Wahlen 2015 Im Porträt: SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti

Bergbäuerin Berti Wandfluh ist Albert Röstis grösster Fan. Als Bub hat ihr der SVP-Wahlkampfleiter aus Kandersteg beim Melken geholfen. Heute unterstützt sie seine Partei im Wahlkampf.
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© Kurt Reichenbach

Auf der Alp oberhalb von Kandersteg hat Albert Rösti als Bub Kühe gemolken.

Auf dem stotzigen Kiesweg ins 1900 Meter hoch gelegene Ueschinental ist Albert Rösti ein gern gesehener Gast. Immer wieder hält er an, um Leute zu grüssen - die meisten kennt er mit Vornamen. «Ich gehe zu Berti», sagt er. Jeder weiss, wer gemeint ist. Bergbäuerin Berti Wandfluh ist im Ueschinental eine Lokalheldin, seit sie sich im «Club» des Schweizer Fernsehens gegen die Ansiedlung des Wolfes gewehrt hat. Die 71-Jährige empfängt den SVP-Nationalrat in einer Plastikschürze, drückt ihm zwei Küsse auf die Wangen. Er müsse die Aufmachung entschuldigen, sie sei am Käsen. «Immer viel zu tun hier oben, du kennst das ja, Albert.»

Rösti, 48, ist als Sohn eines Bergbauern in Kandersteg aufgewachsen. Die Sommer verbringt er mit seinen drei Geschwistern und den Eltern auf der Alp, Berti Wandfluh wohnt mit ihrer Familie nebenan. Ein blondes, zartes Kind sei Rösti gewesen, erinnert sie sich. «Und ein fleissiger und braver Statterbueb.» Als solcher melkt er die Kühe und baut die Zäune auf - während seine Freunde mit den Eltern in die Sommerferien ans Meer fahren. «Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich etwas verpasse, später aber schätzte ich die Ruhe auf dem Berg.» Bis 25 verbringt Rösti jeden Sommer auf der Alp. «Diese Zeit hat mich politisiert.» So habe er gesehen, wie die Bauern um Direktzahlungen kämpften. Und natürlich hätten ihn die konservativen Werte geprägt. «Linke sucht man hier oben vergeblich.»

Berti Wandfluh ist SVP-Mitglied durch und durch. Adolf Ogis Bundesratswein von 1987 hat sie bis heute aufbewahrt. «Der Adolf hat der SVP die Treue gehalten, nicht wie der Sämi Schmid.» Mit der BDP kann sie nichts anfangen. Als ihr Rösti erzählt, dass BDP-Nationalrat Hans Grunder über ihn gesagt habe, er passe mit seiner ruhigen Art besser in die BDP, haut sie auf den Tisch. «Überhaupt nicht!» Klar sei Rösti kein Polteri. «Er lässt sich nie provozieren, bleibt immer anständig und ist nicht so ein Extremer wie der Blocher.» Wobei sie grosse Stücke auf den SVP-Doyen halte. «Ohne ihn wäre die SVP nicht dort, wo sie heute steht.» Trotzdem sei er für sie nicht mehr die Nummer eins. «Heute ist der Rösti Albert dem Blocher Christoph überlegen.» Rösti, der für den Ständerat kandidiert, lächelt verlegen: «Manchmal sagen mir die Leute aber schon, dass ich etwas mehr Gas geben könnte.»

Seine berufliche Karriere hat Rösti zielstrebig verfolgt. Mit 20 verlässt er das Elternhaus in Kandersteg, um an der ETH in Zürich Agrarwissenschaften zu studieren. «Die ETH - was waren wir stolz!», sagt Wandfluh. Rösti erinnert sich auch gerne an seine Studienzeit zurück. Etwa an die Vierer-WG in Zürich Oerlikon, wo er zusammen mit seiner späteren Frau Theres wohnte. «Eine super Zeit - obwohl ich in der linken Studentenschaft mit meinen konservativen Werten aneckte.» Ein Exot war Rösti auch, als er nach dem Studium auf die Alp zurückkehrte, um angehende Bauern wie Wandfluhs Sohn zu unterrichten und die ansässigen Landwirte zu beraten. «Das war die grössere Herausforderung als in Bern zu politisieren.» Kritisch hätten sie den «Schnösel von der ETH» gemustert - und gerne auf die Probe gestellt. Etwa, als er zwei Bauern empfohlen hat, ihre Mistverteilermaschine zu teilen, weil das günstiger käme. «Da fragten die mich, wie denn das mit der Versicherung laufe - und ich war sprachlos.» Wandfluh lächelt. «Das ist eben die berühmte Bauernschläue.»

Politisch musste Rösti, der bereits mit 18 der SVP beigetreten ist, Rückschläge einstecken. Wie beispielsweise im März 2010, als er nicht in den Berner Regierungsrat gewählt wurde. Wandfluh erinnert sich. «Ich war an einer Schafschau, als ich davon erfahren habe, und wollte nur noch nach Hause. Ich habe mich wahnsinnig geärgert!» Heute hat sie für Röstis Niederlage eine simple Erklärung. «Die haben ihn in Bern noch nicht gekannt!» Nach vier Jahren im Nationalrat und als Wahlkampfleiter der SVP sei Rösti nun eine nationale Grösse. «Die Leute mögen ihn, darum schafft er es auch in den Ständerat.» An Wandfluh würde es sicher nicht liegen, falls Rösti den Sprung ins Stöckli nicht schafft. Auch wenn sein Wahlplakat, das sie an ihre Hütte gepinnt hat, etwas veraltet ist. «Ich rufe jedem Wanderer zu, er solle den Rösti wählen.» Stolz sammelt sie alle Zeitungsartikel über ihren Albert, mit dem sie politisch immer einer Meinung gewesen sei. «Er ist ja auch viel intelligenter als ich.»

So befürworte sie den Aufnahmestopp für Asylbewerber, den die SVP fordert. «Wir können ja nicht alle aufnehmen. Aber es ist schon schlimm, was da auf dem Mittelmeer passiert, gell?» Rösti nickt und antwortet: «Deshalb müssen wir vor Ort helfen.» Bei einem Thema würde Wandfluhs Liebe zu Albert aber aufhören. «Wenn er auf die Idee kommen würde, den Wolf wieder anzusiedeln. Dann gäbe es ein Donnerwetter!»

Die SVP zählt rund 90'000 Mitglieder. 2011 beträgt ihr Wähleranteil 26,6 Prozent. Für den Wahlkampf soll sie laut Experten 15 Millionen Franken ausgeben.

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