Wahlen 2015 Im Porträt: CVP-Vizepräsidentin Ida Glanzmann-Hunkeler

Schlagzeuger Sepp «Babali» Glanzmann ist der Cousin ihres Gatten. Jetzt möchte er CVP-Vizepräsidentin Ida Glanzmann-Hunkeler zum Wahlsieg trommeln. Als Einflüsterer, Kritiker und Ratgeber.
Wahlen 2015 Schweiz CVP Ida Glanzmann Hunkeler Familien
© Monika Flückiger

Bumm, bumm, tätsch! Ida Glanzmann-Hunkeler am Schlagzeug.

Totalangriff aufs Trommelfell! Wenn CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler, 56, und ihr Kollege Sepp Glanzmann, 75, loslegen, sind ihre Schläge und Töne in halb Altishofen LU zu hören. Immerhin, die beiden spielen gekonnt. Vor allem er schwingt die Drumsticks virtuos, galt er früher doch als einer der besten Schlagzeuger im Lande. «Babali» nennt Ida Glanzmann den Sepp. Und Babali war schon dabei, als sie ihren künftigen Mann Walter kennenlernte. «Das war 1975», erzählt Sepp. «Ida verliebte sich in meinen Cousin Walter. Und ich gab dabei quasi den Takt an.» Die beiden lachen herzhaft und schwelgen gleich in Erinnerungen.

Die damals 17-jährige Ida kam aus dem benachbarten Ebersecken LU und besuchte in Altishofen eine Tanzveranstaltung. «Es gab keine Diskotheken, sondern Livemusik», sagt sie. Und am Schlagzeug der Band Tomcats sass - Sepp!  «Ida war eine tolle Tänzerin», erinnert er sich. So kamen Ida und Sepp zum gleichen Nachnamen, so kam es zu einer Freundschaft, die bis heute hält. In die Politik eingestiegen ist Ida Glanzmann knapp zwanzig Jahre (und drei Kinder) später. Kein Zufall, denn das Politisieren steckt in der Familien-DNA: Ihr Vater war Gemeindepräsident von Ebersecken, und einer ihrer Ururgrossväter, Josef Zemp, gar der erste nichtfreisinnige Bundesrat der Schweiz. «Als Vertreter der Katholisch-Konservativen.» Bei Ida Glanzmann gab die EWR-Abstimmung (sie war Befürworterin) den Ausschlag, sich politisch zu engagieren. Wie es die Familientradition will, natürlich bei der CVP.

Bald gehts Schlag auf Schlag: 1995 wird sie Mitglied im Grossen Rat in Luzern, seit 2006 sitzt sie im Nationalrat, seit 2008 ist sie Vizepräsidentin der CVP. «Verändert hat sich Ida in diesen Jahren kaum», sagt Sepp Glanzmann. Sie sei immer gradlinig, korrekt und lösungsorientiert gewesen. «Und den harten Kopf, den es in der Politik braucht, hat sie auch.» Sepp Glanzmann geniesst das Leben als Pensionär die Hälfte des Jahres in Els Poblets an der Costa Blanca in Spanien. Seinen berühmten Schlagzeugshop, den Profis aus aller Welt «Shop in the forest» nennen, führt sein Sohn Heinz. Über die Schweizer Politik informiert er sich täglich. «Ich empfange das Schweizer Fernsehen und lese die Zeitungen via Internet.» Aufmunitioniert mit Informationen, Fragen und Kritik komme er dann zu ihr, sagt Ida Glanzmann. «Er ist nicht nur ein Freund, sondern ein wichtiger politischer Diskussionspartner.»

Politische Differenzen haben die beiden allerdings kaum - auch Sepp Glanzmann ist auf CVP-Linie. «Und hier in Altishofen ist es politisch noch wie in den guten alten Zeiten», sagt er. Das bedeutet: viel CVP, wenig FDP, noch weniger SP, keine organisierte SVP. Sie habe sich umstellen müssen, als sie damals nach Bern gekommen sei, sagt Ida Glanzmann. «In Luzern waren wir die Mehrheitspartei und bestimmten, wo es langging. In Bern ist es nicht ganz so einfach.» Erfolgreich ist die CVP-Vizepräsidentin aber auch im Bundeshaus. Gemäss der Online-Wahlhilfe Smartvote hat Ida Glanzmann in der letzten Legislatur 88 Prozent der Abstimmungen gewonnen - Rang vier im Nationalrat.

Die CVP werde für ihre erfolgreiche Arbeit schlecht belohnt, sagt sie. National liegt der Wähleranteil noch bei 12,3 Prozent, auch die Umfragen für den Herbst verheissen wenig Gutes. «Die CVP erarbeitet Lösungen. Aber das sind in der Schweiz immer Kompromisse, nur will das keiner hören.» Stattdessen hätten sture Haltungen Hochkonjunktur. Laute Töne, ausser wenn sie am Schlagzeug sitzt, sind von der CVP-Vizepräsidentin kaum zu hören. Dies ändert sich nur dann, wenn in der Zentralschweiz Fasnacht ansteht. Ihr grosses Hobby ist das Mitmachen in der Zunft «Zünftige Fasnächtler». Im vergangenen Jahr war ihr Motto: «Rockt das Schwein!» Stolz präsentiert sie die Schweinemaske von damals - die Ähnlichkeit der Augenpartie ist nicht zufällig.  Noch nie habe sie eine Session geschwänzt, sagt Glanzmann. Und fügt lächelnd an: «Ausser einen Tag für die Fasnacht.»

Auf die Frage, ob sie sich nach dem Rücktritt von Christophe Darbellay ums Parteipräsidium bemühen werde, sagt sie zumindest nicht Nein. «Wir schauen nach den Wahlen, diese haben jetzt Priorität.» Dass der Gedanke nicht ganz fremd ist, zeigt die Aussage von Sepp Glanzmann. Er spricht jetzt schon davon, dass «der Zuger» ein harter Konkurrent sein werde. Gemeint ist Rats- und Parteikollege Gerhard Pfister. Und wenn sie es versuchen sollte, ist jetzt schon klar, wer die Werbetrommel am lautesten für sie rühren wird. «Ich haue auf die Pauke, damit man es sogar in Bern hört», sagt Sepp Glanzmann.

Die CVP hat 100'000 Mitglieder. 2011 beträgt ihr Wähleranteil 12,3 Prozent. Das Wahlkampfbudget liegt laut eigenen Angaben bei rund 2 Millionen Franken.

Welche Partei hat Ihre Sympathie?

Im Dossier: Die Wahlstafette - wenn Politiker Politiker interviewen

Auch interessant