich. Dort sitzt der Landwirt im Vorstand. «Kommt natürlich wieder alles auf einmal», sagt Campell und lacht. Die Engadiner Sonne scheint ihm ins Gesicht.

Er habe gezittert am Sonntag. «Das will ich hier gesagt haben.» Zusammen mit seinen Parteikollegen hat er den Wahltag in Haldenstein GR bei Suppe und Fleisch vor dem Fernseher verbracht. Und ja, danach, da hat er gefeiert. «Zünftig.» Zuerst in Chur mit seinen Parteikollegen, dann in der Turnhalle von S-chanf. Seit 134 Jahren hat es kein Oberengadiner mehr in den Nationalrat geschafft. «Eine extrem lange Zeit, wenn man sich das mal genau überlegt.»

Campell, der Landwirt, will sich für eine beständige Agrarpolitik einsetzen. Und Campell, der ehemalige Skilehrer und Leiter der Skischule Zuoz, will sich für den Tourismus engagieren. «Ich habe schon immer nur dort Politik gemacht, wo ich auch praktische Erfahrung habe.» Vor lauter Wahlkampf hatte er dieses Jahr nur drei Tage Zeit für die Jagd. Doch gross bedauern mag er das nicht. «Gleich zwei Hirsche hab ich geschossen.» Campell lacht und eilt zum nächsten Termin.

Weitere Porträts: In der neuen «Schweizer Illustrierten» Nr. 43 - ab 23. Oktober am Kiosk, auf Ihrem iPad oder im WebReader. Und täglich auf SI online.

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